zur Navigation springen

Ärger beim DLRG : Flensburg: Strandwache der Lebensretter ist am Vergammeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Marode Unterkunft in Fahrensodde: Der Flensburger DLRG beginnen die Rettungsschwimmer davonzulaufen.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2016 | 08:08 Uhr

Die Flensburger DLRG wird auch den nächsten Sommer in der abbruchreifen Pförtnerloge der Dasa verbringen. Dabei verspricht die Stadt Flensburg den Rettern schon seit Jahren eine bessere Unterkunft, doch bislang hat sich am Status Quo für den Flensburger Ortsverband mit 450 Aktiven nichts geändert. „Sagen wir ruhig wie es ist“, sagt DLRG-Chef Torsten Brocks. „Das hier ist eine Bruchbude.“ Die ersten Quittungen sind schon eingetroffen: Etliche Rettungsschwimmer sagten unter Verweis auf das Flensburger Gammel-Quartier ihre Teilnahme an der Strandwache im Sommer ab.

Junge Leute fürs Ehrenamt zu gewinnen wird immer schwieriger. Die DLRG in Flensburg fürchtet einen Mitgliederschwund, sollten die Lebensretter nicht bald eine neue Sommerherberge bekommen.

Auf der Mitgliederversammlung im Februar hatte der Vorsitzende auf bohrende Fragen wieder keine Antwort. Die Quartierfrage der DLRG, deren Rettungsschwimmer in jeder Sommersaison 25 und mehr Veranstaltungen mit hunderten Teilnehmern auf und im Wasser absichern, bleibt auf unbestimmte Zeit ungelöst. Das hat viel mit dem planerischen Zickzack-Kurs von Verwaltung und Politik zu tun. 2013 gab es einen einstimmigen Ratsbeschluss für die Umsetzung der Idee eines maritimen Dienstleistungszentrums durch einen der Pächter auf dem Grundstück. In dessen Konzept sollte durch eine Quersubventionierung der Mieter ein moderner DLRG-Stützpunkt entstehen. Aber daraus wurde nichts. Die Stadt hatte – aus Sicht des Investors – zu viele nicht zu finanzierende Sonderwünsche aufgetürmt.

Im Oktober 2014 gingen CDU, SPD, Grüne und FDP auf Gegenkurs zu ihren eigenen Beschlüssen und forcierten einen verbindlichen Bebauungsplan, der noch in diesem Frühjahr Rechtskraft bekommen soll. Auch hier baut man fest auf selbstlose Investoren, die für die Retter Räumlichkeiten schaffen werden, aber bei der DLRG schwindet so langsam der Glaube. „Ich sehe den privaten Investor nicht, der für uns Geld in die Hand nimmt, sagt Brocks.

Der Notbehelf Pavillon – im Frühsommer 2014 musste der Verein seine Räume in der benachbarten Flugzeughalle wegen Einsturzgefahr verlassen – erfüllt nicht die gesetzlichen Mindestanforderungen für die Unterbringung junger Menschen. Qualvolle Enge, keine getrennten Toiletten und Duschen, keine getrennten Schlafräume, vom allgemeinen Gammel mal ganz abgesehen. „Ich würde meine Tochter nicht hierher schicken!“ stellte Ministerpräsident Torsten Albig anlässlich eines Kurzbesuches fest. Das sieht nicht nur der Landesvater so. Anfang März kamen – erstmals – Absagen aus Süddeutschland. „Noch einen Sommer in solch einer Unterkunft wollten die befreundeten Verbände ihren Jugendlichen nicht zumuten“, so Brocks. „Ein ganz schlechtes Zeichen.“

Noch schaffen er und seine Mitstreiter es irgendwie und immer wieder, junge Leute zu motivieren. Aber der DLRG-Vormann weiß genau: In Zeiten, in denen ehrenamtliches Engagement für junge Menschen wenig sexy ist und immer mehr Anhänger verliert, sollten Vereine mehr zu bieten haben als eine kaum noch bewohnbare Bruchbude. Aus eigenen Kräften wäre das machbar. Aber nur, wenn die DLRG wie ein Unternehmen der Privatwirtschaft agieren würde und für ihre ehrenamtliche Dienstleistung die wahren Kosten einschließlich der Rückstellungen für Investitionen in Rechnung stellt. „Aber das würde keiner bezahlen können“, ist sich Brocks sicher.

Dem Flensburger Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf bleibt nur das Prinzip Hoffnung. Er baut auf den Bebauungsplan, der für das Grundstück endlich Impulse bringen soll. „Wir führen parallel auch etliche Gespräche“, versichert er, muss aber einräumen, dass es bislang nicht gelungen ist, jemanden zu finden, der für die Finanzierung der DLRG-Station eintreten möchte.

Für Torsten Brocks läuft alles auf eine einzige entscheidende Frage hinaus, und das immer schneller. Sie lautet: Will die Stadt so etwas wie die DLRG oder will sie es nicht? Für den Verein ist die Antwort klar, wenn nicht bald etwas geschieht. „Dann machen wir nur noch Schwimmausbildung im Campusbad und lassen alles andere sein.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen