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62 Jahre unterwegs : Flensburger Brief überlebt Absender

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Manchmal braucht die Post ein bisschen länger, doch dieser Brief aus Flensburg hat sich wirklich Zeit gelassen: Nach 62 Jahren erreichte er seinen Zielort nahe London. Absender war ein Englisch-Dozent. Der Empfänger wird noch gesucht.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2013 | 15:03 Uhr

London/Flensburg | Dieser Brief hat seinen Absender überlebt. Womöglich auch seinen Empfänger. Beiden versuchen die Mitarbeiter des Konferenzzentrums Missenden Abbey in der englischen Grafschaft Buckinghamshire auf die Spur zu kommen. In Great Missenden ist die Post 62 Jahre, nachdem sie von   Flensburg aus verschickt worden war, am Mittwoch der vorigen Woche aufgetaucht.

Das heutige Konferenzzentrum gehört der Buckinghamshire New University und war nach Angaben britischer Medien ein College zur Erwachsenenbildung, als der Brief im Jahr 1951 verschickt worden ist. Der Adressat, James Dunnill soll dort demnach von 1947 bis 1954  Vorsteher gewesen sein. Als Absender ist auf die Rückseite des Umschlags mit Schreibmaschine eingestanzt: „D.W. Prengel, Flensburg-Mürwik, Pädagogische Hochschule – Germany“.

Kathrin Fischer, Pressesprecherin der Universität Flensburg (frühere PH), hat alte Vorlesungsverzeichnisse im Archiv gewälzt. Die reichen zurück bis ins Jahr 1950, und darin kommt auch Prengel vor.  Fischer sagt,  dass Prengel Professor für Englisch und Methodik des Englisch-Unterrichts gewesen sei, und zwar bis in die 70-er hinein. Eine Personalakte über ihn gebe es jedoch nicht.

Prof. Arnold Stenzel kann sich an seinen früheren Kollegen erinnern. „Als ich 1960 nach Flensburg kam, war er schon da“, sagt Stenzel, der von 1968 bis 1971 Rektor der PH und von 1975 bis 1981 ihr Präsident war. Dietrich Prengel, dessen zweiter Vorname nur mit W. abgekürzt erscheint, beschreibt Stenzel als Einzelgänger und Junggesellen. „Er hat wenig von sich selber gesprochen“, sagt der frühere Rektor und PH-Präsident. Allerdings weiß er, dass Prengel seine Schwester, die in England lebte, regelmäßig besuchte und Kontakt zu ihr hielt. Arnold Stenzel erinnert sich zudem, dass Dietrich Prengel  in Glücksburg gelebt habe und alsbald in den Ruhestand gegangen sei. Stenzel vermutet, dass dies 1974 oder 1975 gewesen  war und Dietrich Prengel 1984 oder 1985 gestorben sein muss. Der Flensburger Stenzel hat noch eine Vermutung, die er aus den Erzählungen des Englisch-Dozenten herausgehört habe. Möglich sei, dass Dietrich W. Prengel vor seiner Hochschul-Zeit Studienrat für Englisch an einem Flensburger Gymnasium gewesen sei.

„Wir versuchen, denjenigen aufzuspüren, der den Brief geschickt haben könnte. Aber wir würden auch gern von jedem hören, der eine Beziehung zu James Dunnill oder ihn gekannt hat“, sagte Eva Neupauer-Jones gegenüber britischen Medien. Die Managerin des Konferenzzentrums Missenden Abbey, das auch Ort für Hochzeiten ist, fragt sich erstaunt, wo der Brief all die Jahre abgeblieben sei. „Die Briefmarke darauf ist 1951 herausgegeben worden und sieht aus wie aus einem Museum – nicht wie die normale Post, die wir sonst bekommen.“  Der Umschlag werde am Empfang des historischen Gebäudes aus dem 12. Jahrhundertneben dem Gästebuch von 1949 ausgelegt, fügte Neupauer-Jones hinzu. Ein weiteres Rätsel gibt das Innere des Briefumschlags auf: Es war leer.

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