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Kampagne : Flensburg sagt Plastiktüten den Kampf an

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Nutzung von Plastiktüten soll in Flensburg ab 2015 um bis zu 90 Prozent reduziert werden – das ist das Ziel einer Informationskampagne.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 08:11 Uhr

Flensburg | 6,1 Milliarden Plastiktüten werden laut Deutscher Umwelthilfe jedes Jahr in Deutschland ausgegeben. Das wären rein rechnerisch 6,1 Millionen in Flensburg, vermutlich aber viel mehr, weil das gesamte Umland überwiegend in Flensburg einkauft. Jetzt tritt die Stadt jedoch an, die Tütenflut einzudämmen: Ohne Gegenstimmen hat der Planungsausschuss beschlossen, dass die Stadt alles unternimmt, um den Verbrauch von Einweg-Plastiktüten um 90 Prozent zu reduzieren. Der endgültige Beschluss der Ratsversammlung am 11. September ist wohl nur noch eine Formsache. Start der Aktion ist aber erst 2015.

Auf Bundesebene steuert die Deutsche Umwelthilfe (www.duh.de) die Kampagne gegen die Tüten; auf der Homepage finden sich jede Menge Zahlen, Fakten und kreative Vorschläge für Aktionen. „Ich finde es wichtig, dass wir eine auf Flensburg bezogene Kampagne starten“, sagt Axel Kohrt, Vorsitzender des Planungsausschusses, der den vorentscheidenden Beschluss gefasst hat. So könne man zum Beispiel mit lokalen Händlern ins Gespräch kommen. Kohrt erinnert sich: „Wenn ich früher auf dem Wochenmarkt war, kam ich mit acht bis neun Plastiktüten nach Hause. Und die warf ich dann weg.“ Inzwischen habe er sein Verhalten jedoch geändert.

Das Problem liege vor allem in den kleinen, dünnen Tüten, die in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte massenhaft ausgegeben werden. Viel besser wären Papiertüten, die man entweder in den Kompost oder ins Altpapier geben könne. Ein großer Einkaufsmarkt bietet mittlerweile in seiner großen Frischwarenabteilung auch wieder Papiertüten zum Abfüllen der Waren an.

„Das ist ja kein neues Thema“, sagt Ellen Kittel-Wegner, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Ratsversammlung. Während es in den 70-er Jahren in Zeiten der Ölkrise vor allem um Kostenersparnis ging, „ist es für uns heute ein echtes Umweltthema.“ Es gehe vor allem darum, Alternativen anzuregen – sowohl beim Händler als auch beim Kunden. „Das funktioniert“ ist sie überzeugt. „Für eine Paprika im Supermarkt brauche ich keine Tüte.“ Auf dem Wochenmarkt funktionieren die Alternativen zum Teil schon heute. Es gebe Mehrwegtüten aus recyceltem Material, die auffällig gestaltet und dadurch attraktiver seien. Bei Edeka Nord werden „Alternativen wie beispielsweise kompostierbare Plastiktüten geprüft“, teilt Marion Grundmann mit. „Eine vollständige Umstellung auf Papier oder Jute ist keine Lösung, da dies den Verbraucher zusätzlich mit Kosten belasten würde. “

Biohändler Axel Sager vom Einkaufszentrum Twedter Plack bietet in seiner gekühlten Gemüseabteilung zwar noch Plastiktüten, aber auch Papiertüten an. „Die sind auch besser für die Aufbewahrung von Obst und Gemüse“, sagt er und empfiehlt sie deshalb seinen Kunden.

Der Einzelhandel ist gut beraten, das Thema ernst zu nehmen. „Es droht die Auflage der Europäischen Kommission, Kosten zu erheben“, gibt Ellen Kittel-Wegner zu denken. Ein entsprechender Beschluss wurde bereits im April 2014 gefasst. Die Umsetzung steht allerdings noch aus. In Irland hat die Einführung einer Gebühr zu einem Rückgang des Tütenverbrauchs um 96 Prozent geführt.

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