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Teacherbus-Touren : Flensburger auf Zeitreise in Kalifornien

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jens-Peter Jungclaussen lebt seit zwölf Jahren in San Francisco, fährt Schulklassen mit dem Bus ins Grüne und Touristen zurück in Hippie-Zeiten

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 10:47 Uhr

Wer sich Regen und Schnee wünscht, muss an der Sonne sein. Luccia ist so eine. Die Tochter des Flensburgers Jens-Peter Jungclaussen wird in diesem Monat acht und lebt mit ihrer Familie samt Rauhaardackel Luigi im kalifornischen San Francisco. Die Kleine mag Niederschläge, sagt ihr Vater, und sie freut sich auch deshalb, dass die Großeltern in Flensburg wohnen und sie die beiden wenigstens einmal im Jahr an der Förde besucht. In Flensburg nahe der Marienhölzung ist der 45-jährige Jungclaussen aufgewachsen, „in der Natur“.

Seine Naturverbundenheit hat Jens-Peter Jungclaussen vor zwölf Jahren mitgenommen nach Kalifornien und drumherum ein ungewöhnliches Leben entworfen. Unter anderem bietet er mit dem – abgefahrenen! – Magic Bus Zeitreisen in die sechziger Jahre an zu den Schauplätzen der Hippie-Szene und fährt mit dem Teacher Bus beispielsweise Schulklassen ins Grüne. Oder zur Golden Gate Bridge, weil viele Kinder die noch nie gesehen haben.

Jungclaussen hat Biologie, Sport und Geographie auf Lehramt studiert und in der Hauptstadt sein Referendariat gemacht. „Berlin ist wunderschön als Stadt“, sagt er, aber es sei vor allem Stadt. „Weite Horizonte“, wie er sie von Flensburg kannte, vermisste er dort. Irgendwann, als er „genug Kaffee in Cafés getrunken und Kunst in Galerien gesehen habe“, trieb es ihn weiter. San Francisco stach Istanbul und Madrid aus; der leidenschaftliche Surfer nahm einen auf zwei Jahre ausgelegten Job als Lehrer an einer deutschen Schule im Silicon Valley an. Er befürchtete, die USA verlassen zu müssen und kaufte sich einen Bus, um weiter nach Südamerika zu reisen. Doch von seinen Schul-Projekten sei seine Austausch-Organisation begeistert gewesen. Sein Visum wurde um ein Jahr verlängert, er konnte bleiben. Währenddessen interessierten sich immer mehr Leute für den Bus, erinnert er sich – und an eine Idee von 2005, die er wieder aufgreifen will.

„Es gibt so schöne Plätze“, befindet Jungclaussen für seine kalifornische Wahl-Heimat und zählt auf: Twin Peaks, Treasure Island. Doch dort, wo man die Skyline und die gesamte Stadt von oben bewundern kann, gebe es keine Restaurants. Deshalb haben er und seine Frau mit seinem ersten umgebauten Bus – und einem extra Auto hinterher – oben auf Twin Peaks den mitfahrenden Gästen Gerichte kredenzt – im „family style“. Also: „Töpfe auf den Tisch“, adrette Decke drunter, Kerzenschein und Blumen dabei, Geschirr aus Porzellan und Silberbesteck.

Heute lebe er vom Teacher Bus. Die fuhren früher tatsächlich als Schulbusse, jetzt mit Biodiesel. Wenn Firmen den Bus buchten für ein Gemeinschaftserlebnis, nehme er stets etwas mehr Geld, räumt Jungclaussen ein. Dafür sei eine Exkursion für Schulklassen umso günstiger. Er verspricht einmalige Erinnerungen und frische Ideen als Nachwirkungen, die weit über etwas Wissen um Mobilität und Umweltfreundlichkeit hinaus gingen. Das nimmt man ihm gern ab. Auch der Magic Bus strotzt vor Kreativität, die seine Begründer, Chris Hardman und Jens-Peter Jungclaussen, hineingesteckt haben. Der magische bunte Bus nimmt Gruppen auf Tour zurück in die Zeit der Blumenkinder und zu San Franciscos Sehenswürdigkeiten – an Bord laufen der passende Soundtrack und Bilder von damals.

Unzählige Klein- und Großveranstaltungen hat der Flensburger in Kalifornien gewuppt. Zur Fußball-WM 2006 habe er 200 deutsche Firmen angesprochen, sich am „public screening“ im Dolores Park zu beteiligen. Doch keiner habe etwas gegeben. „Ich hab’s trotzdem gemacht“, sagt Jungclaussen fast ein bisschen bockig, „wie ich das immer mache.“ Mindestens 7000 Leute kamen, schätzt er. Den Sieg der deutschen Mannschaft in diesem Jahr sah eine fünfstellige Zuschauerzahl auf vier Riesenleinwänden vor dem Rathaus in San Francisco, berichtet Jungclaussen stolz. In der Firma seiner Frau Inke Noel, Designerin mit deutschem Vater, ist er Kreativ-Direktor, kann sich austoben in Kampagnen und Konzepten, etwa für die Parks von San Francisco. Wissenszuwachs und Nachhaltigkeit behält er dabei stets im Hinterkopf. „Wir haben schon in der Schule gelernt, dass irgendwas nicht stimmt“, sagt der Absolvent der Auguste-Viktoria-Schule, „wenn wir so weiter machen, werden wir Probleme kriegen.“

www.teacherbus.com; http://magicbussf.com

 

 

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