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Genickbrecher statt Giftköder : Flensburg: Ratten sterben an der Guillotine

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Technische Betriebszentrum bekämpft Nagetiere im Abwasserkanalnetz seit vier Jahren mit einer nachhaltigen Methode. Ratten werden mit Kunststoffspießen erschlagen.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2015 | 18:52 Uhr

Flensburg | Neugierig läuft eine Ratte in einem Flensburger Abwasserkanalrohr umher und schnuppert. Recht, links, dann hebt sie den Kopf in die Höhe. Ein fataler Fehler. Im nächsten Moment schießt ein Bündel von Kunststoffspießen mit 130 Kilometern pro Stunde auf den Nager herab und erschlägt ihn. Das Tier stirbt binnen weniger Sekunden. Im Flensburger Abwasserkanalnetz kommen so zahlreiche Ratten ums Leben.

Das Technische Betriebszentrum (TBZ) geht mit der sogenannten Wise-Trap seit vier Jahren den eher unbeliebten Tieren an den Kragen. Zwei Fallen sind im Abwassernetz installiert und ergänzen dort die Giftköder, die sonst an den übrigen Stellen ausliegen, an denen sich vermehrt Ratten aufhalten.

Die Wise-Trap kann immer dort eingesetzt werden, wo Bedarf ist. Sie besteht aus einer Falleneinheit und einer elektronischen Steuerung. Die Falle wird mit einer Montagestange direkt im Kanalrohr angebracht, ihre Steuerung an einer Halterung unmittelbar unter dem Schachtdeckel platziert und von der Erdoberfläche aus bedient. Wenn Sensoren die Bewegung und die Körperwärme der Ratte erkennen, aktiviert sich die Falle und schießt mit großer Kraft ein Bündel Spieße aus. Die Spieße sind so gestaltet, dass sie dem Nager die Knochen brechen, ohne den Pelz zu durchdringen. Das Tier wird schnell und schmerzfrei getötet und mit dem Abwasser herausgespült. Die Spieße werden anschließend wieder eingefahren, und die Falle ist für das nächste Tier funktionsbereit. Der Durchfluss im Abwasserkanal wird durch den Kadaver nicht behindert.

Was auf der einen Seite nach einer brutalen Art und Weise der Rattenbekämpfung klingt, ist auf der anderen Seite eine tier- und nachhaltige umweltfreundliche Methode – im Vergleich zum Giftköder. TBZ-Sprecher Ralf Leese erklärt, dass die Wise-Trap eine 100 prozentige Tötungsrate hat, zumindest gehe der dänische Hersteller davon aus. „Der Einsatz der Schlagfalle ist weniger arbeitsintensiv“, erklärt Leese die Vorteile. „Einmal installiert, bedarf sie keiner weiteren Wartung.“ Lediglich die Batterie müsse alle zwei Monate ersetzt werden. Wenn keine Störungen auftreten, sei die Falle dauerhaft aktiv, so Leese.

Wie viele Ratten erschlagen werden, übermittelt die Wise-Trap über das Internet. Jeder Einsatz wird automatisch gemeldet. Sind die Daten auf dem Server des Herstellers angekommen, können sie ausgewertet werden. Giftköder dagegen müssen ausgelegt und regelmäßig erneuert werden. Das ist Leese zufolge personalintensiv. Hinzu komme, dass die Tiere gegenüber dem eingesetzten Gift resistent werden – was nach Möglichkeit verhindert werden soll.

Eine Rattenplage gebe es Leese zufolge in Flensburg aber nicht. Der TBZ-Sprecher sieht den Grund dafür in der ganzjährigen Bekämpfung und den laufenden Spülarbeiten, die einer möglichen Rattenplage im Kanalnetz vorbeugen. Die Kanalisation ist bei den Nagern ein beliebter Ort, um schnell von A nach B zu kommen. Normalerweise halten sie sich dort auf, wo sie viele Abfälle finden, von denen sie sich ernähren. Der Sinn ihrer Bekämpfung steht außer Frage – schließlich können sie verschiedene Krankheitserreger übertragen.

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