Bevölkerungsplus : Flensburg knackt die 90.000-Marke

Der Campus wächst - und damit auch die Stadt: Viele der inzwischen über 8000 Studenten auf dem Sandberg haben auch ihren Wohnsitz nach Flensburg verlegt. Foto: Dommasch
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Der Campus wächst - und damit auch die Stadt: Viele der inzwischen über 8000 Studenten auf dem Sandberg haben auch ihren Wohnsitz nach Flensburg verlegt. Foto: Dommasch

Flensburg wächst. Studenten bescheren der Stadt ein sattes Bevölkerungsplus. Vom historischen Nachkriegs-Höchststand ist man aber noch weit entfernt.

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26. Oktober 2012, 08:37 Uhr

Flensburg | Das hat es zuletzt vor über 30 Jahren gegeben. Dem wachsenden Campus sei dank ist es nun wieder so weit: Flensburg hat die 90.000-Einwohner-Marke geknackt. "Wie jetzt rückverfolgt werden konnte, hat unser Bürgerbüro in der vergangenen Woche die Anmeldung Nummer 90.000 entgegengenommen", sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf auf Anfrage. "Streng genommen sogar gleich in doppelter Ausführung" - denn es handelte sich um ein junges Paar, das für das Studium in eine gemeinsame Wohnung nach Flensburg gezogen ist. Die beiden dürfen in der nächsten Woche nun gleich nochmal im Rathaus vorbeischauen, wo Oberbürgermeister Simon Faber sie zur Ehrung empfangen will.
Dass es sich bei den "Grenzknackern" gerade um junge Studenten handelt, ist kaum als Zufall zu bezeichnen. "Der saisonale Bevölkerungszuwachs zu Semesterbeginn unterstreicht die hohe Bedeutung der beiden Hochschulen als Wachstumsmotoren für die zukünftige Entwicklung der Stadt", erklärt Holger Jahnke, Professor für Geografie an der Uni Flensburg. Studenten machen den Großteil der Neuanmeldungen aus, wie auch der Stadtsprecher bestätigt. Jede Anmeldung wird mit einem Begrüßungspaket mit Gutscheinen honoriert. Dadurch sollen vor allem Studenten zum Gang ins Bürgerbüro motiviert werden.
Minus bei Geburten, dickes Plus bei Zuzügen
Die Bevölkerungsentwicklung hängt immer von zwei Faktoren ab: dem natürlichen Bevölkerungssaldo, sprich Geburten minus Sterbefälle, sowie dem Wanderungssaldo, heißt: Zuwanderungen minus Abwanderungen. Bei der Geburtenentwicklung kann auch Flensburg nur einen negativen Trend aufweisen. Dafür aber ein dickes Plus bei den Zuzügen. In Schleswig-Holstein ist die Stadt damit ein Vorzeigeobjekt. Nur Kiel weist ähnlich hohe Zuwächse in Relation zur Bevölkerung auf, wie das Statistikamt mitteilt.
Ein Blick zurück in die Bevölkerungsentwicklung zeigt: Vom historischen Nachkriegs-Höchststand von 108.585 Einwohnern im Jahr 1949, bedingt durch zahlreiche Flüchtlinge, ist die Stadt trotz des jüngsten Zuwachses noch weit entfernt. Nachdem die 100.000-Marke wegen Umverteilungstendenzen im Jahr 1952 erstmals wieder unterschritten wurde, hielt sich die Einwohnerzahl bis Ende der 1970er Jahre knapp unter dieser Grenze, mit leicht sinkender Tendenz. 1977 verzeichnete Flensburg erstmals wieder weniger als 90.000 Einwohner
Für einen weiteren Einbruch sorgte Mitte der 1990er Jahre der großräumige Abzug der Bundeswehr. Doch etwa seit der Jahrtausendwende geht es kontinuierlich bergauf. Sechs Prozent Wachstum zeigt die Statistik in den letzten zehn Jahren, ein Plus von 5000 Menschen. Gerade in Zeiten demografischer Schrumpfung sei "das Erreichen der nächsten Etappe auf dem Weg zur statistischen Großstadt (100.000 Einwohner) ein beachtlicher Erfolg", meint der Geograf Jahnke. Gleichzeitig gelte es nun, der steigenden Nachfrage nach Wohn- und Gestaltungsraum Rechnung zu tragen.

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