Pachtgelände Fahrensodde : Flensburg: Streit um einen durstigen Heizungs-Dinosaurier

Durstiges Fossil: Den alten Heizöl-Vernichter von Fahrensodde tauschte Mathias Hartmann gegen ein sparsameres Modell.
Durstiges Fossil: Den alten Heizöl-Vernichter von Fahrensodde tauschte Mathias Hartmann gegen ein sparsameres Modell.

Der Turbulente Übergang des umkämpften Pachtgeländes Fahrensodde 20 zurück in städtische Hände.

Studioline2.jpg von
10. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Der Ausstieg war schmerzhaft und auch der Wiedereinstieg in geordnete vertragliche Verhältnisse ging nicht ganz ohne Schrammen vonstatten. Michael Draeger, Leiter des Fachbereichs Kommunale Immobilien, und Mathias Hartmann, ehemals Pächter mit politischem Planungsauftrag und bald Mieter im Wartestand auf bessere Perspektiven, haben zunächst einen Strich unter die bisweilen ruppige Auseinandersetzung um das maritime Dienstleistungszentrum Fahrensodde 20 gezogen.

Ein Strich, der durchaus ein paar kräftige Ausschläge nach unten zeigt. Die Übernahme der städtischen Liegenschaft aus der Hartmann -Pacht hätte um ein Haar und ziemlich buchstäblich für kalte Füße gesorgt. Diesmal sorgte der mobile Heizbrenner, den Hartmann 2011 anstelle der fossilen Industrieanlage in den Wärmekreislauf pflanzte, für Probleme. Die Stadt wollte die moderne, sparsame Anlage gerne übernehmen – allerdings nicht zu den Konditionen des Eigentümers. Hartmann wollte 1000 Euro Miete monatlich, wahlweise Ankauf zum geschätzten Restwert von 12 000 Euro – die Stadt bot von allem bestenfalls die Hälfte. Und im Hintergrund die Drohkulisse, dass die Klimastadt Flensburg im Falle einer Nichteinigung das alte Heizungsmonster aus Dasa-Zeiten wieder in Betrieb nehmen würde, das in seinen besten Zeiten für einen Durchschnitts-Ölverbrauch von 65 000 Litern jährlich gut war und jede Quadratmeter-Miete in unbezahlbare Größenordnungen geschraubt hätte.

Für die Inbetriebnahme – die Experten der Verwaltung gingen von Kosten in Höhe von 15 000 Euro aus – sollte Hartmann aufkommen. Für Fachbereichsleiter Michael Draeger, der sich zu Vertragsdetails nicht äußern darf, ergeben sich derartige Schritte aus einschlägigen Vereinbarungen, die Bestandteil aller Pachtverträge sind. Hartmann wiederum hebelte diese Kalkulation aus, indem er ankündigte, den Klimakiller dann eben durch einen Heizungsbauer seines Vertrauens für ein paar hundert Euro in Betrieb nehmen zu lassen – was am Ende, so sieht es auch Draeger – auf einen wirtschaftlich völlig unsinnigen Heizungsbetrieb hinausgelaufen wäre. Am Ende, so der Fachbereichsleiter, habe man sich auf eine Lösung geeinigt, bei der beide Seiten Zugeständnisse gemacht haben. Laut Hartmann kauft die Stadt ihm die mobile Anlage für einen mehr als günstigen Preis ab, kommt ihm aber bei der Gestaltungsfreiheit in der Vermietung entgegen. Gegenwärtig laufen vielversprechende Verhandlungen mit einer Tischlerei und einem Callcenter mit 15 Arbeitsplätzen, so Hartmann.

Der Vertrag liegt noch nicht vor, aber beide Seiten gehen davon aus, dass Hartmann im U-Gebäude Hauptakteur mit dem Recht auf Untervermietungen wird. „Wir brauchen Ruhe“, sagt der Unternehmer, der mit seiner Firma Dantronik unter anderem Satellit-gesteuertes Flottenmanagement und weltweite Seefunk-Lösungen anbietet. Hartmann hatte in den vergangenen zwei Jahren vergeblich versucht, im Rahmen eines Vorhaben-bezogenen Bebauungsplanes das maritime Dienstleistungszentrum Fahrensodde zu realisieren. Aber Verwaltung und Vorhabenträger bezichtigten sich gegenseitig der Blockade, die zwischenzeitlich neu gewählte Ratsversammlung schien überfordert und beendete das Projekt im September. Das jetzt angelaufene Bauleitverfahren in Regie der Stadt steckt in den Kinderschuhen. Hartmanns Ziel bleibt trotz der veränderten Rahmenbedingungen, sein Projekt zu verwirklichen. „Wir geben nicht auf!“

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