Hafenfest : Flensburg versenkt die Nautics

Publikumsmagnet a.D. Die Stadt Flensburg will die Nautics nicht mehr fördern.
Flensburg ahoj soll die Nautics ersetzen.

Die Stadt ruft lokale Veranstalter von Festen zum Ideenwettbewerb auf – 9000 Euro Fördermittel sollen umverteilt werden.

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20. Mai 2015, 15:41 Uhr

Die Mitteilung war kurz gehalten, schmerzlos war sie nicht. Jedenfalls nicht für alle. Der Flensburger Hauptausschuss, teilte die Pressestelle der Verwaltung am Dienstag mit, hat in nichtöffentlicher Sitzung das Hafenfest „Nautics“ versenkt. Die Stadt ruft Veranstalter von Festen wie Rumregatta, Kongelig Classic, Hofkultur, Folk Baltica u.a. auf, sich mit Konzepten um die Zuteilung der städtischen Förderung zu bewerben, die bislang für die Nautics zur Verfügung stand.

Insofern dürfte die Mitteilung für Michael Reinhardt und Hans-Jürgen Edelhoff, die seit 2004 die Großveranstaltung Flensburger Nautics gestemmt haben, für eine gewisse Enttäuschung gesorgt haben. Dass bei den anderen Veranstaltern auch kein Riesenjubel aufbrandete, mag an der eher kleinen Summe liegen, die zur Umverteilung ansteht: 9000 Euro.

Im Finanzrahmen der Nautics waren sie stets der städtische Zuschuss, den Reinhardt für die Gebührenrechnung des TBZ zurück auf ein anderes städtisches Konto zu überweisen hatte. Anderen Mitbewerbern, die wie etwa die Rumregatta ebenfalls die Fördermittel umgehend für Sondernutzungsgebühren, Strom, Wasser, Reinigung etc. an die Stadt zurückführen, könnte diese Summe aber in der Tat mehr Spielraum verschaffen.

Das beliebte Traditionsseglertreffen ist nach anfänglichen Überschüssen für die Vereinskasse angesichts rasant steigender Gebühren längst zum Nullsummenspiel verkommen. Auf dieser Basis können 9000 Euro einen Effekt erzielen. „Wir könnten etwas organisieren, was wir vorher nicht hatten“, sagt Martin Schulz, Geschäftsführer des Museumshafens. Die Blaupause liegt noch in der Schublade: Ein Konzept des Miterfinders der Rumregatta, Rainer Prüß, der anlässlich der öffentlichen Ausschreibung der Nautics einst als Alternative eine modulare maritime Veranstaltungsreihe ins Spiel gebracht hatte. Auch wenn der Historische Hafen als Bewerber mit dem Konzept baden gegangen war – Eindruck hatte das Konzept doch hinterlassen. „Darüber werden wir sicher noch sprechen“, so Thomas Dethleffsen, Vorsitzender im Hauptausschuss. „Da gab es viele interessante Ansatzpunkte.“

Damit ist freilich überhaupt nicht gesagt, dass der Museumshafen den Zuschlag sicherer hat als die anderen Akteure. „Ich bin sehr gespannt auf die Konzepte“, sagt Gorm Casper, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (TAFF). Angesichts stets auf Kante gestrickter Finanzierungen hätten die lokalen Veranstalter in der Vergangenheit viel Kreativität entwickelt. „Ich bin sicher, dass sich Qualität so gezielt steigern lässt.“

Die fehlende Nautics mit mehr als 100.000 Besuchern wird die Stadt verkraften, glaubt der TAFF-Mann. „Zur Rumregatta war Flensburg bis auf das letzte Bett ausverkauft.“ Dies sei eine deutlich höhere Bindung an die Stadt als bei den Besuchern der Nautics, die nach Erhebungen der Touristiker ganz überwiegend Tagesgäste gewesen seien.“ Eine Lücke, gewiss, räumt Casper ein. „Aber vielleicht findet sich ja noch ein Veranstalter für den freien Nautics-Platz.“

Edelhoff und Reinhardt waren in der europaweiten Ausschreibung für die Nautics 2016 gar nicht erst angetreten. Sie hatten früh deutlich gemacht, dass mit Ausnahme der lokalen Routiniers ohnehin niemand ins finanzielle Risiko gehen würde. Das Ergebnis scheint ihnen Recht zu geben. Nach Angaben von Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf gab es nur einen einzigen aussichtsreichen Bewerber, aber der sei kurzfristig abgesprungen. Man habe sich im Hauptausschuss daher entschieden, einen der lokalen Veranstalter gezielt zu unterstützen.

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