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Baustellen und Projekte : Flensburg: Verplant, verbaut, verworfen

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An der Förde gibt es viele Planungen, Projekte, Bauvorhaben und Betreiberwechsel – dabei läuft nicht immer alles nach Plan.

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erstellt am 04.Apr.2014 | 06:30 Uhr

Flensburg | In Flensburg existieren Planungen, starten Projekte und schwelen Diskussionen. Was hat geklappt, wurde teurer und wo hapert es noch heute? Die größten Projekte der letzten Jahre hat shz.de zusammengestellt.

Willkommen in Flensburg: Bahnhofstreppe

Endlich ist man in der schönen Fördestadt angekommen und kann sich auf den Urlaub freuen. Vorausgesetzt, man bricht sich nicht die Beine auf der Bahnhofstreppe. Seit knapp 19 Monaten gammelt das Tor zu Flensburg vor sich hin, ist bis auf einen kleinen Teil abgesperrt. Warum eine Sanierung so lange dauert? Die Stadt Flensburg und die für alle Bahn-Liegenschaften zuständige Bahn-Tochterfirma DB Netz AG in Frankfurt waren sich lange nicht einig, wer für die Treppensanierung aufkommen muss. Zwischenzeitlich sorgte die Mauerraute für eine Verzögerung. Das ist ein im Küstengebiet sehr seltenes Farngewächs und als gefährdet eingestuft. Die Sanierung von Flensburgs hässlicher Visitenkarte soll aber im Frühjahr beginnen und 36.000 Euro kosten. Die Bahn und die Stadt Flensburg haben mittlerweile einen Kostenkompromiss gefunden. Im April wird das TBZ beginnen, die bröckelnde Mauer zu sanieren. Natürlich mit Rücksicht auf die Mauerraute. Die Treppe selbst muss noch etwas warten. Die Bahn setzt eine finanzielle Beteiligung der Stadt voraus. 

Die Bahnhofstreppe: wenig einladend.
Die Bahnhofstreppe: wenig einladend. Foto: Jol
 

Das Filetstück an der Förde: Fahrensodde

Für das Projekt Fahrensodde 20 dürfte dies die Woche der Entscheidung sein. Seit drei Jahren versuchen Stadt und Pächter, sich auf die Rahmenbedingungen eines langfristigen Pachtvertrags zu einigen, der die Entwicklung des Geländes zu einem kleinen maritimen Dienstleistungszentrum mit einem großen Nutzen für die Öffentlichkeit erlaubt. Bislang ohne Erfolg. Der Investor übernimmt das gesamte Grundstück und alle Kosten. So der Standpunkt der Stadt. Es geht um Abriss, Entkernung und Sanierung, den Bau einer öffentlichen Promenade und vieles mehr. Unmöglich, meint der Investor. Die Ratsfraktion der WiF will jetzt Bewegung in diese Hängepartie bringen und sucht Verbündete für eine radikale Lösung. Die wird nicht ganz billig. Der Vorschlag sieht vor, Fläche und Aufgaben zu teilen. Investor Hartmann und Mitstreiter pachten und sanieren die Gebäude für 30 Jahre, die Stadt kümmert sich um das Gelände – und um die öffentlich relevanten Extras, die man ursprünglich auf den Investor abwälzen wollte. Ein Vorstoß, der heiß diskutiert werden wird. Ewig haben die Parteien nicht mehr Zeit. Der Pachtvertrag läuft zum 31. August ab.

Traumhafte Lage am Wasser: Fahrensodde 20 mit der Flugzeughalle (Mitte) und dem „Schimmelpalast“ (rechts daneben).
Traumhafte Lage am Wasser: Fahrensodde 20 mit der Flugzeughalle (Mitte) und dem „Schimmelpalast“ (rechts daneben). Foto: sh:z
 

Schöner Ausblick: Bellevue

Lange ist das Bellevue geschlossen. Nach einem Hin und Her möchte der neue Betreiber, Frank-Dieter Corth, das Lokal an der Hafenspitze am 1. Juli wieder öffnen. Cohrt verheimlicht nicht, dass er im Verhandlungspoker mit Flensburgs Politik und Verwaltung manches Mal an Aufgabe gedacht hat. Aber für ihn ist jetzt klar. „Wir ziehen das hier durch.“ Ein langfristiger Pachtvertrag wäre ebenso eine Option gewesen wie ein Kauf des Grundsstückes. Mit beiden Optionen rannte er gegen die Rathauswand. Stattdessen wird er in die Restlaufzeit des alten Pachtvertrages des Vorbesitzers Ingo Jaich einsteigen. Schweren Herzens. Denn dieser Vertrag läuft nur noch 12 Jahre. Alternativen standen Cohrt nicht zur Verfügung.

Gleichwohl wird sich an der Hafenspitze recht fix vieles ändern. Als erstes wird sich den Sanitäranlagen zugewendet, die öffentlich genutzt werden können. Parallel wird das Bellevue an die Anforderungen eines neuen gastronomischen Konzeptes angepasst. Es wird also lecker an der Hafenspitze.

Vorzugslage am Hafen: Das Bellevue macht weiter.
Vorzugslage am Hafen: Das Bellevue macht weiter. Foto: Staudt
 

Strand an der Hafenspitze: Beachclub

Vergabekriterien, Betriebskonzept mit maßstabsgerechter Zeichnung dessen, was dort im Frühjahr aufgebaut werden soll und und und: Die Vergabe des Beachclub ist in jedem Jahr ein langwieriges Prozedere.

Der neue Betreiber des Beach Club 2014 heißt nach zähen Verhandlungen Rolf Sommer. Der TBZ-Verwaltungsrat erteilte in nicht öffentlicher Sitzung dem Flensburger Unternehmer im Losverfahren den Zuschlag. Ob der Name ausschlaggebend gewesen ist? Insgesamt hatten sich von der Brauerei bis zum Döner-Spezialisten neun Interessenten beworben.

Sommer verspricht ein niveauvolles Ambiente, das Mobiliar für 80 bis 100 Sitzplätze soll hochwertig und geschmackvoll sein – mit großen Schirmen, dezenten Wärme- und Lichtspendern auch für die gelegentlich weniger sonnigen Tage des Flensburger Sommers. Gäste bekommen ein freies W-Lan. Eröffnung soll am 16. April zu Ostern sein. Dann kann „der Sommer“ also kommen. Aktuell wird bereits aufgebaut.

Bald kann am Ostufer wieder geschaufelt und gebaggert werden: Der Beach-Club wirft seine Schatten voraus.
Bald kann am Ostufer wieder geschaufelt und gebaggert werden: Der Beach-Club wirft seine Schatten voraus. Foto: Marcus Dewanger
 

Hässliche Schiffbrücke: Kayser's Hof

Eingeschlagene Scheiben, bröckelnder Putz, Dreck, zerschlagene Flaschen, Reste von Plakaten, ein nackter Dachstuhl. So begrüßt Flensburg seine Gäste an der Schiffbrücke, an der maritimen Schauseite der Stadt. Die Häuserreihe des "Kayser’s Hof" ist seit Jahren dem Verfall preisgegeben, dessen Tempo sich Jahr für Jahr zu erhöhen scheint. Hier war einst das Reich des Kay Uwe Jensen, der Flensburgs Küste während der Stadtsanierung der 70er-Jahre gestaltet und mit Leben erfüllt hatte. Doch die Jahre der Amüsiermeile sind vorbei, nach Jensens letztem gescheiterten Versuch, selbst ein Hotel zu installieren und seiner anschließenden Insolvenz drohte das städtebaulich reizvolle Quartier erneut abzugleiten.

Doch jetzt naht die Rettung: Eine vierköpfige Investorengruppe unter Führung des Bauunternehmers Hermann Höft hat das Ensemble erworben und konkrete Planungen vorgestellt. Die Struktur der Bebauung an der Frontseite zur Schiffbrücke bleibt weitgehend erhalten. Hotel, Wohnen, Tiefgarage: Das ist die angedachte Nutzung für den Komplex. Das Flensburger Hotel mit Arbeitsnamen "Kayser’s Hof" werde im Vier-Sterne-Bereich angesiedelt und soll sich über den Großteil der Straßenfront erstrecken, die teilweise erhalten bleiben soll. Abgerissen wird im Inneren das Gebäude, das heute die Discothek "Speicher" beherbergt. Der Planungsausschuss gab nach Jahren der Verwahrlosung endlich grünes Licht für das Vorhaben der Flensburger Investorengruppe an der Schiffbrücke. 2014 soll es losgehen. Ein Schandfleck verschwindet.

Traurige Überreste eines Altstadt-Quartiers: Rund um Kaysers Hof  soll bald die Entwicklung zum Besseren beginnen.
Traurige Überreste eines Altstadt-Quartiers: Rund um Kaysers Hof soll bald die Entwicklung zum Besseren beginnen. Foto: Geissler
 

Zu viel Möbelmarkt ist nicht gut: Poco

Der Poco-Markt möchte gern kommen, aber darf es noch nicht. Im Februar hatte Max Bahr seinen Baumarkt an der Bleiche die Tore geschlossen. Die neuen Hausherren möchten gerne anfangen, der Bebauungsplan der Stadt erlaubt dies aber noch nicht. Grund: In dem Sondergebiet ist als Nutzung nur ein Bau- und Heimwerkermarkt erlaubt. Für einen Baumarkt verkauft Poco aber zu viele Möbel. Die Betreiber Kurz und Hildebrandt warben bereits mit 70 festen Arbeitsplätzen, davon 60 Vollzeitjobs, guter Schulung , Weiterbildung und pro Lehrjahr mit drei bis vier Azubis. 2,5 Millionen Euro sollen in Flensburg investiert werden. Die Politik berät aber bereits seitdem es Max Bahr schlecht geht – also lange.

Vorne eingerüstet, hinten Müllhalde: Flensburgs traditionsreichster Baumarktstandort an der Bleiche wartet auf bessere Zeiten.
Vorne eingerüstet, hinten Müllhalde: Flensburgs traditionsreichster Baumarktstandort an der Bleiche wartet auf bessere Zeiten. Foto: Marcus dewanger
 

Schwedisches Toilettenhäuschen: „Die Service-Gebäude am Hafen“

20.000 Euro Kosten für einen freien Blick aufs Wasser. Was irrsinnig klingt, wurde von der Stadt bereits umgesetzt. Freier Blick für freie Bürger, hieß das Motto von Kurt Franck, ehemaliger Bauausschuss-Vorsitzender. Vom Nordermarkt fiel der Blick in Richtung Wasser auf ein kleines gelb gestrichenes Holzhäuschen am Rande der Promenade. Seit Mai 2007 versperrte es die Sicht auf das Hafenpanorama. Die Mieter fühlten sich übergangen. Die zwei südlich gelegenen Häuschen werden als Sanitär- und als Lagerhütte vom Verein "Klassische Yachten Flensburg" (KYF) genutzt, das nördliche als Pavillon für den Salondampfer "Alexandra". Im Mai 2012 standen die Hütten 13 Meter weiter südlich. Bis heute. Was damals zuerst noch 50.000 Euro kosten sollte, wurde günstiger, als der Verschönerungsverein sich der Sache mithilfe von Sponsoren annahm. Schnell wurde es billiger. Alles noch mal gut gegangen.

Wo, bitte schön, ist das Wasser geblieben? Die gelbe Hütte an der Hafenpromenade verhinderte von 2007 bis 2012 die Sicht auf den Hafen.
Wo, bitte schön, ist das Wasser geblieben? Die gelbe Hütte an der Hafenpromenade verhinderte von 2007 bis 2012 die Sicht auf den Hafen. Foto: Staudt
 

Kein zweites Mauseloch: Fußgänger-Tunnel

Kein Platz für Fußgänger und Radfahrer: Die Politik forderte im Juni 2013 eine sofortige Lösung zur Entschärfung des Gefahrenpunktes in der Heinrichstraße, der bis dato schon längere Zeit Bestand hatte. Ende Juni wird es dann eng in der unteren Heinrichstraße: Die Stadt teilt die Fahrspuren neu auf  und errichtet für 25.000 Euro ein kurzlebiges Provisorium. Im April noch sollte ein zweites „Mauseloch“, also ein Tunnel, gebaut werden. Der seit Jahren geplante 750.000 Euro teure Tunnel aber kommt nicht. Das Provisorium wird dauerhafter Bestandteil der Heinrichstraße. Seither fehlt eine Spur in Fahrtrichtung Deutsches Haus zu Gunsten der Verbreiterung des ultraschmalen und gesperrten Fußwegs, den jetzt Passanten und Radfahrer in beide Richtungen benutzen dürfen.

