Nach tödlichem Schüler-Unfall : Flensburger Erfindung ohne Lobby? Stadt sieht Fahrrad-Radar kritisch

Schützenkuhle, Ecke Husumer Straße: Ein Unfalltoter, aber aus städtischer Sicht kein Unfallschwerpunkt.
Schützenkuhle, Ecke Husumer Straße: Ein Unfalltoter, aber aus städtischer Sicht kein Unfallschwerpunkt.

„BikeFlash“ könnte leben retten, doch die Verwaltung besteht auf eine Evaluierung des Systems durch eine Bundesbehörde.

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09. April 2018, 06:00 Uhr

Flensburgs Radler-Radar befährt weiterhin die Schleichspur. Sieben Monate nach dem tödlichen Unfall eines 14-jährigen Schülers an der Kreuzung Schützenkuhle/Husumer Straße präsentierte der Flensburger Erfinder Wolfgang Budde mit seinem Husumer Partner Oliver Tauffenbach BikeFlash, ein Sicherungssystem für den toten Winkel an kritischen Kreuzungen, die CDU-Fraktion forderte kurz darauf einen Probelauf für das System. Aber so schnell wird das wohl nichts.

Immer auf Augenhöhe mit dem Signal: Bike-Flash warnt auf vier Höhenniveaus.
Michael Staudt
Beim Abbiegen werden die Zweiräder von Autofahrern teilweise übersehen. Das Radler-Radar vom Flensburger Erfinder Martin Budde soll Unfälle verhindern.
 

Die Verwaltung möchte einen solchen Testlauf unbedingt durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) begleitet sehen. Budde und Tauffenbach wenden ein: Die BaSt sei dafür nicht zuständig. „Bis dort entsprechende Prüfparameter entwickelt sind, können noch fünf Jahre ins Land gehen“, fürchtet Oliver Tauffenbach. „Das ist doch ein Totschlag-Argument, das die Verwaltung da bringt.“

Er war Adressat eines für ihn enttäuschenden Schreibens aus dem neu geschaffenen Fachbereich Strategische Projekte, Verkehr und Umwelt (SuK). Planungschef Peter Schroeders wies darin auf die Verkehrssicherungspflicht der Stadt im öffentlichen Straßenraum und die Haftung für Folgen fehlerhafter oder nicht funktionierender Signalanlagen hin. Eine Zertifizierung der Anlage durch die BaSt sei nicht erforderlich, aber eine begleitende Evaluierung aus Sicht der Stadt geboten, so Schroeders.

Wie funktioniert das Sicherungssystem?

Budde setzt eine aus der maritimen Wehrtechnik stammende Wärmebildkamera ein, die an den neuralgischen Punkten das Geschehen auf der Spur neben dem motorisierten Verkehr 40 Meter weit gegen die Fahrtrichtung überwacht. Nähert sich einem abbiegenden Fahrzeug im toten Winkel ein Radfahrer, Skater oder Fußgänger, springen vier in unterschiedlichen Höhen an einem Lampenmast montierte LED-Warnleuchten plus ein Signal für den nahenden Radler an.

So wirbt der Produzent für sein Produkt:

 

Die BikeFlash-Anbieter stehen aber Tauffenbach zufolge schon seit einiger Zeit in Verbindung mit der Bundesbehörde. Sie hatten – Anlass für Schroeders’ Schreiben – Anfang des Jahres dargelegt, dass ihre Erfindung über alle möglichen und erforderlichen Zertifizierungen verfüge. Das BaSt habe durchblicken lassen, dass es für ein solches System gar keine Prüfkriterien gebe und auch keine eigene Zuständigkeit sehe. Insofern fühlt sich Tauffenbach, der beruflich seit 30 Jahren mit Verkehrssicherheitssystemen im öffentlichen Raum zu tun hat, in seiner Sicht bestätigt: „BikeFlash ist ein Dialog-Display und nichts anderes als eine mobile Geschwindigkeitsmessanlage mit ihrem Smiley-Bildschirm. Ich verstehe einfach nicht, warum Verwaltungen das Glas immer halb leer sehen wollen.“

Wäre St. Peter-Ording nicht – das Erfinder-Team wäre reichlich geknickt. Im nordfriesischen Kurort aber hat die Allgemeine Wählergemeinschaft (AWG) ein BikeFlash-System angeschafft. Tauffenbach hofft, dass die Nordfriesen pragmatisch an die Sache herangehen. Am Mittwoch möchte der Kreis das Gerät vorgeführt bekommen, danach weiß man mehr. Auch in Flensburg ist noch nicht alles verloren. Die CDU-Politiker Jan toBaben und Karsten Sörensen machen sich weiterhin für einen baldigen Testlauf stark.

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