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Nächtlicher Flieger : Flensburg: Was für den ungewohnten Fluglärm sorgte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadtwerke lassen ihr Fernwärmenetz mittels Wärmebildern auf Leckagen überprüfen. Eine Spezialfirma hat in zwei Nächten das Stadtgebiet überflogen.

Flensburg | Es war nicht zu überhören. Zwei Nächte lang störte ungewohnter Fluglärm die Nachtruhe zahlreicher Flensburger und Harrisleer. Was war da los? Waren das Nachtflüge im Rahmen der Pilotenausbildung? Findet da jemand Schäferhaus nicht und kreist hilflos über der Stadt? Weit gefehlt. Die zweimotorige Aero Commander 680 FL, die da Stunde um Stunde ihre Bahnen über der Stadt zog, war von den Stadtwerken Flensburg bestellt worden. Die dreiköpfige Besatzung hat das gesamte Stadtgebiet aus etwa einem Kilometer Flughöhe mit einer speziellen Wärmebildkamera Stück für Stück fotografiert – quasi gescannt.

„Letzte Nacht sind wir um 21 Uhr gestartet und waren gegen 23.30 Uhr wieder am Boden“, erklärt Johannes Krell, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Berliner Firma Scandat, die im Auftrag der Stadtwerke Flensburg ein hochauflösendes Wärmebild des Stadtgebiets erstellen; Grundlage hierfür sind die Aufnahmen der beiden klaren, kalten Nächte auf Mittwoch und Donnerstag. 120 Gigabyte Daten wurden auf Festplatte geschrieben und werden in den kommenden Wochen ausgewertet und aufgearbeitet.

„Wir wollen mit der Untersuchung den Zustand der Isolierung in unserem Fernwärmenetz feststellen oder sogar Leckagen im Fernwärmeleitungssystem ausfindig machen“, sagt Ulf Rieck-Blankenburg, verantwortlich bei den Stadtwerken für die Aktion. „So können wir diese frühzeitig reparieren, bevor daraus größere Schäden entstehen. Damit minimieren wir und Wasser- und Wärmeverluste.“ Insgesamt werde mit der Aktion ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz geleistet: „Je weniger Wärme auf dem Weg zum Kunden verloren geht, desto weniger Energie muss im Kraftwerk produziert werden.“

Vor zehn Jahren hatten die Stadtwerke bereits Scandat mit der gleichen Aufgabe betraut. Das Wärmebild von 2015 werde aber anders aussehen als das von 2004, versichert Johannes Krell. Die Technik habe sich weiter entwickelt, man könne heute ein differenzierteres Wärmebild liefern.

Krell, Pilot Frank Reise und Torsten Becker, der als Operator mit an Bord war, hatten zahlreiche Rückmeldungen auf ihre nächtlichen Einsätze bekommen, sogar von der Flugsicherung in Bremen. Beunruhigte Bürger hatten sich an das Flensburger Tageblatt, aber auch an den Tower in Schäferhaus und an die Polizei gewandt. In der Nacht auf Mittwoch war die Aero Commander bis etwa 2 Uhr morgens in der Luft, eine Nacht später nur bis 23.30 Uhr. Nach einem vorher genau festgelegten Schema überflog die Maschine das Stadtgebiet Bahn für Bahn, immer hin und her von Südwest nach Nordost und zurück – „insgesamt 640 Kilometer“, so Pilot Reise. Die Schönheit Flensburgs und seiner Förde blieb den Berlinern dabei verborgen: „Da sieht man nur ein Lichtermeer“, so Krell.

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erstellt am 13.Mär.2015 | 08:00 Uhr

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