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Verschlossene SB-Zonen : Flensburger Banken schließen Obdachlose aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Nospa versucht, dem Übernachtungsproblem mit Gesprächen und Videoüberwachung Herr zu werden.

Flensburg | In den Großstädten ist das Thema nicht neu, in Flensburg schon: Banken schließen nachts ihre SB-Zonen, weil Obdachlose die trockenen und meist warmen Plätze als Schlafstätte aufsuchen. Konflikte mit späten Kunden und frühen Bankbediensteten bleiben da nicht aus. Deutsche Bank (Rathausstraße), Commerzbank und Hypovereinsbank haben jetzt die Notbremse gezogen und riegeln nachts ab.

„Wir bekommen die morgens oft gar nicht geweckt“, berichtet eine Mitarbeiterin der Deutsche-Bank-Filiale an der Rathausstraße. Nahezu täglich sei die geräumige SB-Zone zur Nacht aufgesucht worden. Vor allem Kunden, die zu später Stunde Geld abheben wollen oder müssen, würden sich nicht mehr sicher fühlen; es habe Beschwerden gegeben.

„Wenn die nur hier liegen würden!“, beklagt eine Kollegen aus der Großen Straße. Denn manchmal findet man nicht nur Schlafende vor, sondern auch wenig appetitliche Hinterlassenschaften. „Gerade junge Frauen haben Angst, wenn sie hier Geld abheben wollen.“

„Aufgrund inakzeptabler Begebenheiten im SB-Zonenbereich unserer Filiale, bleibt unsere SB-Zone – auch zu Ihrem Schutz – nachts verschlossen.“ So steht es seit kurzem an der automatischen Eingangstür der Hypovereinsbank am Holm.

Zu diesen Begebenheiten möchte sich aus der Flensburger Belegschaft niemand äußern, sondern verweist stattdessen auf eine Mitteilung der Pressestelle in Hamburg: Man müsse die Sicherheitsanforderungen berücksichtigen, es sei immer eine Abwägungssache, man müsse die Situation vor Ort beurteilen, heißt es da. Probleme, wie es sie jetzt in Flensburg gibt, kämen deutschlandweit immer wieder vor.

Betroffen sind neben den Banken auch die Filialen und SB-Bereiche der Nospa. „Da haben wir immer mal wieder mit Übernachtungen zu tun“, sagt Burkhard Lauritzen, bei der Sparkasse für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Meist sei das in der Innenstadt der Fall, ein Brennpunkt sei der Hafermarkt. Trotzdem würden die SB-Zonen auch nachts geöffnet bleiben. „Das Personal kommt morgens und spricht mit den Leuten, die da übernachten“, so Lauritzen. Auch würden die SB-Zonen regelmäßig von Ordnungsdiensten besucht und seien zudem videoüberwacht.

Eigentlich müssten die Obdachlosen diese Orte, die kaum Privatsphäre bieten, nicht aufsuchen. In der Obdachlosen-Unterkunft Wilhelminental gebe es 34 Übernachtungsplätze, weiß Gert Koll, Leiter der Fachstelle für Wohnhilfen im Rathaus. Man habe das Angebot verdoppelt, weil der Bedarf steige. 2016 habe es dort 7000 Übernachtungen gegeben. Wenn Obdachlose die Unterkunft meiden, geben sie meist an, Diebstähle zu befürchten. Dabei gebe es dort mittlerweile verschließbare Spinde. Ein anderer Grund könnte sein, dass man sich in der Unterkunft relativ früh am Abend melden müsse. Wenn man den Abend lieber in der Stadt verbringt, sucht man sich dann einen Schlafplatz am Geldautomaten. „Im Winter sind wir allerdings meist sehr großzügig bei der Aufnahme“, so Koll.

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erstellt am 22.Feb.2017 | 06:21 Uhr

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