zur Navigation springen

Drohender Abriss im Stadtteil Duburg : Flensburg: Stadtsanierung macht Wohnraum platt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf sechs Wohnungen an der Burgstraße im städtischen Besitz wartet der Abrissbagger. Die Anwohner fürchten eine Gentrifizierung.

Flensburg | Warum eigentlich? Jörg Pepmeyer, bekennender Duburg-Bewohner, steht im Hinterhofgarten der Burgstraße 34 und schaut nach Osten. Dort steht jetzt noch ein Hintergebäude, das die Stadt ganz schnell abräumen möchte. Das Wohnhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert mit seinen sechs Wohnungen soll gemeinsam mit dem benachbarten ehemaligen Coop-Einkaufsmarkt dem Erdboden gleichgemacht und dann bis auf weiteres Freifläche werden. Diese Vernichtung von bezahlbarem Wohnraum – für den ehemaligen Ratspolitiker ist sie ein Ding der Unmöglichkeit und – möglicherweise – Vorbote unerwünschter Entwicklungen. Pepmeier fürchtet den Einzug der Gentrifizierung: Die Umwandlung durchmischter bezahlbarer Wohnviertel in ein Quartier für die gut Verdienenden.

Bis Mitte letzten Jahres waren die sechs Wohnungen im Hinterhof des Hauses Burgstraße 36 noch überwiegend von jungen Leuten bewohnt. Innerstädtisches Wohnen, günstige Mieten. Nebenbei war das Gebäude im Winter willkommener Windschutz gegen kalte Nordostwinde, das Leben auf den Balkonen rundete das große Innenkarree der alten Häuser und wilden Gärten entlang der Burgstraße, der Königstraße, von Schloßstraße und Ritterstraße ab. Pepmeyer kann beim besten Willen keinen baulichen Mangel erkennen. „Die Fenster sind gut, die Balkone relativ neu aufgesetzt – da gibt’s hier ganz andere Abrisskandidaten“, sagt er. Ich würd’s sofort kaufen. Aber der Abrissbagger parkt schon um die Ecke.

Aus Sicht der Stadt besteht kein Grund zur Sorge. Duburg ist Sanierungsgebiet. Die planerischen Ziele sind definiert, öffentlich ausgelegt und beschlossen und im Ratsinformationssystem nachvollziehbar. Die Gebäude auf dem Nachbargrundstück sind seit vergangenem Jahr als Ziele öffentlich markiert. Schon seit längerem werden auf den Hinterhöfen Gebäude dem Erdboden gleich gemacht, ohne dass jemand etwas davon erfährt. Schuppen, Garagen, Nebengebäude, Hinterhäuser verschwinden für immer, Freiflächen entstehen. „Das geht schon etliche Zeit so“, sagt Pepmeyer, der Duburger. „Das ist Bereinigung, um das Gebiet für Investoren interessant zu machen.“ Dass zahlkräftige Investoren kommen werden, hält Pepmeyer angesichts des schnell nahenden demografischen Wandels nur für eine Frage von noch ganz wenig Zeit. Duburg mit der in Flensburg größten Dichte teils zwar heruntergekommener, aber attraktiver Altbau-Architektur, dürfte längst auf dem Radar der zahlungskräftiger Investoren stehen. Ob Duburg nach deren Abzug aber noch derselbe Stadtteil sein wird, das bezweifelt Jörg Pepmeyer entschieden. „Seit Jahren schon wird in Flensburg bezahlbarer Wohnraum weggenommen. Das wird eine schleichende Verdrängung mit schlimmen Folgen für Niedriglohnempfänger und Rentner. Auch hier.“

Die Gebäude Burgstraße 36 und 38 sollen einem Neubau Platz machen, laut Stadtsanierung standen die Gebäude zu eng zusammen. „Belichtet und durchlüftet“, heißt das im Planungsdeutsch. Die kleinen Hinterhofwohnungen seien nicht mehr zeitgemäß gewesen. Immerhin: Für den Abriss wird es einen Neubau geben – entlang der Burgstraße. Ob dieser Neubau in der Burgstraße öffentlich gefördertersozialer Wohnungsbau wird, ließ sich nicht feststellen. Pepmeyer ist da eher skeptisch. „Von den planenden Politikern lässt sich hier doch kaum einmal einer blicken. Die wissen nichts von der konkreten Lebenswelt hier. Dieser Stadtteil hat einfach keine Lobby.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 15.Apr.2016 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen