zur Navigation springen

Klaus Florian Vogt kommt : Flensburg in bester Erinnerung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Tenor Klaus Florian Vogt, der am Donnerstag im Deutschen Haus singt, startete seine Sängerkarriere beim Landestheater

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 07:34 Uhr

Klaus Florian Vogt wagt den Spagat. Gestern noch als Heldentenor auf der Opernbühne in Bayreuth, übermorgen ganz allein, nur vom Klavier begleitet, als Liedersänger im Deutschen Haus. „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert beim Schleswig-Holstein Musik-Festival. 20 Lieder, jedes davon ist eine kleine Geschichte für sich – eine Herausforderung für jeden Sänger, allein schon der Textmenge wegen.

Als man die Eintrittskarten für das Stadttheater noch in D-Mark bezahlte, war Klaus Florian Vogt schon mal in Flensburg, für eine ganze Spielzeit. Hier hatte er 1997/1998 seine erste Saison als Profi-Sänger und erinnert sich 20 Jahre später immer noch gern an diese Zeit und an Kollegen wie Ansgar Hüning, der noch heute hier singt. Seinen Vertrag bekam er vom Intendanten Horst Mesalla, Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ war seine erste große Rolle. „Das war eine tolle, schöne Zeit mit einer unglaublich netten Kollegenschaft. Ich hatte das große Glück, gleich mit der ersten Produktion einen großartigen Regisseur zu haben. Flensburg ist eine schöne Stadt mit einer freundlichen Atmosphäre. Ich habe damals viele Abstecher in die Umgebung gemacht.“ Zum Vorsingen hatte er es nicht weit, er studierte damals Gesang an der Musikhochschule Lübeck. Eigentlich war Vogt schon Berufsmusiker: Er hatte den Posten als stellvertretender Solo-Hornist am Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Mesalla gab ihm drei Tage Bedenkzeit, dann sagte er zu. Nach nur einem Jahr war er wieder weg: Die Semperoper rief. In Dresden wurde er von Giuseppe Sinopoli gefördert.

2010 kam er noch einmal an die Förde. Da war das Landestheater in eine schwere Krise geraten, eine große öffentliche Kampagne mit zahlreichen Aktionen der Belegschaft half, das Überleben zu sichern. Vogt musste nicht lange nachdenken, als er gebeten wurde, an einer großen Operngala teilzunehmen. „Ich habe bei dem Konzert ein paar Arien gesungen und war froh, dass ich auf diese Weise etwas zurück geben konnte“, sagt er heute.

Gestern Bayreuth, Donnerstag Flensburg, Freitag Glückstadt. Da könnte er theoretisch nach dem Konzert zu seiner Familie nach Brunsbüttel fahren, wenn diese nicht derzeit in Bayreuth wäre, wo er ein Haus gemietet hat. Vogt ist bodenständig geblieben, anders als viele Kollegen zieht es ihn nur zu den Proben und Auftritten in die Metropolen. Berlin, Zürich, New York stehen demnächst auf seiner Agenda. Aber wohnen? „Ich bin überhaupt kein Stadtmensch“, sagt der Dithmarscher, den das Talent in die weite Welt der Oper getrieben hat. „Wenn ich zu Hause bin, habe ich Freizeit. Da ist mir die Umgebung sehr wichtig.“ Die ländliche Umgebung sage ihm mehr zu als die Enge der Stadt.

Hin und wieder nutzt er das Flugzeug, um zwischen Proben oder Auftritten mal eben nach Hause zu fliegen – und dann sitzt er selbst am Steuerknüppel. Vogt hat einen Pilotenschein, und auf der Straße ist er ab und zu auch mal mit einer Harley Davidson unterwegs.

Nach den beiden Auftritten beim Festival geht es für ihn wieder nach Bayreuth. Noch viermal den Walter von Stolzing in den „Meistersingern“; nach der Premiere hat er Angela Merkel beim obligatorischen Staatsempfang kurz getroffen: „Ich glaube, es hat ihr gefallen.“

Ein ganz besonderes Erlebnis war selbst für einen weitgereisten und preisgekrönten Heldentenor der Auftritt im Rahmen des G20-Gipfels in der Elbphilharmonie. Die Sicherheitsbedingungen übertrafen alles, was Vogt in dieser Hinsicht bisher erlebt hat. „Das hatte auch etwas Bedrückendes. Es war schon beängstigend, als man hinter der Bühne auf schwerstbewaffnete Polizisten traf.“ Die mächtigsten Menschen dieser Welt saßen direkt vor ihm, als er – zusammen mit den anderen Solisten – das Loblied auf die Freude sang, die dazu führe, dass „alle Menschen Brüder werden“. Er glaube, dass so ein Konzert wichtig für die Atmosphäre bei einer politischen Konferenz sei und dass die Musik damit tatsächlich eine positive Wirkung erzielen könne. Deshalb befürworte er solche Konzerte – um den Preis des exorbitanten Sicherheitsaufwandes. Und, ja, er hatte den Eindruck, dass es auch Donald Trump gut gefallen habe. Jedenfalls habe er ihm das nach dem Konzert gesagt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen