zur Navigation springen

mundraub.org : Flensburg: Kostenlose Äpfel an der Hafenspitze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Online-Plattform mundraub.org zeigt, wo es in Flensburg und anderswo Obst auf öffentlichen Flächen gibt. Eine Regel besagt: Vor Freigabe klären, wem ein Baum gehört.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 17:00 Uhr

Flensburg | Sie nennen sich „Mundräuber“, führen aber nichts Böses im Schilde. Im Gegenteil. Das Team der Initiative mundraub.org um Gründer Kai Gildhorn hat die Online-Plattform ins Leben gerufen, mit dem Ziel, reifes Obst auf öffentlich zugänglichen Flächen nicht zu vergessen, sondern die Bäume zu erhalten. Jeder, der in seiner Stadt oder Region einen solchen Obstbaum kennt, kann dessen Standort auf einer interaktiven Karte eintragen – auf Wunsch mit einem Foto – und mit anderen Mundräubern teilen.

Der Bereich der Stadt Flensburg ist auf der Karte mit zahlreichen Symbolen bestückt, die neben Obstsorten auch Nüsse, Kräuter oder Pflanzen anzeigen. Mirabellen, Kirschen, Äpfel, Zwetschgen oder Esskastanien sind in der Fördestadt kostenlos an vielen Stellen zu finden. Auf dem Flensburger Campus zum Beispiel. Direkt neben der Flens-Arena stehen einige Apfelbäume, die noch voller roter und grüner Früchte hängen. Auch auf der Grünfläche neben dem Hauptgebäude der Europa-Universität (Auf dem Campus) sind die Bäume voller grüner Äpfel, die von den Studierenden übersehen werden, ist sich eine Nutzerin von mundraub.org sicher.

Überall in Flensburg kann man kostenlos Obst, Nüsse oder Kräuter finden.
Überall in Flensburg kann man kostenlos Obst, Nüsse oder Kräuter finden. Hier geht es zur Karte: mundraub.org/map
 

Doch nicht nur dort gibt es kostenlose Früchte zum Naschen. Eine weitere Mundräuberin aus Flensburg erzählt, dass an der Hafenspitze „im Gebüsch neben dem alten Bahngleis ein herrenloser Apfelbaum steht, der sich über hungrige Klettermaxe freut“. Und am Kanonenberg, am Eingang zum Alten Friedhof, steht ein stattlicher Baum mit vielen Esskastanien, die im Oktober reif sind. Die Streuobstwiese an der Marienau im Flensburger Westen, die der Nabu vor 20 Jahren für selbst gepflanzte Bäume von Brautpaaren eingerichtet hat, ist auch für Mundräuber offen. Diese wird dem Nabu zufolge gut genutzt, das Fallobst verspeisen die Tiere.

Bei der Ernte gibt es aber einiges zu beachten, denn nicht jeder Baum oder Strauch steht auf einer öffentlichen Fläche. „Oberste Mundraubregel ist es, zuerst zu klären, wem der Obstbaum gehört“, erklärt Andie Arndt, Pressesprecherin der Initiative. Nur, wenn er niemandem gehört, darf die Obstfläche auf der Mundraub-Karte eingetragen werden. Wer nämlich auf Privatgrundstücken pflückt, macht sich strafbar. Um das zu vermeiden, reicht meist ein Anruf bei der Naturschutzbehörde, dem Grünflächenamt, der Straßenverkehrsbehörde oder der Straßenmeisterei.

Auch auf öffentlichen Flächen dürfen nicht übermäßig viele Früchte im Korb landen. Der Flensburger Stadtsprecher Clemens Teschendorf erzählt, dass es am Adelbyheck, im Osbektal und am Taruper Weg öffentliche Flächen mit Obstbäumen gibt. Dort sei es kein Problem, ein paar Äpfel zum Privatverzehr zu pflücken. Nicht erlaubt sei es aber, Massen von Obst zu ernten und diese etwa zum Verkauf anzubieten. „Die Bäume sind nicht nur für Menschen, sondern auch für die Tiere gedacht“, sagt Teschendorf. Denn auch Rehe lassen sich die Leckereien schmecken.

Wer auf Mundräuberjagd war und noch nicht so recht weiß, was er mit dem frischen Obst anfangen soll, der findet auf mundraub.org Rezepte – zum Beispiel für ein leckeres Apfelkompott oder ein Bärlauchpesto.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen