zur Navigation springen

Lokführer-Streik : Flensburg: Mit Volldampf in den Stillstand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Reisende geben reihenweise ihre Fahrkarten zurück – und haben kaum Verständnis für den längsten Streik in der Geschichte der Bahn.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 07:15 Uhr

Flensburg | Vier Tage ohne – alles reine Nervensache. Heute wird das Abenteuer Bahn Fahrt aufnehmen. Auch wenn es keinen Anlass zur Panik gibt, ist der Streik der Lokführer ab 2 Uhr in der Nacht doch mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Werden die Taxifahrer von gestrandeten Bahnfahrern profitieren oder warten sie vergebens? Bleibt das Bistro auf seinen Würstchen sitzen? Wird die Bundespolizei zur Fahrplanauskunft. Ist die Bahnhofsmission an diesem Tag überflüssig? Und – wird der Notfallfahrplan greifen, wie erhofft?

Mittwoch, 14 Uhr. Der Mammutstreik wirft seine Schatten voraus. Der Service-Mitarbeiter der Bahn hat soeben seine Lautsprecherdurchsagen eingestellt. Am Info-Schalter wartet ein Dutzend Fahrgäste auf Auskunft. Die meisten wollen ihre bereits gekauften Fahrkarten zurückgeben. Wie Margarete Ferch. Sie hat am Sonntag einen Termin in Lübeck, müsste dafür in Flensburg um 8.03 Uhr starten. „Das ist mir alles zu unsicher“, sagt sie. Ihr Fahrgeld bekommt sie anstandslos erstattet. „Wir steigen dann mal um aufs Auto.“

Darauf will Michael Green, der am Donnerstag einen Termin in einem Hamburger Krankenhaus hat, sich nicht einlassen. „Wegen der Parkgebühren.“ Er hat von 12.09 auf 11.09 Uhr umgebucht. Ohne Zusatzkosten. „Hoffentlich fährt der Zug dann auch.“ Darauf baut auch Tanja Zimmer aus Sörup, die auf eine Verbindung nach Berlin angewiesen ist. Sie macht ihrem Ärger Luft. „Ich kann das nicht mehr nachvollziehen“, sagt sie. „Ein Streik in diesem Ausmaß ist unverantwortlich.“ Findet auch Mia Schwerdt aus Süderbrarup, die kein Auto zur Verfügung hat; sie macht einen Führerschein-Crashkurs in Flensburg. „Und da muss ich pünktlich sein!“ Immerhin fährt die Bahn nach Kiel im Zwei-Stunden-Takt.

Die Bahn-Mitarbeiterin hört sich die Klagen der verhinderten Passagiere geduldig an. „Wir sind angehalten“, sagt sie, „die Probleme großzügig zu behandeln und Kulanz walten zu lassen.“ Die Stimmung sei noch friedlich. Doch das könne sich ändern. Sie werde bisweilen mit aggressiven Kunden am Schalter konfrontiert. „Die haben mir auch schon mal Haue angedroht.“

Zum Glück gibt es die Bundespolizei. „Wir werden präsent sein wie immer“, verspricht Sprecher Hanspeter Schwartz. Man sei in engem Kontakt mit der Bahn und immer aktuell informiert. „Wir lassen die Reisenden natürlich nicht im Regen stehen.“ Das gilt auch für die Bahnhofsmission. „Wir werden hier nicht viel zu tun haben“, schätzt Roland Mierzwa, „aber stehen jederzeit zur Verfügung.“

Draußen warten Taxifahrer auf Kundschaft. Ob die in den 100 Streikstunden ausbleiben wird, sei völlig ungewiss, sagt Fred Rothe. Der Chauffeur hofft auf Fahrten mit denjenigen, die es bis Flensburg geschafft haben – und nicht mehr weiterkommen. Fahrgäste etwa, die in Zeitnot sind oder Dänen, an denen der Streik vorbeigegangen ist. „Manchmal landen hier ja ganze Busladungen – mal sehen, wie wir die hier wegkriegen.“ Auch wenn es kein Taxi nach Paris sein wird, so rechnet er doch mit einigen längeren Touren. Oder mit einer Pause im Bistro. Dort werden die Brötchen geschmiert wie an jedem Morgen. „Ob die Abnehmer finden, wissen wir nicht“, sagt Filialleiterin Angela Diekmann. Sie ist erbost. „Der Streik“, schimpft sie, „wird auf dem Rücken derer ausgetragen, die zur Arbeit müssen.“

Der Notfall-Fahrplan

Aktuelle Online-Informationen gibt es  auf www.bahn.de in einem  Live-Fahrplan. Für den Fernverkehr gibt es  Notfallfahrpläne.  Sie gelten am Donnerstag am  ersten Streiktag für Personenzüge.  Die durchgehenden Regional-Express-Züge  zwischen  Flensburg und Hamburg  (8.09 Uhr, 10.09 Uhr, 10.24 Uhr, 12.09 Uhr etc.) fallen aus.  Die  Regionalbahnen mit Umstieg in Neumünster zu den ungeraden Stunden (7.09, 9.09, 11.09 Uhr etc.) sollen indes fahren.  Flensburg-Kiel fährt im Zwei-Stundentakt: 7.03 Uhr, 9.03 Uhr, 11.03 Uhr etc.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen