Sozialatlas : Flensburg wächst vor allem in Tarup und Weiche

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25. November 2010, 07:43 Uhr

Flensburg | In Tarup gab es 2008 und 2009 nicht eine einzige Räumungsklage. In der Nordstadt waren es hingegen 48 und 46. Hier gab es 2009 insgesamt 183 "Wohnungsnotfälle", also Kündigungen etwa wegen Mietrückstands oder Zwangsräumungen. In Tarup waren es gerade einmal drei. Diese beiden Stadtteile liegen nicht nur räumlich weit auseinander, sondern auch in ihrer Sozialstruktur. Das ist eine der vielen Erkenntnisse, die der neue Sozialatlas vermittelt, der die sozialen Verhältnisse in Flensburg Ende 2009 auf vielfältige Weise darstellt.

Doch selbst in einem Stadtteil wie Tarup gibt es Bedarfsgemeinschaften nach SGB II. 72 Personen leben in diesen Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften, in der Nordstadt sind es 2305. Die entsprechenden Prozentwerte: 2,3 und 25,3 Prozent.

Wer etwas über die demografischen und sozialen Dinge in den 13 Flensburger Stadtteilen wissen möchte, wird im Sozialatlas schnell fündig. Mürwik ist seit Jahren mit großer Konstanz der bevölkerungsreichste Stadtteil (14150), die Altstadt mit 3336 der kleinste. Das stärkste Wachstum von 1999 bis 2009 liegt - in Weiche, wo sonst? Von 4900 auf 6500 ist dort die Bevölkerung gewachsen - der Gartenstadt sei Dank. Prozentual ist das Wachstum in Tarup mit 33,6 sogar noch größer (Weiche: 32,5 Prozent).

Apropos Wachstum: In der Diskussion um die künftige Stadt- und Wohngebietsentwicklung wird immer wieder das prognostizierte und tatsächliche Bevölkerungswachstum als Argument herangezogen. Wachstum gab es indes 2009 gar nicht: Nach acht Jahren des Anstiegs gab es 2009 einen leichten Rückgang (- 356), wodurch Flensburgs Bevölkerungszahl wieder unter 89 000 gerutscht ist. Am Friesischen Berg ist der Rückgang am stärksten: minus 260 in zehn Jahren.

Doch die Nordstadt hat auch positive Zahlen zu verzeichnen: Sie hat mit 57 die höchste Geburtenquote aller Flensburger Stadtteile. Die niedrigste gab es 2009 am Sandberg (27). Die meisten Kinder und Jugendlichen unter 18 gibt es in den deutlich durch Familien geprägten Stadtteilen Weiche (22,5) und Tarup (23,8 Prozent).

Die Zahl der Ausländer ist seit 1999 um 314 zurückgegangen. Und auch hier markieren Tarup und die Nordstadt wieder die Endpunkte der Skala: In Tarup liegt der Ausländeranteil bei 1,6 prozent, in der Nordstadt bei 25 Prozent. Während die Zahl der in Flensburg lebenden Dänen von 2005 bis 2009 um 310 Personen auf 2056 gestiegen ist, ging die Zahl der Türken um 294 auf 1013 zurück. Weit abgeschlagen folgen Menschen aus Polen (418), Ex-Jugoslawien (303) und Griechenland (274).

Während sich die Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Alt- und Neustadt sowie Nordstadt und Westliche Höhe konzentrieren, haben sich die Spätaussiedler im Osten eingefunden. 640 leben in Mürwik, 578 in Engelsby (Zahlen von 2008); das ist zusammen fast die Hälfte aller Spätaussiedler in Flensburg (2488). Nur 14 von ihnen leben in der Neustadt (0,3 Prozent).

Die Beschäftigungsquote ist auf das Stadtgebiet verteilt relativ konstant und liegt im Schnitt bei 27,7 Prozent. Überraschung: in Tarup liegt sie mit 27,1 Prozent darunter.Die Arbeitslosenquote liegt niedriger als die der Arbeitsagenturen, da nur Personen in die Statistik eingehen, die dem Arbeitsmarkt tatsächlich zur Verfügung stehen (zivile Erwerbspersonen).

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