Flensburg – wie es raucht und faucht

Die „Schaarhörn“ (vorne) ist wieder dabei, doch die „Alexandra“ wird sich beim diesjährigen Dampfer-Rennen mit ihr nicht messen können.
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Die „Schaarhörn“ (vorne) ist wieder dabei, doch die „Alexandra“ wird sich beim diesjährigen Dampfer-Rennen mit ihr nicht messen können.

Das zwölfte Dampf-Rundum unterhält drei Tage lang rund um den Hafen / Historische Eisenbahnen werden in diesem Jahr nicht anreisen können

shz.de von
04. Juli 2015, 14:30 Uhr

Michael Reinhard ist kein Mann von emotionalem Überschwang, doch gestern konnte er Stolz und Freude kaum verbergen. Denn der Veranstalter kündigte für das diesjährige Dampf-Rundum einen ganz besonderen Gast an: die „Børøysund“ aus Oslo. Der 1908 in Trondheim gebaute Küstendampfer ist das letzte mit Kohle befeuerte Schiff Norwegens. Eine Rarität. Und so wird der Veranstalter per Spedition 25 Tonnen Kohle zum Zwischenstopp ins dänische Grenaa schaffen müssen, um die Weiterfahrt auf der etwa 700 Kilometer langen Strecke zu gewährleisten. „Ja“, sagt Reinhard, „um Schiffe dreht sich das ganze Fest.“

Diese Äußerung klingt auf den ersten Blick banal. Doch sie impliziert, dass die Veranstaltung im 23. Jahr ihres Bestehens erstmals auf Dampf an Land verzichten muss. Es wird keine fauchende Lok, keine historische Eisenbahn geben. Zum einen sind es logistische Probleme, die dafür verantwortlich sind, zum anderen die Tatsache, dass der Schienenstrang zwischen Nordertorplatz und Stadtwerken nicht nutzbar ist und weitere Meter Richtung Schifffahrtsmuseum mit Bitumen ausgefüllt sind, um die Sicherheit der Radfahrer zu gewährleisten. Reinhard macht keinen Hehl draus, dass ihn diese Entwicklung sehr betrübt. Doch er übt sich in Fatalismus. „Was man nicht ändern kann...“

Freuen darf man sich indes auf insgesamt 17 historische Dampfschiffe und -boote. Ältester Teilnehmer ist das Feuerschiff „Elbe 3“ (Baujahr 1888). Höhepunkt der Veranstaltung ist am Eröffnungstag traditionell die Paradefahrt – nicht nur für Nostalgiker. Reinhard verspricht eine Zeitreise in die untergehende Sonne wie um 1900. „Mit Bugwelle und vielen ausgelassenen Menschen, die ihre Hüte in die Höhe werfen.“ Um 23 Uhr kommen Liebhaber eines imposanten Feuerwerks auf ihre Kosten.

Natürlich ist auch für ein anspruchsvolles Kulturprogramm gesorgt. Verantwortlich dafür: Der Musikerstammtisch Flensburg – ein Netzwerk , das sich seit 2011 erfolgreich der Förderung regionaler Bands verschrieben hat. Hans Soltysiak machte Appetit auf insgesamt 14 Bands – von griechischer Folklore über plattdeutsche Songs bis hin zu Hardrock.

In einem Zelt auf dem Hof des Schifffahrtsmuseums wird unter anderem eine große Modellbauschau mit einer 40 Quadratmeter großen Hafenanlage der IG Kaiserliche Marine präsentiert. Dabei soll auch ein Stapellauf simuliert werden; die dafür benötigte, obligatorische Sektflasche ist exakt fünf Millimeter groß. Zudem sind dort der Modellclub Flensburg, der Modelleisenbahnclub Tarp und die Modellbaugruppe Nord mit ihren Angeboten und Dampfmaschinen aller Art vertreten.

Der Förderverein Salondampfer Alexandra hat sich eine Versteigerung einfallen lassen, um mit dem Erlös die Finanzierungslücke der Kesselreparatur zu schließen. Ihm fehlen „nur“ noch 70.000 der benötigten 600.000 Euro. Zu diesem Zweck kommen nun 63 Exponate unter den Hammer: Alte Fotos, Poster, Schilder, Postkarten und natürlich Modellschiffe (abzurufen unter www.dampfer-alexandra.de). Darüber hinaus sind die 94 ausgemusterten Nieten des Kessels für 25 Euro pro Stück zu erwerben.

Insgesamt also ein gut geschnürtes Paket, mit dem die „olldampf“-Veranstalter die Hoffnung auf Tausende Besucher verknüpfen. „Schließlich“, sagt Christiane Dingler fast trotzig, „sind wir immer noch das größte Dampfertreffen in Europa.“
 

>www.flensburger-dampfrundum.com

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