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Möglicher Verkauf : Flensburger Butterschiff „MS Jürgensby“ soll in Kiel bleiben

vom
Aus der Onlineredaktion

Wer auf der Kieler Woche die „Jürgensby“ erspäht hat, kann sich an den Anblick schon mal gewöhnen. Ein Umzug ist möglich.

Flensburg/Kiel | Zu groß, zu teuer, fehl am Platze: Die „MS Jürgensby“ passt nicht mehr in ihren Heimathafen, glaubt der Mann, der sie 2010 selbst nach Flensburg zurückholte. Der 50 Jahre alte Mini-Liner aus der großen Flensburger Butterdampfer-Zeit wird womöglich die Förde wechseln. Eigner Hans Peter Ketelsen hat das 35 Meter lange Schiff derzeit nach Kiel verchartert, wo es während der Kieler Woche als Charterschiff unterwegs ist. Wenn es nach Ketelsen geht, wird aus dem Pacht- ein Kaufvertrag. Derzeit sehe es sehr danach aus, dass die „Jürgensby“ nach Ende des weltgrößten Segel-Events nicht mehr nach Flensburg zurückkehre, berichtet „Flensborg Avis“ am Donnerstag. Sicher sei der Deal aber noch lange nicht, sagt Ketelsen. Es bestehe Kaufinteresse, aber es gebe noch wesentliche Dinge zu klären.

Die „Jürgensby“ ist für ihren Eigner von der Lust zur Last geworden. Einen Verwendungszweck in Flensburg sieht er für das vor 50 Jahren in der Husumer Schiffswerft gebaute Passagierschiff schon seit zwei Jahren nicht mehr. Das Schiff soll weg – sofern sich ein Käufer findet.


30 Jahre lang hatte die „Jürgensby“ als Teil der Butterfahrt-Flotte der „Förde-Reederei“ gemeinsam mit der „Alexandra“ das Hafenbild geprägt. Käpt’n Ketelsen fasste sich vor sechs Jahren ein Herz und holte das charmante Schiff aus Eckernförde zurück nach Flensburg. Ein Glück für Hafenspaziergänger, kein Glück für Ketelsen. An den mutigen Kauf heftete sich Problem an Problem.

Versuche, eine Linie nach Dänemark aufzubauen, scheiterten meist an den Auflagen. Eine Zeitlang versuchte Ketelsen die Linie Flensburg-Langballigau zu bedienen, aber das Angebot wurde nicht angenommen. Nur ein Jahr nach dem Kauf machte zudem der Motor schlapp. Ein irreparabler Maschinenschaden fesselte die „Jürgensby“ drei Jahre lang an die Schiffbrückenpier. Der teure Neuaufbau des Motors wurde 2014 abgeschlossen. Doch auch danach gelang es nicht, den erhofften wirtschaftlichen Nutzen mit den Fahrten auf der Flensburger Förde zu erzielen. „Momentan nur Fahrten auf Anfrage!“ heißt es auf der Internetseite. Das Schiff war über die Jahre immer wieder in Charter für andere Reedereien unterwegs.

Eine Nutzung als Dänemark-Fähre nach dem Vorbild der „Feodora“ kommt mit dem nach dem Flensburger Stadteil „Jürgensby“ benannten Schiff nicht in Frage. Der Fährmann will sich auf sein verbliebenes Schiff, die „Möwe“, konzentrieren. Sie soll wieder Häfen in Dänemark ansteuern, nachdem Dänemark die Regularien für die Fördeschifffahrt abgemildert hat. Anfang des Jahres hatte die Reederei die Zulassung für das Anlegen an dänischen Häfen bei den dänischen Behörde nach der neuen Regelung beantragt. Der Zertifizierungsprozess wird sich allerdings noch hinziehen. Zunächst steht eine Umrüstung an, um den immer noch äußerst strengen dänischen Vorschriften genügen zu können. Wenn das erfolgt ist, werden dänische Kontrollinspekteure kommen und bei dem Schiff unter anderem Notfallpläne simulieren. Dann erst könne man konkret über mögliche Anlegeziele wie Kollund reden, sagt Ketelsen. Zuletzt wurden beiderseits der Grenze größte Hoffnungen in eine Übernahme des Linienverkehrs auf die Ocheninseln durch die „Möwe“ gesetzt. Doch Überlegungen hinsichtlich Linienverbindungen haben sich offenbar zerschlagen. Die Planungen gehen laut Ketelsen ausschließlich in Richtung Chartertouren. Erhofft wird wohl vor allem Kundschaft aus Dänemark.

Wer der derzeitige Charter-Nehmer und gleichzeitig der Kauf-Interessent an der „Jürgensby“ ist, lässt Ketelsen im Hinblick auf die laufenden Verhandlungen offen. In Kiel hätte man für ein solches Schiff wesentlich mehr Verwendung, sagt er. Das Schiff solle dort laut momentanen Plänen als Seeschiff betrieben werden. Drei bis vier wesentliche Enden müssten allerdings noch zusammenpassen. Daher werde er nichts verraten.

 
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erstellt am 23.Jun.2016 | 16:36 Uhr

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