Kita schließt 2013 : Flensburg verliert Betreuungsplätze

Altes Gebäude, altes Konzept: Die Kita am Nordergraben nimmt ab 2013 keine Kinder mehr auf.  Foto: Staudt
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Altes Gebäude, altes Konzept: Die Kita am Nordergraben nimmt ab 2013 keine Kinder mehr auf. Foto: Staudt

Abbau statt Ausbau: Im kommenden Jahr schließt die Flensburger Kita "Nordergraben". Der Stadtpräsident rügt die Entscheidung des Trägervereins.

shz.de von
20. Juni 2012, 08:41 Uhr

Flensburg | Gerüchte um die Schließung der Kita Nordergraben gab es schon länger. Heute nun sollen die Eltern offiziell über den Beschluss des Trägervereins informiert werden: Ab 2013 werden keine Kinder mehr aufgenommen. Das bestätigte am Montag Hannelore Balg auf Tageblatt-Nachfrage. Die Oberin der Diako ist Vorsitzende des Vereins.
Die Nachricht, dass 35 Plätze, davon fünf für unter Dreijährige, nicht neu besetzt werden, sorgt für Wirbel. "Die Stadt hat viel Geld investiert, um neue Betreuungsplätze zu schaffen", sagt Stadtpräsident Christian Dewanger. Knapp 1,2 Millionen Euro waren es in den vergangenen Jahren im Rahmen der U3-Ausbau-Förderung. "Wir können es nicht hinnehmen, dass jetzt Plätze wegfallen."
"Hier wurde immer gute Arbeit geleistet"
Das sei auch nicht der Fall, versichert Balg. Vielmehr seien die Plätze am Nordergraben in den letzten fünf Jahren zusätzlich aufrechterhalten worden. Als 2008 die neue Diako-Kita Kapernaum (Der biblische Ort, an dem Jesus gesagt hat "Lasset die Kinder zu mir kommen") mit 125 Plätzen gebaut wurde, sollte eigentlich auch die Kita Nordergraben mit einziehen. Man habe dann aber entschieden, mit der Auflösung bis zur Pensionierung der Leiterin Ende dieses Jahres zu warten, so Balg. "Hier wurde immer gute Arbeit geleistet", sagt die Oberin, aber der Standort passe nicht mehr zur konzeptionellen Ausrichtung, der Spielplatz sei nicht mehr kindgerecht, das Gebäude liege nah an der Straße. Eine Sanierung des über 120 Jahre alten Gebäudes komme nicht infrage. Balg: "Nehmen wir öffentliche Fördermittel in Anspruch, müssten wir uns die kommenden 25 Jahre an den Kita-Betrieb binden."
Für Dewanger stellt das kein allzu großes Risiko dar. Die Stadt würde nicht in den Kita-Ausbau investieren, wenn sie davon ausginge, dass in 20 Jahren die Plätze nicht mehr gebraucht werden. Selbst wenn die Geburtenzahlen rückläufig seien - was sie in Flensburg zuletzt nicht waren - steige die Zahl der Eltern, die für ihre Kinder eine Kita-Betreuung in Anspruch nehmen werden - ab August 2013 sogar gesetzlich garantiert.
Einer der letzten beiden Kindergärten in der Innenstadt
Der Stadtpräsident hofft noch auf eine Lösung: "Zum Beispiel in Form von Privatinvestitionen." Er weist ebenfalls darauf hin, dass Eltern kleinere Einrichtungen solchen mit mehr als 100 Plätzen vorziehen. Zudem verliere Flensburg einen der letzten beiden Kindergärten in der Innenstadt (neben der städtischen Kita Johannisstraße).
Dewanger kann zwar nachvollziehen, dass der Trägerverein wirtschaftlich handeln muss. "Aber wir brauchen die Plätze", sagt er deutlich. Die 35 Plätze sind aus seiner Sicht ersatzlos gestrichen. "In Kapernaum müsste man ja mit den Anmeldezahlen runter gehen, da es dort keine 150 Plätze gibt."
Oberin Hannelore Balg beschwichtigt unterdessen: "Niemand muss auf der Straße stehen, weder Kinder noch die Mitarbeiter." Ihnen soll angeboten werden, in der Kita Kapernaum unterzukommen.

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