Analyse des Wohnungsmarktes : Flensburg wächst - die Armut auch

Wird in Fruerlund zu wenig  und im falschen Segment gebaut? Teile der Politik fordern eine stärkere Fokussierung auf den sozialen Geschosswohnungsbau. Foto: Staudt
Wird in Fruerlund zu wenig und im falschen Segment gebaut? Teile der Politik fordern eine stärkere Fokussierung auf den sozialen Geschosswohnungsbau. Foto: Staudt

Eine aktuelle Wohnungsmarktanalyse kommt zu alarmierenden Resultaten für die Flensburger Stadtplanung.

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07. April 2013, 05:20 Uhr

Flensburg | Wie soll Flensburg für die Zukunft bauen? Die Siedlungspolitik für die nächsten Jahrzehnte rückt am 16. April im Planungsausschuss auf die Tagesordnung. Dort sollen die Leitlinien für die Steuerung des Wohnungsbaus verabschiedet werden. 21 Grundsätze sind Bestandteil des Paketes - einschließlich der Verpflichtung zu besonderer Unterstützung einkommensschwacher Familien. Ein Blick auf die diesen Leitlinien zu Grunde liegende aktualisierte Wohnungsmarktanalyse macht deutlich: Da gibt es noch viel zu tun.

Flensburg hat Wachstumspotenzial. Die amtliche Bevölkerungsprognose geht bis 2020 von einem zusätzlichen Bedarf an 4780 Wohneinheiten aus - 3000 davon sollen bis 2016 entstanden sein. Eine enorme Herausforderung für die Stadtplanung - die nicht nur demographische, sondern auch sozialökonomische Besonderheiten berücksichtigen muss.

Flensburg hat eine unterdurchschnittliche Kaufkraft

Die im Dezember 2012 fertig gestellte Analyse hält in dieser Hinsicht eine Reihe von eher ernüchternden Feststellungen bereit - wahrscheinlich typisch für ein ländliches Oberzentrum. Flensburg hat ganz grundsätzlich eine unterdurchschnittliche Kaufkraft. Das verfügbare Einkommen der Haushalte je Einwohner lag 2009 mit 15.450 Euro 17 Prozent unter dem Landesdurchschnitt und 13 Prozent unter dem des Kreises Schleswig-Flensburg. Tendenziell geht die Studie freilich davon aus, dass die kaufkräftige Gruppe der Familiengründer und Konsolidierten in Flensburg deutlich zunehmen wird.

Gleiches gilt aber auch für die Gruppe der Arbeitslosen und Menschen in Altersarmut. Als Szenario des schlimmsten Falls skizziert die Studie ein Szenario, in dem wegen gebrochener Erwerbsbiografien, Scheidungsfolgen und Änderungen der Rentengesetzgebung im Flensburg des Jahres 2025 mehr als 70 Prozent der Rentner auf die Hilfe des Staates angewiesen wären, die Quoten von Leistungsbeziehern, Erwerbsminderungsrente und Hilfen zum Lebensunterhalt lägen 25 Prozent über den jetzigen, die Quote der hilfsbedürftigen Kinder stiege um 40 Prozent. "Insgesamt ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum - die zur Zeit ohnehin schon vergleichsweise hoch ist - zukünftig noch steigen wird, besonders im Bereich älterer Nachfrager."

Für Teile der Politik eine Steilvorlage. Jörg Pepmeyer (Akopol) machte sich wie die Linke schon früh in der Diskussion für eine Quotierung stark. 15 Prozent bei Neubaumaßnahmen seien angemessen, meint er und fordert eine breite öffentliche Diskussion des Themas. Angesprochen ist Dr. Peter Schroeders, Chef der Flensburger Stadtplanung, der von Quotierung nichts hält und die größere Flexibilität projektbezogener Entscheidungen schätzt. Dennoch sei man nicht weit auseinander, sagt Schroeders. "Soziale Orientierung künftiger Wohnprojekte ist uns ein großes Anliegen." Schroeders erhofft sich nach Jahren des Stillstandes von frisch aufgelegten sehr günstigen Programmen der Investitionsbank Impulse für die Rückkehr des sozialen Wohnungsbaus. "Wir sind mit den Akteuren im Gespräch", sagt er. Von der von Pepmeyer vorgeschlagenen Bürgerversammlung hält er dennoch nichts. "Wir haben das Thema vom wohnungspolitischen Ratschlag in den Planungsausschuss transportiert, von wo aus er in die Ratsversammlung transportiert wird. Mehr Beteiligung geht doch kaum."

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