Szenario bei Stromausfall : Flensburg – warme Insel des Lichts in SH

Macht Flensburg in der Energieversorgung weitgehend autark: Die Stadtwerke mit ihrem Kraftwerk als illuminiertes Gebäudeensemble in klarer Winternacht.
Macht Flensburg in der Energieversorgung weitgehend autark: Die Stadtwerke mit ihrem Kraftwerk als illuminiertes Gebäudeensemble in klarer Winternacht.

Bei einem flächendeckenden Blackout im Norden hätte die Stadt schnell wieder Strom und Fernwärme. Reserveheizwerke helfen im Notfall.

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04. Dezember 2014, 07:26 Uhr

Durch den vermehrten Einsatz von Windenergie sei die Gefahr eines flächendeckenden Stromausfalls gestiegen – das sagen Experten und auch Vertreter von Stromnetzbetreibern. Schnell könnten große Teile des Landes von so einem Blackout betroffen sein (wir berichteten). Das gilt auch für Flensburg, da das örtliche Stromnetz im Verbund mit anderen Netzen steht. Allerdings könnten die Stadtwerke Flensburg relativ schnell das gesamte Stadtgebiet wieder mit Strom und Fernwärme versorgen. Flensburg wäre dann im großen, dunklen, kalten Norden eine warme Insel des Lichts.

„Wir sind als Stadt Flensburg autark in der Energieversorgung und unabhängig von anderen Stromlieferanten“, sagte auf Anfrage Peer Holdensen, Pressesprecher der Stadtwerke. Ein mehrtägiger Stromausfall aus den im Tageblatt-Bericht von Montag genannten Gründen könne in Flensburg nicht auftreten, so Holdensen.

Allerdings würden bei einem flächendeckenden Blackout auch an der Förde erstmal die Lichter ausgehen. Denn nicht immer sind alle Kessel des Kraftwerks in Betrieb – vor allem im Sommer nicht, wenn fast keine Fernwärme benötigt wird. Um die Stadt mit Strom zu versorgen, müssten die Stadtwerke also zunächst weitere Kessel hochfahren. „Das kann einige Stunden dauern“, so Holdensen, „da Kohlekessel diese Zeit zum Hochfahren benötigen.“ Wenn die Kessel ihre Betriebstemperatur haben, würden sie wieder Strom und Wärme liefern, sukzessive für alle Teile der Stadt. Priorität hätten die Viertel mit wichtigen Stromkunden wie Polizei, Feuerwehr und Krankenhäusern.

Als „Schnellstarter“ stehe bald Kessel 5 zur Verfügung, der derzeit von Kohle auf Gas und Heizöl umgerüstet wird, berichtet Peer Holdensen weiter. Noch schneller könne man reagieren, wenn 2015 die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (Kessel 12) in Betrieb geht, die die Stadtwerke derzeit mit Millionenaufwand bauen.

Als Wärmespeicher fungiert das 650 Kilometer lange Fernwärmenetz. Zwar könne das heiße Wasser bei Stromausfall nicht mehr zu den Abnehmern gepumpt werden und auch in den Häusern fallen die Umwälzpumpen aus. Doch sobald der Strom wieder da ist, könne das in den Leitungen gespeicherte heiße Wasser wieder transportiert werden. Zudem gebe es vier Reserveheizwerke, die – über das Stadtgebiet verteilt – im Falle eines Kraftwerksausfalls mit leichtem Heizöl Fernwärme erzeugen können. Das Reserveheizwerk Süd wird zudem in Spitzenlastzeiten an extrem kalten Tagen zugeschaltet.

Der jahrelange Verbund mit dem Kraftwerk in Apenrade spielt für die Flensburger Stromversorgung indes keine Rolle mehr. Die Dänen haben vor nicht allzu langer Zeit das Kraftwerk abgeschaltet und produzieren keinen eigenen Strom mehr.

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