Test: Der abgegrenzte Bereich soll nach SSW-Wunsch dauerhaft als Fuß- und Radweg ausgebaut werden, so dass auf einen Tunnel rechts verzichtet werden kann.
Test: Der abgegrenzte Bereich soll nach SSW-Wunsch dauerhaft als Fuß- und Radweg ausgebaut werden, so dass auf einen Tunnel rechts verzichtet werden kann. Foto: Marcus Dewanger

Altes (Bau)Haus - Verfall in der Schleswiger Straße

Es geht um das frühere Bauhaus, zum Teil auch noch um das Lampen-Bauhaus und vor allem um das freie Grundstück der Firma Transit-Transport, die vor Jahren nach Büdelsdorf umgezogen ist. Seit Juli 2012 warten die beiden alten Bauhäuser auf neue Mieter. Laut Bebauungsplan ist auf diesen Flächen jedoch kein Einzelhandel zugelassen, sondern nur eine gewerbliche Nutzung. Die Anfragen aus dem Einzelhandel sind zweistellig, gegenüber einem gewerblichen Interessenten. Der Grund ist aus Sicht der Stadtplanung klar: „Die Mieten sind zu hoch“, sagte Chefplaner Peter Schroeders im März im Planungsausschuss. 130 Euro pro Quadratmeter würden verlangt, an anderen Standorten in der Stadt zahlen Betriebe 35 bis 40 Euro. Doch Einzelhändler will die Stadt hier nicht haben, denn die Einzelhandelsstruktur sei stabil, tönte es seitens der Stadt. Zusätzlicher Einzelhandel außerhalb der City werde zu einer weiteren Schwächung der Innenstadt führen, sagte Schroeders und erinnert daran, dass man gerade rund 10.000 zusätzliche Quadratmeter im Citti-Park ermöglicht habe. Bleibt also alles beim „Alten“.

Das alte Bauhaus steht seit der Eröffnung des Neubaus leer.
Das alte Bauhaus steht seit der Eröffnung des Neubaus leer. Foto: Staudt
 

Leere Betonwüste: Europawiese

Seit bald zwei Jahren ist sie nun geteert und eingezäunt, die „Europawiese“ am Harniskai. 800.000 Euro öffentliche Mittel sind 2012 geflossen in den nach wie vor jungfräulichen Umschlagplatz, rund ein Viertel davon von der klammen Stadt Flensburg. Mit dieser zusätzlichen 4100 Quadratmeter großen Fläche, so die Hoffnung der Hafenbetreiber, sollten der Umschlag und damit der gesamte Wirtschaftshafen Flensburg neuen Schwung bekommen: Denn nur neuer Umschlagplatz bringe mehr Umschlag - eine Hoffnung, die sich bislang nicht erfüllte. 2014 lagert dort noch immer nicht viel.

Investitionsgrab: Die Europawiese in Flensburg kostete viel und liegt seither die meiste Zeit brach.
Investitionsgrab: Die Europawiese in Flensburg kostete viel und liegt seither die meiste Zeit brach. Foto: Staudt
 

Luftschloss statt Luftschiff: Harniskai

Ein Paradebeispiel ist das Gerangel um die Nutzung des brach liegenden Geländes am Harniskai. Von Hightech an der Förde war die Rede. Von einer britischen Firma mit gutem Ruf und einer deutscher Gesellschafterin, die an der Förde Flugboote bauen möchte. „Highship Industries Ltd.“ entpuppte sich als Luftschloss und der 2010 geschlossene Erbbauvertrag mit Investorin Barbara Geisel wird nun rückabgewickelt, da nach zwei Jahren Leerstand nichts auf dem Gelände passiert ist und bis heute weder regelmäßig Pacht bezahlt, noch hochtechnische Luftboote gebaut werden. Die Gebäude dort wurden also lange Zeit ihrem Schicksal überlassen und verfielen zusehends, bis eine engagierte Gruppe die „Luftschlossfabrik“ ins Leben rief. Das Kulturangebot erfreut sich bereits großer Beliebtheit. Derweil geht der Erbbau-Pächter Tycoon nach der Niederlage vor dem Flensburger Amtsgericht in Berufung. In der ersten Instanz hatte der vorgebliche Flugboote-Produzent klar verloren. Die Entscheidung wird aber nicht vor 2015 erwartet. Die Kultur kann also vorerst bleiben und die Politik weiter zu Kaffee und Kuchen einladen.

