Wegen Bahnstreik im Mai 2015 : Flensburg-Trip: Busreise mit bösen Überraschungen

„Bis jetzt läuft alles reibungslos.“ Holger Loeper auf der Rückfahrt im Bus von Flensburg nach München.
„Bis jetzt läuft alles reibungslos.“ Holger Loeper auf der Rückfahrt im Bus von Flensburg nach München.

Die Lokführer streiken – doch auch eine Tour mit dem Fernbus birgt unvorhersehbare Ereignisse.

shz.de von
08. Mai 2015, 06:42 Uhr

In Zeiten von Bahnstreiks schlägt die Stunde der Fernbusse. Die Fahrgastzahlen schnellen nach oben – das Geschäft brummt. Doch nicht nur eine Zugfahrt kann schnell zum Abenteuer werden. Auch das Reisen per Bus hat seine Tücken. Holger Loeper hat es am eigenen Leib erfahren.

Am Montag machte sich der 55-Jährige in aller Frühe auf, um rechtzeitig zum 76. Geburtstag seiner Mutter in Flensburg anzukommen. „Sie ist ein Pflegefall, und ich wollte sie überraschen“, sagt Loeper. Doch die Überraschung lauerte letztlich ganz woanders.

Das Fahrzeug der Firma „Mein Fernbus“ startete um 6 Uhr, planmäßige Ankunft in Hamburg: 18 Uhr. Dort könne er ohne lange Wartezeit in einen Anschlussbus umsteigen, wie ihm versichert wurde. Doch Hamburg erreichte der nun leicht nervös gewordene Fahrgast erst mit einer guten Stunde Verspätung.

Der Fahrer versuchte zu beruhigen und versprach, dass der Bus nach Flensburg warten würde. „Tat er aber nicht“, sagt Loeper. Er verpasste also den Anschluss ohne eigenes Verschulden und stand nun ziemlich ratlos mit seinem Gepäck in der Nähe des Hauptbahnhofs. Es war bald 19.30 Uhr.

„Dann“, schildert der Fahrgast weiter, „sagte mir der Busfahrer über die Hotline, dass ich auf eine SMS warten solle, auf der ein kostenloses Bahnticket für die Weiterfahrt zugesichert werden würde.“ Er solle nur schnell zum Bahnhof eilen und würde umgehend eine Mitteilung erhalten, um die weitere Vorgehensweise abzuklären. Die SMS kam bis heute nicht. „Dort angekommen, wurde mir per Telefon schlicht erklärt, dass es allein mein Problem wäre, wie ich jetzt weiterkommen würde.“ Loeper nahm notgedrungen die Bahn – und hatte Glück im Unglück: Es fuhr tatsächlich ein Zug in Richtung Norden.

Loeper ist schwer empört. Schließlich habe er das Ticket nur unter der Voraussetzung gebucht, dass der Anschluss nach Flensburg gewährleistet sei. So aber landete er mit gut zweistündiger Verspätung in der Gartenstadt Weiche, wo seine Mutter wohnt. „Ich werde mir gut überlegen, ob ich weitere Fahrten mit diesem Unternehmen wagen will“, sagt der kaufmännische Angestellte. Außerdem werde er Strafanzeige wegen Betruges stellen. Ihm seien immerhin zusätzliche Kosten in Höhe von 38 Euro entstanden, abgesehen von dem Ärger mit der leidigen Verspätung.

Loeper hat sich unterdessen schlau gemacht. Die Geschäftsbedingungen der Firma „Mein Fernbus“ sehen vor, so hat er erkundet, bei einer Verspätung, die der Fahrgast nicht zu verantworten hat, diesem den Weitertransport oder alternativ eine Übernachtung zu erstatten. Das wurde gestern vom Kundendienst entsprechend bestätigt. „Wenn die Umsteigeverbindung direkt über uns gebucht wurde, sorgen wir bei einer eventuellen Verspätung für die Weiterfahrt – also dafür, dass der Kunde von A nach B kommt“, sagte eine Mitarbeiterin.

Gestern saß der gute Mann wieder im Bus – zurück nach München. Diesmal nicht via Hamburg, sondern über Berlin. Notgedrungen. Eine andere Möglichkeit habe es nicht gegeben. Bis Redaktionsschluss verlief noch alles reibungslos. Doch so richtig wollte Holger Loeper dem Frieden nicht trauen...

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