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Terrormiliz IS : Flensburger bangen um die Familie in Kobane

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die kurdische Familie Abdi in Flensburg ist in großer Sorge um ihre Verwandten in der umkämpften Genzstadt. Die Ungewissheit zerrt an den Nerven.

Die beiden Brüder Ibrahim und Mahieddin Abdi sind verzweifelt. Sie bangen um ihre Eltern, die Schwester, um ihren Bruder. Und dazu haben sie allen Grund. Eltern und Geschwister leben in der von den mörderischen Milizen des IS belagerten syrischen Stadt Kobane – eigentlich, die Heimatstadt der Abdis. Seitdem dort die Offensive rollt, verfolgt der Flensburger Ableger der Familie die täglichen Nachrichten in den Medien, im Internet und über Telefongespräche mit den Verwandten.

An dem Haus von Mahieddin Abdi hängt ein kleines Transparent aus dem Fenster: „Isis raus aus Kurdistan, Hilfe für Kobane!“ Ein Ausruf der Ohnmacht. Aber er bringt die Menschen ins Gespräch. Während die kleinen Kinder von Mahieddin Abdi im Garten spielen, erklären die Brüder und ihr Freund Sardar Moro die bedrückende Lage in ihrer Heimatstadt Kobane, aus der sie alle stammen. „Wir sind sehr verzweifelt über die langen Kämpfe und das unglaubliche Leiden der Bevölkerung“, sagen sie. Und auch die Haltung der Türkei, die dem massenhaften Sterben von der sicheren Grenze aus zusieht, findet kein Verständnis. „Unsere Verwandten sind noch im Ort und in den nahen Dörfern. Sie sind ganz einfache Landwirte, nun müssen sie jeden Tag mit der Angst leben, von den brutalen Kämpfern überfallen zu werden, wenn die Stadt nicht mehr von den eigenen Kämpfern gehalten werden kann.“

Seit einigen Wochen schon haben sie von ihrer Schwester Bekar nichts mehr gehört. Sie könnte verschleppt worden sein. Die Eltern sind kurz hinter die Grenze in die Türkei geflüchtet, aber ihr Bruder ist noch in Kobane – die Ungewissheit zerrt an den Nerven, ist unerträglich. „Es droht ihnen Schlimmes“, fürchtet Ibrahim Abdi, der noch vor sechs Monaten in Kobane war: „Ich habe kurdische Frauen gesehen, die verletzt und misshandelt wurden“ sagt er. Das Wissen um die täglichen Kämpfe in der eingekesselten Stadt, die Angst um das Leben von Freunden und Verwandten – das ist nicht nur im sicheren Flensburg unerträglich, das gilt auch für die Kurden, die auf der türkischen Seite zur Untätigkeit verdammt sind. Sie können nur zusehen, sie werden nicht nach Kobane hinein gelassen.

Wie lange die Kurden ihre Stadt noch halten können, bleibt im Ungewissen. „Vieles liegt nun in den Händen der Politiker“, so Mahieddin Abdi. Ob es Wasser, Lebensmittel und Medikamente für die Bewohner sind, oder auch weitere Unterstützung für die Stadt, das wäre dringend nötig. Es gibt keinen Strom und kein Wasser, schon seit langer Zeit ist die Versorgung unterbrochen worden. „Seit 26 Tagen wütet der Kampf um Kobane“, so Mahieddin Abdi, und jeden dieser 26 Tage haben sie Angst.

Das türkische Telefonnetz funktioniert nur noch sporadisch. Eine Flensburgerin hat schon der Familie Abdi spontan mit Spenden geholfen. Im November fährt Mahieddin Abdi auf jeden Fall nach Kobane, dann will er seine Eltern besuchen und Hilfen übergeben. Er und seine Familienangehörigen wünschen sich nichts mehr als Frieden und ein schnelles Ende dieses Krieges.
 

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erstellt am 18.Okt.2014 | 17:30 Uhr

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