Die Luftschlossfabrik ist ein alternatives Wohn- und Kulturraumprojekt.
Die Luftschlossfabrik ist ein alternatives Wohn- und Kulturraumprojekt. Foto: Marcus Dewanger
 

Tabula Rasa: Neustadt- Einkaufszentrum

Viele Fotografen werden sich an das Fotomotiv der Neustadt erinnern. Die verlassene Aral-Tankstelle war für Shootings sehr beliebt. Nun ist sie seit Anfang des Jahres weg. Die Werftstraße zieht für zwei Millionen Euro Steuergelder 30 Meter nach Osten und täglich kann man den Baufortschritt sehen. Damit das neue Einkaufszentrum im Stadtteil auch genügend Parkplätze bieten kann, muss die Straße weichen. Zehn Jahre Planungen der Stadt stoßen nicht einmal auf viel Widerstand seitens der Politik. Das Großprojekt sorgt zuletzt für die komplette Sperrung der Werftstraße – und für Verwirrung. Die unübersichtliche Verkehrssituation an der Kreuzung zur Straße „Am Nordertor“ überfordert viele Autofahrer in Flensburg. Die Neustadt wird in den kommenden Jahren völlig umgekrempelt und das ist nur der Anfang. Der Edeka-Markt direkt gegenüber und sein Parkplatz verschwinden; hier, so das Ziel der Stadt, soll ansprechende Wohnbebauung entstehen, mit Einzelhandel im Erdgeschoss. Weichen wird auch der Aldi-Markt ein paar Häuser weiter; beide Läden zusammen bilden den Kern des neuen Einkaufszentrums zwischen Feld-, Gas- und Werftstraße. Erst im September 2012 wurde dem Planungsausschuss eine saftige Erhöhung der Kosten vorgelegt, die dieser zähneknirschend akzeptiert hat. Wie viel der Umbruch in der Neustadt am Ende kostet und welche Probleme bis dahin auftauchen, bleibt abzuwarten. Ein städtebaulicher Wettbewerb in diesem Jahr festlegen, was hier gebaut werden wird.

Großflächig will die Stadt das Viertel an der Neustadt erneuern; die Linie in Pink zeigt die Grenzen des Bebauungsplans.
Großflächig will die Stadt das Viertel an der Neustadt erneuern; die Linie in Pink zeigt die Grenzen des Bebauungsplans. Foto: Foto: Staudt / Grafik: Yalim
 

Langer Spaziergang: Neue Hafen-Promenade

Die Stadt Flensburg stellte im September 2013 erstmals konkrete Pläne und Kosten für Kaikantensanierung, Wasserplatz und Wanderweg am Westufer der Förde vor. Zwischen Nordertorkai und Galwik-Marina entsteht die Hafenpromenade - aus Beton gegossen. Die neue Westpromenade wird im Wesentlichen vor der vorhandenen Kaikante ins Wasser gebaut, zum Teil auf eine in den Hafengrund zu rammende Spundwand, zum Teil auf Pfähle. An drei Stellen sind Aussichtspunkte über Hafen und Innenförde vorgesehen. Schön. Der Weg wird von den Industriebetrieben am Ufer durch einen hohen Zaun abgegrenzt, durch ein Geländer aus Stahl zum Wasser hin gesichert und beleuchtet. Er kann von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden und wird so zu einem Teil des Ostseeküstenradwegs.

Alles zusammen soll 10,5 Millionen Euro kosten. Vor wenigen Jahren war noch von sieben Millionen die Rede. Bund und Land beteiligen sich aber mit 5,6 Millionen. Nach Abzug bereits beschlossener und damit zur Verfügung stehender Mittel muss die Stadt nur 830.000 Euro neu finanzieren, verteilt auf den Zeitraum bis 2016. Dann soll tatsächlich alles fertig sein. Das Projekt stieß auf Begeisterung und Zustimmung in der Flensburger Kommunalpolitik. Ein Baustart ist für 2014 geplant. Das war ja mal einfach.

