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Sorge um Existenz : Flensburger Fischer fürchten um ihren Hafen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In fünf Jahren läuft der Pachtvertrag des Fischereivereins aus. Die Fischer wollen vorzeitig verlängern - doch die Stadt ist skeptisch.

shz.de von
erstellt am 07.10.2013 | 05:00 Uhr

Der Fischereiverein Flensburg ist in Sorge. In fünf Jahren läuft der Pachtvertrag für die kleine Steganlage unterhalb des Hafendamms aus. Der Verein würde gerne schon jetzt einen langjährigen Anschlussvertrag abschließen, aber die ersten Signale aus dem Rathaus waren nicht ermutigend, sagt der Vorsitzende Horst Hansen.

Der Streifen Strand ist ein ganz eigenes Stück Flensburg. Hier schlug das neben dem maritimen Handel zweite starke Herz der Stadt – die Fischerei. Geblieben ist nicht viel. Nicht von ungefähr blickt man von den zwei Brücken des Fischereivereins direkt auf die Anlage des Historischen Hafens, der maritime Objekte sammelt und in Fahrt hält, die ihre Zukunft ebenfalls schon lange hinter sich haben. Und dass vom einstmals großen Fischereihafen gerade noch zwei kleine Brücken übrig geblieben sind, eingezwängt von den Stegen der großen Marina mit ihren Sportbooten, lässt die Rückkehr der guten alten Zeit nicht unbedingt erwarten.

Das will Horst Hansen auch nicht. Er ist Vorsitzender des Flensburger Fischereivereins. 1872 wurde er gegründet, hier an dieser Stelle am Stadtstrand war seither immer sein Quartier. Und erstmals seither schleicht sich die Sorge ein, die Tage könnten gezählt sein. Das hat mit einem Gespräch zu tun, das schon ein wenig her ist. 2011 standen die Flensburger Fischer mit dem Rathaus in Verbindung. Es ging um ihre Modernisierungspläne und die Förderungsmöglichkeit aus Mitteln des Programms Aktiv Region Nord. Der Verein war an den damaligen Planungs-Chef Michael Draeger herangetreten, weil er das kleine Fischereimuseum vergrößern und eine moderne Sanitäranlage errichten wollen – bislang herrscht hier nämlich immer noch der Standard von 1872, also Plumpsklo. „Wir hatten 100.000 Euro Kosten veranschlagt“, sagt Hansen. 10.000 hätten wir, 45.000 die Stadt und 45.000 das Land zahlen müssen.“ Doch die Verhandlungen waren schnell vorbei. Die Stadt hatte kein Geld, vor allem aber warf sie unangenehme Fragen auf. Nämlich, ob der Verein an dieser Stelle noch eine Daseinsberechtigung habe, erzählt Hansen. Draeger meinte, es wäre besser, wenn wir mehr Fischereifahrzeuge und weniger Sportboote an unseren Brücken hätten.

Bei den Fischern klingelten sofort die Alarmglocken. Unbestritten ist die Zahl der Fischereifahrzeuge über die Jahre zurückgegangen, räumt Hansen ein. „Nach dem Krieg hatten wir 80 Vollerwerbsfischer, die von Flensburg aus auf Fangfahrt gingen. Jetzt ist es unbestritten nur noch Nebenerwerb. Aber immerhin liegen hier noch 25 Boote!“ Und die Yachten? Gehören den Mitgliedern, von denen die meisten Fischer sind oder früher mal waren. „Ich weiß nicht, was die Stadt daran stört, wir müssen ja irgendwie auch unsere Pacht erwirtschaften.“ Der Klärungsbedarf für diese Fragen wird wieder größer. Denn der Fischereiverein hat jetzt beschlossen, die 100.000-Euro-Investition selbst zu stemmen. Voraussetzung dafür jedoch sei der vorzeitige Abschluss einen langjährigen Pachtvertrages.

Dem steht offenbar gar nicht so viel im Weg, wie befürchtet. Im Rathaus liegt die Planung mittlerweile wieder in den Händen von Dr. Peter Schroeders und dort gibt es im Hinblick auf das Vereinsgelände keine Begehrlichkeiten, sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. „Die Frage, ob die Fischer dort bleiben können oder nicht, stellt sich nicht, solange es dort Fischer gibt“, sagt der. „Die Anlage ist touristisch beliebt und kommt dem Stadtbild zugute. Vielleicht sollte Herr Hansen mal Kontakt mit dem Fachbereich aufnehmen.“

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