Drogengeschäfte des Ugur E. : Flensburg: Neustadt-Pate erneut vor Gericht

Durchsuchung in der Drogen-Drehscheibe: Die Gaststätte in der Neustadt war bis 2002 das Hauptquartier von Ugur E. Der Prozess brachte damals eine Menge zwielichtiger Sachverhalte ans Licht.
Durchsuchung in der Drogen-Drehscheibe: Die Gaststätte in der Neustadt war bis 2002 das Hauptquartier von Ugur E. Der Prozess brachte damals eine Menge zwielichtiger Sachverhalte ans Licht.

Heroin und Koks: Ugur E. stieg noch in der Bewährungszeit einer zwölfjährigen Haftstrafe wieder ins Drogengeschäft ein.

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25. Juli 2014, 18:00 Uhr

Flensburg | So sieht man sich wieder. Vor etwas mehr als zwölf Jahren, es war der 29. Mai 2002 und der Angeklagte hatte Geburtstag, klagte Staatsanwalt Thorkild Petersen-Thrö den damals 32-jährigen Ugur E. wegen Drogenhandels, Vergewaltigung, Sex mit Minderjährigen und einer ganzen Reihe weiterer schwerer Delikte an. Am 16. Juli 2014 gab’s ein Wiedersehen. Wieder im Schwurgerichtssaal. Als Urlaubsvertretung vernahm Petersen-Thrö Zeugen in der Strafsache Ugur E. Dieses Mal geht es „nur“ um Heroin. Trotzdem: Wenn es schlecht für den Angeklagten läuft, könnte er weitere sieben Jahre hinter Gittern verbringen.

Anscheinend konnte E. die Finger nicht von dem verhängnisvollen Stoff lassen. Im November 2002 war er zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Beweisaufnahme hatte damals ergeben, dass der als „Pate der Neustadt“ zu traurigem Ruhm gekommene Türke neben dem Handel mit Heroin und Kokain auch noch total amoralische Qualitäten an den Tag legte, die für eine besonders saftige Haftstrafe sorgten: Abgabe von Koks an Minderjährige, sexueller Missbrauch einer Zwölfjährigen, erzwungene Prostitution im Keller seines Lokals „Manco“ in der Neustadt – dafür musste er in Lübeck und zuletzt Neumünster büßen. Am 27. Juni 2011 kam er frei. Knapp zehn Jahre seiner Haftstrafe hatte er abgesessen, für den Rest – immerhin 888 Tage – wurde er auf Bewährung freigelassen. Wenn die Flensburger Staatsanwaltschaft Recht behält, war Ugur E. nicht einmal ein Jahr später schon wieder dick im Geschäft. Zwischen April 2012 und Oktober 2013 soll er in 140 Fällen einen Zeugen mit Heroin beliefert haben, die Ermittler glauben zudem, ihm zwei Fälle nachweisen zu können, in denen er eine 35 Jahre alten mitangeklagte Kurierfahrerin nach Holland schickte, um den Stoff von seinem Geschäftspartner zu übernehmen. Das Geschäftskonto befand sich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in der Wohnung seines Bruders Ümit K., der ebenfalls die Anklagebank drückt.

Die ersten beiden Verhandlungstage verliefen aus Sicht des Ugur E. ausgesprochen unangenehm. Das lag nicht nur an der Kurierfahrerin aus Bremen, die ihn als Auftraggeber für die riskanten Transporte belastete; das lag auch an einer sehr guten Freundin, die am zweiten Verhandlungstag den schwierigen Spagat einer Ugur E. eigentlich in Sympathie verbundenen Belastungszeugin meistern musste. Am Ende ihrer dreistündigen Vernehmung stand aber nicht nur die handfeste Aussage, dass E. in seiner Wohnung in der Neustadt Kokain und Heroin zum Verkauf hortete; es stand plötzlich auch wieder diese Verquickung von Sex und Drogen im Raum, die schon das Verfahren von 2002 gefärbt hatte. Wenigstens scheinen jetzt keine Minderjährigen mehr beteiligt zu sein. Die Zeugin ging davon aus, dass E. auf seinen Partys kostenloses Kokain für kostenlosen Sex eintauschte – von 16-Jährigen mit Gratis-Koks angefixten Dauergespielinnen, wie bei seiner Erstverurteilung – war jetzt aber nicht die Rede.

Das Verfahren wird nach einer kurzen Sommerpause am 6. August vor der 2. Großen Strafkammer fortgesetzt. Weitere Verhandlungstermine sind der 8., 18., 19., 20. und 28. August. Ugur E. drohen mindestens vier Jahre Haft, die Reststrafe aus seiner Erstverurteilung nicht eingerechnet.

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