Neuer Vorstoß : Flensburg umwirbt die "Gorch Fock"

Zwei, die zusammengehören: Schulschiff 'Gorch Fock' und vorgesetzte Dienststelle Marineschule Mürwik. Foto: Gupta
Zwei, die zusammengehören: Schulschiff "Gorch Fock" und vorgesetzte Dienststelle Marineschule Mürwik. Foto: Gupta

Wolfgang Börnsen möchte die "Gorch Fock" nach Flensburg holen. Das Schiff wird öfter in Flensburg festmachen, für eine dauerhafte Liegenschaft gibt es aber zu große Mängel.

shz.de von
30. November 2012, 02:44 Uhr

Flensburg | In der Kommandostruktur der Marine ist sie eine waschechte Flensburger Deern, aber sie hat ständig nur Auswärtsspiele. Die "Gorch Fock", Schulschiff der Marine, ist der Marineschule Mürwik unterstellt. Aber wenn sie nicht gerade auf allen sieben Weltmeeren und ihren Hafenstädten als Deutschlands schöne Botschafterin Flagge zeigt, liegt sie meistens in Kiel herum. Der Flensburger Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen hat jetzt einen erneuten Vorstoß gestartet, das bekannteste Schiff unter deutscher Flagge nach Flensburg zu holen - die Stadt unter Oberbürgermeister Simon Faber verspricht (erneut) nach Kräften zu helfen.
Börnsen hatte den Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, gebeten, die Möglichkeit flexiblerer Liegezeiten für das Schulschiff zu überprüfen. In seiner Antwort erklärte Kossendey ganz grundsätzlich, dass die "Gorch Fock" im Rahmen der Möglichkeiten künftig öfters in Flensburg festmachen wird, bezüglich längerer Liegezeiten im Hafen der Schule gab er sich freilich reserviert. Als Gründe führte Kossendey unter anderem strukturelle Probleme an, etwa fehlende Versorgungsanschlüsse für Frischwasser, Strom und logistischer Versorgung. Aber auch fehlende Zufahrten für die Berufsfeuerwehr, um im Brandfall schnell eingreifen zu können. "Dieses Risiko", so Kossendey, "sei nur im Ausnahmefall zu akzeptieren."

Stadt schätzt ihre Einflussnahme gering ein

Börnsen leitete das Schreiben des Staatssekretärs umgehend an Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber weiter - mit der Bitte, einmal zu überprüfen, ob sich die Mängel zu Gunsten längerer Gorch Fock-Liegezeiten nicht abstellen ließen. Das würde die Stadt liebend gerne machen. "Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alles tun", sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. "Die Gorch Fock ist immer eine Bereicherung - und wie attraktiv große Segler für den Städtetourismus sind, zeigt sich in Flensburg ja jedes Jahr."
Freilich sieht Teschendorf für die Stadt nur sehr begrenzte Möglichkeiten, die von Kossendey geforderten Voraussetzungen zu schaffen. "Ich glaube, die Marineschule wäre etwas überrascht, wenn unser TBZ in den militärischen Sicherheitsbereich einrücken würde, um dort Anschlüsse zu legen." Die Infrastruktur im Bootshafen der Schule sei Angelegenheit der Marine. "Ich sehe unsere Möglichkeiten der Einflussnahme sehr gering." Dessen ungeachtet sei an die zuständigen Fachbereiche der Auftrag ergangen, zu überprüfen, wie es um die Voraussetzungen für einen Liegeplatz im zivilen Bereich des Hafens bestellt ist.
In diesem Jahr - so viel steht fest - wird das angesichts des vollen Terminkalenders noch nichts mit der häufigeren Präsenz des Schulschiffs bei seiner vorgesetzten Dienststelle. Für Flensburg ist lediglich der 2. August reserviert. "Der Spielraum für eine weitere Präsenz des Schiffes", so Kossendey, "ist begrenzt."

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