So ähnlich wird er aussehen, Flensburgs neuer Laufsteg am Hafen-Westufer: Streckmetallzaun, Betonbelag, Leitlinie, Stahlgeländer, Aussichtsbalkon.
So ähnlich wird er aussehen, Flensburgs neuer Laufsteg am Hafen-Westufer: Streckmetallzaun, Betonbelag, Leitlinie, Stahlgeländer, Aussichtsbalkon. Foto: Entwurf: Kessler-Krämer
 

Weg mit der Natur: Aufwertung der Toosbüystraße

Zuerst kam die Sanierung der Abwassersystems, was den Straßenbelag in der Toosbüystraße nicht gerade verbesserte, dann wurde Leerstand beklagt, schlussendlich störte der kleine Platz am oberen Ende der Straße. Dann kam ein Tempo-30-Schild mit dem Hinweis auf Straßenschäden. Mittlerweile muss man um seine Stoßdämpfer fürchten.

Im Juni 2013 wurde dann von der Stadt eine Aufwertung der Toosbüystraße beschlossen. Im März 2014 ging es dann endlich los. Zuerst wurden aber die Bäume gefällt. Zum Leidwesen einiger Anwohner, die kurzerhand für den Fortbestand eines Kirschbaumes protestierten. Die Stadt schob die Fällung auf – wer braucht schon Natur? Der wild wuchernde Materialmix im Erscheinungsbild der Straße, der holperige Belag, fehlende Barrierefreiheit, hässliche Leuchten, der ungepflegte öffentliche Platz am Fuße des Burgfrieds, den "sozial auffällige" Gruppen mit Beschlag belegt hätten - das soll mit Ende der Bauarbeiten im Herbst nächsten Jahres der Vergangenheit angehören. Die Stadt freut sich. Und der Dorn im Auge vieler Flensburger gehört dann bald der Vergangenheit an. Na endlich.

Anwohner wollen die große Zierkirsche an der Toosbüystraße erhalten – doch die Tage des Baumes sind gezählt.
Anwohner wollen die große Zierkirsche an der Toosbüystraße erhalten – doch die Tage des Baumes sind gezählt. Foto: Marcus Dewanger
 

Schlafen zwischen Panzern und Fleischindustrie: Hotel in Galwik

Zugegeben, der Standort mit Fördeblick hat etwas, aber will man dort wirklich ein Hotel bauen? Fleischtransporte ab 2 Uhr nachts, mehr als 1000 Beschäftigte, die hier jeden Morgen an ihren Arbeitsplatz pendeln – oder Panzer, die zur Prüfung von der FFG zur Werft rattern: Der Industriestandort rund um Werftstraße, Brauereiweg und Batteriestraße an der Galwikbucht dürfte nicht zu den Lieblingsdestinationen seriöser Reiseanbieter zählen. Hier in der Neustadt, zwischen Fahrzeugbau- und Schiffbau-Gesellschaft, schlägt das industrielle Herz der Flensburger Innenstadt. Und hier forciert die Stadt aktuell Hotelplanungen der Kieler Investorenfamilie Lange, die unter anderem Die Pasta-Haus-Kette „Vapiano“ betreiben. Die Industrie ist zurecht verunischert, denn siedelt sich hier ein Hotel an, seien die Entwicklungschancen von FFG, FSG & Co akut in Gefahr. Es geht um Lärmschutz. Ein entsprechendes Schreiben der Industrie an die Stadt wurde zur Kenntnis genommen, ein Gutachten wird erstellt. Warum das nötig ist, bleibt fraglich. Dass Emissionen höchst sensibel für bestehende Industriebetriebe sind, hat die Stadt an der Harniskaispitze bereits vor zehn Jahren erkannt. Damals wurde für eine Schwimmbad-Prüfung auch die Hotel-Option grob geprüft – und aus Emissionsgründen rasch verworfen. Wohlbemerkt: Es ging um ein Hotel am Ostufer – bei Lärmbelastung der Industrie vom Westufer. Daumen hoch!

