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Kinder- und Jugendhospizdienst : Flensburg: Kino-Premiere zwischen Leben und Tod

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr als 400 Gäste begehen mit einem ungewöhnlichen Film-Ereignis das zehnjährige Bestehen des Kinder- und Jugendhospizdienstes.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 23:45 Uhr

Flensburg | Menschen schlendern über den Roten Teppich. Fernsehkameras schwenken durch die Luft. Blitzlichtgewitter. Strahlende Gesichter. Und mittendrin ein Oscar-Preisträger. Ein Hauch von Hollywood liegt in der Luft bei der Deutschland-Premiere des Kinofilms „Lauf, Junge, lauf“ in der Flensburger UCI-Kinowelt. Zu der sind Ministerpräsident Torsten Albig, die beiden jungen Hauptdarsteller, ein Zwillingspaar aus Polen und der mit einem Oscar prämierte Regisseur Pepe Danquart gekommen.

Und weit mehr als 400 Gäste, die sich im vollbesetzten Kinosaal die Premiere anschauen wollen. Sie essen Popcorn und plaudern miteinander. Die Stimmung ist ähnlich gelöst wie auf dem Roten Teppich vor dem Saal.

Das ändert sich wenig später schlagartig. Im Saal ist es still. Totenstill. Die Gesichtszüge der Gäste wirken wie eingefroren. Passt das mit einer Kino-Premiere zusammen? Mit dieser schon. Denn vor „Lauf, Junge, lauf“ wird ein kurzer sh:z-Dokumentarfilm über die Arbeit des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes ausgestrahlt. Im Mittelpunkt des Videos steht der zehnjährige Julian. Er kämpft mit dem Tod – genau wie der Protagonist des Kinofilms, der achtjährige jüdische Junge Srulik. Ihm gelingt 1942 die Flucht aus dem Warschauer Ghetto. Fortan schlägt er sich bis zum Kriegsende in den Wäldern durch, muss Lebensmittel und Kleidung stehlen und in Erdlöchern schlafen.

 

Sruliks Geschichte ist wahr. Das ist auch die von Julian. Anders als Srulik weiß er, dass er nicht mehr lange leben wird. Denn Julian ist unheilbar krank. Seine Lebenserwartung hat er schon um sieben Jahre überschritten. Vor allem wegen der liebevollen Betreuung durch seine Eltern und den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst beim Katharinen-Hospiz am Park.

Der feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Daher ist die Premiere in eine kleine Jubiläumsfeier eingebettet. „Die Gründung geht auf das Schicksal des damals siebenjährigen Tom zurück“, sagt Stephan Richter, Sprecher der Chefredakteure unserer Zeitung. „Er war unheilbar krank und wurde zunächst im Katharinen-Hospiz betreut, weil es keinen Hospizdienst für Kinder gab, worüber wir damals berichtet haben.“

Das weiß auch Ministerpräsident Albig. Mehrfach dankt er daher den Mitarbeitern des Kinder- und Jugendhospizdienstes für ihr unermüdliches Engagement. Ein Hospiz sei nicht bloß Endstation, sondern ermögliche einen würdevollen Weg bis zum Tod und gebe Kraft. „Lebensqualität bemisst sich nicht nur in der Dauer des Lebens, sondern auch in der Intensität.“ Besonders in diesem Punkt leiste der Hospizdienst „Großartiges und Wundervolles“. 

Doch was löst die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung eines Kindes bei den Angehörigen aus? „Das lässt sich nicht mit Worten beschreiben.“ Keiner der Gäste mag widersprechen. Stattdessen gibt es für Albigs Rede lautstarken Beifall. Den gibt es nach der Premiere auch für den Kinofilm. Zumindest dort gibt es ein Happy End. Srulik überlebt.

Nach dem Film wird  Kamil Tkacz, einer der beiden Zwillingsbrüder gefragt, was ihn bei den 55 Tage dauernden Dreharbeiten besonders bewegt habe. Es waren die Momente, in denen er geweint habe, antwortet dieser. Dann nämlich habe er sich vorgestellt, dass er, wie im Film dargestellt, seinen Arm, seinen Vater und seinen geliebten Hund wirklich verloren habe. Dann geht die Frage von Regisseur Pepe Danquart ans Publikum: „Hat jemand von Ihnen geweint?“ Die Hände gehen reihenweise nach oben.

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