Europaweite Ausschreibung : Flensburg sucht Nautics-Nachfolger

Das letzte Mal Nautics? In diesem Sommer war Flensburg wieder Ziel von vielen Touristen und Schiffen. Die Stadt sucht europaweit nach Alternativen.
Das letzte Mal Nautics? In diesem Sommer war Flensburg wieder Ziel von vielen Touristen und Schiffen. Die Stadt sucht europaweit nach Alternativen.

Die europaweite Ausschreibung für eine Nautics-Nachfolge-Großveranstaltung läuft unter erschwerten Bedingungen ab. Der Historische Hafen winkt schon einmal ab.

shz.de von
19. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Die Stadt Flensburg hat die „Flensburg Nautics“, eine der größten maritimen Veranstaltungen in Schleswig Holstein, europaweit ausgeschrieben. Sieben Mal zwischen 2002 und 2014 liefen die Nautics unter der Regie des Veranstalter-Gespanns Michael Reinhardt (Landprogramm) und Hans-Jürgen Edelhoff (Maritimes Programm). Jetzt will sich die Stadt nach einem anderen Partner umsehen. Ob sich allerdings angesichts schlechterer Rahmenbedingungen überhaupt ein ernsthafter Interessent findet, ist fraglich.

Am neuen Kurs von Verwaltung und Politik haben Edelhoff und Reinhardt selbst einen gewissen Anteil. Im Vorfeld der Nautics 2012 waren die beiden langjährigen Partner wegen des Urheberrechts an der Veranstaltung schwer aneinander geraten. In dem auch gerichtlich geführten Rosenkrieg wäre die sicher geglaubte Großveranstaltung auf der Strecke geblieben, hätten sich nicht beide Streithähne in buchstäblich letzter Minute wieder zusammengerauft. Schon damals wurde eine Auflösung der Dauerpartnerschaft und eine Ausschreibung für die Nautics 2014 erwogen. Weil aber die Stadt den Historischen Hafen dafür gewinnen konnte, auf der Basis eines Konzepts des Flensburger Designers Rainer Prüß mit einer Veranstaltungswoche „Flensburg Maritim“ anzutreten, war eine öffentliche Ausschreibung unterblieben. Die Idee einer maritimen Woche mit einem anspruchsvollen Mix aus Fachkonferenzen, Literatur, Musik, Information und Präsentation besonderer (auch moderner) Schiffe hatte viele Freunde in Verwaltung und Politik. Trotzdem entschied sich der Hauptausschuss überraschend für eine Fortführung der Zusammenarbeit mit Reinhardt und Edelhoff für das Jahr 2014.

Und jetzt? „Für uns geht es darum, auszuloten, was möglich ist“, sagt Clemens Teschendorf, der Verwaltungssprecher. Die Stadt erwartet laut Ausschreibung einen qualifizierten wirtschaftlich potenten Veranstalter für zunächst drei maritime Großereignisse am jeweils dritten August-Wochenende im Zwei-Jahres-Rhythmus. Dafür bietet Flensburg im Wesentlichen die Erlaubnis, im Hafenbereich eine Großveranstaltung auszurichten, die Flensburg nur wenig, später auch nichts kosten darf. Zuschüsse – zuletzt 8000 Euro und Erlass von 75 Prozent der Sondernutzungsgebühren – sollen eingedampft werden. Bis Auslauf der Bewerbungsfrist Mitte Januar hofft die Stadt auf viele Anfragen, die im weiteren Verfahren dann konkretisiert werden sollen, so Teschendorf.

Der Historische Hafen macht bereits deutlich, dass er dem erneuten Werben der Stadt nicht erliegen wird. „Wir sind in diesem Jahr schon mit den vielen kleineren maritimen Veranstaltungen an die Grenze des Machbaren gegangen“, sagt Geschäftsführer Frank Petry. „Wir haben erstens das Personal nicht und können zweitens als gemeinnützige GmbH gar nicht in ein solches Risiko gehen.“ Und ein Risiko wäre ein anspruchsvolles Programm ohne den von der Kommunalpolitik ein bisschen despektierlich als Jahrmarkt abqualifizierten Veranstaltungsrahmen mit viel Wurst und Bier allemal. „Woher sollen denn die Mittel kommen, wenn nicht von den Buden?“ fragt Petry.

Das dürfte sich auch Michael Reinhardt überlegen, der den ebenfalls von ihm veranstalteten Gottorfer Landmarkt wegen einer Kürzung der Förderung in Gefahr sieht. Ob’s von ihm und Edelhoff ein Angebot geben wird, ließ er offen. „Das muss ich erst mit meinem Partner besprechen und der kommt erst Ende Januar aus der Karibik zurück.“

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