Ein guter Hotelstandort? Der Wasserplatz zwischen FFG (Standort des Fotografen) und Niro Petersen (im Vordergrund), dahinter das Stadtwerke-Kraftwerk.
Ein guter Hotelstandort? Der Wasserplatz zwischen FFG (Standort des Fotografen) und Niro Petersen (im Vordergrund), dahinter das Stadtwerke-Kraftwerk.
 

20% auf Alles: Neuer Twedter Plack

Ein weiteres neues Stadtteil-Zentrum soll entstehen. Nach fast vier Jahren Planungshickhack und kontroverser Debatte kann das neue Einkaufszentrum jetzt gebaut werden. Mit deutlicher Mehrheit hatte der Planungsausschuss die fast vollständige Erneuerung des Zentrums im März beschlossen. Die Änderungen in Kürze: neuer Aldi, neuer Edeka, Gewerbekomplex, veränderte Straßenführung, neue Parkplätze, Abriss und die Integration mit dem „alten Twedter Plack“. Die FDP konnte sich im Planungsausschuss am Ende nicht mehr mit ihren Änderungswünschen durchsetzen. Zum Glück, sonst würde es wohl nie losgehen. Nachdem das städtebauliche Konzept nach dem ersten Entwurf grundsätzlich geändert worden war und es dann 2013 aus formalen Gründen eine monatelange Verzögerung gab, wollten die anderen Vertreter nun keine weitere Verschiebung mehr hinnehmen. Bald geht es los.

Neues Einkaufen: Der Flachbau an der Fördestraße wird durch einen Neubau mit zwei Etagen ersetzt.
Neues Einkaufen: Der Flachbau an der Fördestraße wird durch einen Neubau mit zwei Etagen ersetzt. Foto: Staudt

Mehr ins Zentrum rücken: Das Bahnhofsviertel

Es geht um ein Stadtviertel, das selbst vielen Flensburgern immer noch weitgehend unbekannt ist: das erweiterte Bahnhofsumfeld. Zwar hat man bereits mitbekommen, dass der Bahnhof nicht ins Zentrum rücken kann, also das Zentrum zum Bahnhof rücken soll. Der Startschuss war der Abriss der Schokoladenfabrik, wo nach wackelnden Wänden nun endlich das neue Studentendomizil gebaut werden kann. Für den VfB Nordmark und das Kühlhaus war kein Platz im neuen Bahnhofsviertel berücksichtigt. 2013 müssen beide Vereine um ihre Existenz kämpfen. Plötzliche Routinekontrollen im Kühlhaus, keine Standortgarantien für die Vereine beherrschten das letzte Jahr. Sieben Jahre nach Abschluss der Sanierung des Kühlhauses stellte das Bauordnungsamt beispielsweise fest, dass damals vergessen wurde, die Baufertigstellungsanzeige zu erstatten. Inzwischen scheint es, als könne das Kühlhaus bleiben – als kulturelles Stadtteilzentrum. Der alte Eisenbahner-Sportverein hingegen ist den Plänen zum Bau eines innerstädtischen Wohnquartiers im „Bahnhofsumfeld“ aber weiterhin im Weg. Seit über einem Jahr schwelt der Konflikt. Im Februar hatte der SSW eine schnelle Standort-Entscheidung gefordert. Seither ist Ruhe. Ein Jahr später ist man also nicht weitergekommen. Direkt um die Ecke an der Bahnhofstraße plant die Stadt bereits den zweiten Baustein des Quartiersumbaus. Zwischen Munketoft und Helenenallee sollen mehrstöckige Häuser direkt an der Straße gebaut werden. Geplant ist ein Wettbewerbsverfahren, der Start soll noch 2014 sein. Problem: Die Grundstücksverhandlungen sollen schwierig sein. Es hakt also weiterhin.

Das Gelände des VfB Nordmark aus der Luft: Hier könnten Wohnungen entstehen. Die Sportplätze würden (in Betrachterrichtung) auf eine kontaminierte Fläche verschoben.
Das Gelände des VfB Nordmark aus der Luft: Hier könnten Wohnungen entstehen. Die Sportplätze würden (in Betrachterrichtung) auf eine kontaminierte Fläche verschoben. Foto: Geissler
 
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