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Quartiersplanung : Flensburger Bahnhofsviertel: Kritik der Anwohner

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei einer Bürgerinformation wird deutlich: Die Ideen der Stadt und die Interessen langjähriger Anlieger sind schwer unter einen Hut zu bekommen.

Die Stadt hatte zur Bürgerinformation über die gesamte Neuplanung des Bahnhofsumfeldes geladen. Doch statt der angekündigten Vorstellung von Plänen und Erkenntnissen aus fachlichen Untersuchungen begnügten sich die Vertreter der Stadt und ihres Sanierungsträgers mit allgemeinen Angaben zum gesetzlichen Rahmen, auf dessen Basis dieses Sanierungsgebiet überplant wird. Klar wurde bei dem Info-Abend im Rathaus lediglich, wer nach den Vorstellungen der Stadt seinen bisherigen Standort langfristig aufgeben soll:

>die Kulturwerkstatt Kühlhaus, die nach Vorstellungen der Stadt die alte Bahnpost in unmittelbarer Gleisnähe beziehen soll,

> die Kita Schwedenheim an der Helenenallee, wo die Stadt einige der insgesamt im neuen Viertel geplanten 700 Wohnungen als Blockrandbebauung schaffen will,

>die Fahrschule Simonsen, die der Stadt für die in ihrem Rahmenplan vorgesehene Blockrandbebauung im Weg ist

> und natürlich das Nordmark-Sportfeld des mittlerweile von der Bahn ausgesperrten VfB.

Der Naturschutzbeauftragte der Stadt, Jürgen-Uwe Maßheimer, verlangte von den Planern, den gesamten Landschaftsraum als Planungsfeld zu betrachten und „nicht für Teilflächen entscheidungsreif zu machen“.

Willi Leyßner vom VFB Nordmark berichtete, dass die Bahntochter BEV dem Verein den Pachtvertrag mittlerweile nicht nur fristlos zum 15. September gekündigt habe. Seitdem sei der traditionsreiche Fußballclub auch noch ausgesperrt: „Nordmark kommt nicht mehr an seine Unterlagen.“ Die Vertreter des Fußballclubs fühlen sich von der Stadt durch die lange Phase der Unsicherheit im Stich gelassen: „Die zwei Jahre, die ins Land gegangen sind, haben dazu geführt, dass Mitglieder und Sponsoren weggeblieben sind“, schimpfte Leyßner. Und angesichts der 700 Wohnungen, die die Stadt hier plant, sagte er bitter: „Hoffentlich habt ihr daran gedacht, dass die neuen Bewohner auch Sport treiben möchten.“

Frank Rzepka-Neumann berichtete als Inhaber der Fahrschule Simonsen aus Sicht eines Gewerbetreibenden der Bahnhofstraße. Von seinen 22 Mitarbeitern arbeiteten 18 an der Bahnhofstraße. Er erinnerte daran, dass die Auto- und Motorradwerkstatt von Karsten Jessen mit neun Beschäftigten bereits nach Langballig abgewandert sei. Seine Fahrschüler brauchten einen verkehrsgünstigen Standort, und nicht im neuen Gewerbegebiet Peelwatt: „Haben Sie mal versucht, mit dem Bus zum Peelwatt zu kommen?“ Rzepka-Neumann möchte auf seinem 800-Quadratmeter-Dach sogar eine Solaranlage bauen – da entstünde soviel Energie, dass die benachbarte Kita Schwedenheim gleich umsonst mitversorgt werden könnte, so sein Angebot.

Auch Erzieher und Eltern der Kita Schwedenheim machten klar, dass die jahrelange Unsicherheit Personal und Familien belaste. „Eine Anwohnerin brachte die Bedeutung des Kita-Geländes für das Quartier auf den Punkt: „Man sieht dieses Grundstück und ist sofort fröhlich.“

Lothar Baur vom Kühlhaus erklärte, dass die Kulturwerkstatt am liebsten am bisherigen Platz bleibe, sich bei einer guten Alternative aber bewegen werde. Doch auch hier seien neue Konflikte programmiert: „Die Leute kommen auch zum Kühlhaus, weil es so idyllisch ist.“

Andreas Gutschank vom städtischen Sanierungsträger dagegen hofft, dass die geplante Blockrandbebauung zu beiden Seiten nicht nur an der Bahnhofstraße, sondern auch am Carlisle-Park nördlich vom Bahnhof zu dessen Aufwertung führe. Mehrere Bewohner waren dagegen nicht so sicher, ob die geplanten „Häuserschluchten“ das Viertel aufwerten können.

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erstellt am 22.Sep.2014 | 07:45 Uhr

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