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Künstler Uwe Appold : Flensburg: Kunst für Klärwerker nur noch Schrott

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seine Kunstwerke verschwinden ohne Vorwarnung von der Bildfläche – Uwe Appold fühlt sich von der Stadt schlecht behandelt.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2014 | 07:52 Uhr

Flensburg | Sind seine Werke nichts mehr wert? Zum dritten Mal bereits fühlt sich Uwe Appold als Künstler verkannt – und als Mensch gekränkt. Zum dritten Mal sind seine Skulpturen urplötzlich aus dem öffentlichen Raum verschwunden. Zum dritten Mal will der Flensburger mit den Verantwortlichen darüber in den Dialog treten.

Doch die Voraussetzungen für ein konstruktives Gespräch sind denkbar schlecht. Die Verwaltung gibt sich wortkarg und der renommierte Bildhauer und Maler mehr als skeptisch: „Die gebetsmühlenartigen Beteuerungen der Stadt von Transparenz“, grollt er, „scheinen nicht mehr zu sein als eine Farce.“

Aktuell geht es um eine Hommage an die Mitarbeiter des Klärwerks – in Form eines sechs Meter hohen Technikdenkmals, dessen Grundlage ein Gasmotor bildete. Appold realisierte es im Jahr 1993, als er in Zusammenarbeit mit dem Hochbauamt das Farb- und Gestaltungskonzept für das Klärwerk entwarf. Nun ist das gesamte Ensemble inklusive des tonnenschweren Schwungrads verschwunden. Appold registrierte das Sakrileg im Vorbeifahren – und war entsetzt. „Was die Klärwerker für uns tun, verdient allerhöchste Anerkennung“, betont Appold. „Das Werk war als Würdigung dessen gedacht.“ Der unverstandene Künstler hatte zumindest erwartet, dass man mit ihm in Kontakt treten würde, bevor man zu einer solchen Radikalmaßnahme greift. „Das“, sagt der 72-Jährige, „kann ich nicht akzeptieren.“

Nun ist es beileibe nicht so, dass das skulpturale Monument in der Versenkung verschwunden ist. Es wurde einfach verschrottet, wie Jochen Schmidt, Betriebsleiter des Klärwerks, freimütig zugibt. „Es ist einer baulichen Veränderung auf unserem Gelände, die die Wasserreinigung optimieren soll, zum Opfer gefallen“, erläutert er. Man habe durchaus darüber nachgedacht, das Denkmal an anderer Stelle wieder zu errichten, doch das habe sich als zu aufwändig erwiesen. Schmidt räumt ein, es sei schlichtweg vergessen worden, den Erschaffer vorab zu informieren. „Wir haben es ja nicht vorsätzlich getan.“ Schmidt will nun die Wogen glätten.

Was sich als schwierig erweisen könnte. Denn die streitbare Künstlernatur zürnt der Stadt nicht zum ersten Mal. Unlängst verschwanden Appoldsche Reliefteile mit Küchengeräten an einem Gebäude des Jugendaufbauwerks am Dammtor, zuvor schon demontierte die Verwaltung einen Brunnen in der Fußgängerzone, das Licht am Wasserrad und an den Stelenleuchten an Holm und Zob wurde schnöde ausgeknipst.

Allein das stählerne Kunstwerk mit einem Sammelsurium an Pfannen, Töpfen und Besteck sowie Appolds privater Paella-Pfanne wird einen neuen Platz am neuen JAW-Domizil finden – die anderen Fragen stehen im Raum, ungeklärt. Uwe Appold will die Sache keineswegs auf sich beruhen lassen. Er hat demnächst einen Termin bei Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar. „Ich werde darlegen, dass mein Urheberrecht nunmehr dreimal verletzt worden ist“, sagt der Bildhauer. „Einen Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum stelle ich mir anders vor.“

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