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Anwohner von Baustellen genervt : Flensburg reißt die Straßen auf

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Mehrere Baustellen machen Autofahrern in Flensburg zu schaffen. Jetzt ist auch eines der Nadelöhre in die Innenstadt dicht.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 08:43 Uhr

Flensburg | Kommt er oder kommt er nicht? Cornelia Schmitz wirkt leicht beunruhigt. Sie wartet auf den Bus, Linie 2, Haltestelle Goerdeler Straße in Flensburg, stadteinwärts. Doch die Strecke ist gesperrt. Darauf weisen bereits Schilder in der Westerallee hin. Was nun?
Cornelia Schmitz wohnt im Peter-Christian-Hansen-Weg. Wie andere Bewohner der Westlichen Höhe ist sie derzeit nicht zu beneiden. Denn zu der Dauerbaustelle Friedhofstraße, die seit Ende letzten Jahres eigentlich schon gar keine mehr sein sollte, gesellen sich immer neue hinzu. Aktuell also die Goerdeler Straße, die wegen der Fernwärme-Erneuerung (Stadtwerke) und Straßensanierung (TBZ) auf ganzer Länge blockiert ist, und - mal wieder - die Wrangelstraße. "Da haben sie gearbeitet", wundert sich Cornelia Schmitz, "dann waren sie wieder weg, und jetzt sind die Arbeiter wieder da."

Nadelöhr ist dicht


Damit nicht genug. Gebuddelt wird auch am Nordergraben und in der Rathausstraße. Ein hoch frequentiertes Nadelöhr hin zur City. Dort gibt es seit Dienstag kein Durchkommen mehr. Die 50-Jährige schüttelt mit dem Kopf. "So langsam blicke ich nicht mehr durch", sagt sie und zwingt sich zu einem gequälten Lächeln.
Neben ihr steht Uwe Gunnesson, langjähriger Stadtrat und Landtagsabgeordneter für die SPD. Er versucht zu trösten. "Wir müssen froh sein, dass überhaupt etwas passiert", macht er Mut. Damit spielt er auf den chronisch katastrophalen Zustand der Goerdeler Straße an, die nach dem Winter einer Kraterlandschaft gleicht. "Wir müssen gewisse Behinderungen eben in Kauf nehmen", sagt der 78-Jährige. Nun, er ist auf ein Auto nicht angewiesen. Dennoch stellt er fest: "Das ist ein bisschen viel auf einmal."

Abschluss nicht in Sicht


Immerhin, so ist aus dem TBZ zu vernehmen, hat man reagiert und die Emil-Nolde-Straße beidseitig geöffnet. Hier gilt seit Dienstag ein komplettes Halteverbot, damit die umgeleiteten Busse keine Probleme bekommen. Diese Regelung hat sich bis Dienstagmittag noch nicht herumgesprochen. Immer wieder suchen Autofahrer den Weg durch die holprige Goerdeler Straße, einige ziehen mit Tempo durch die Tempo-30-Zone bis zur Marienallee, vorbei an Absperrungen und Baufahrzeugen, Augen zu und durch. Andere haben Skrupel, wenden nach einigen Metern. Wie Herbert Kannacher. Der Rentner aus dem Timm-Kröger-Weg wollte eigentlich nur kurz tanken. "Das ist hier ja zum Verrücktwerden", entfährt es ihm.
Heirulf Rissom feierte gerade seinen 60. Geburtstag. Seine Gäste, sagt er, hätten es nicht leicht gehabt, in die Moltkestraße zu finden. Und sich gewundert, welch eine Baustellenlandschaft sich hier auftut. "Die Blockaden stehen in keinem Verhältnis zu dem, was hier repariert wird", findet Helen Brietzke an seiner Seite. Sie vermisst eine Kontrolle nach Abschluss der Arbeiten. "Nimmt das überhaupt jemand ab?" Schilder und Steine würden einfach stehen und liegen gelassen, Unebenheiten im Belag blieben zurück. "Nein", sagt sie, "man mag nirgendwo mehr Auto fahren - und mit dem Fahrrad schon gar nicht."
Aber mit dem Bus! Die Linie 2 fährt vor. Cornelia Schmitz steigt ein. Erleichtert. Ein letztes Mal in der Goerdeler Straße - die Haltestelle hat sich verabschiedet. Bis zum Oktober.
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