Vision 2109 : Flensburg in 100 Jahren

Zukunft am Wasser: Man darf gespannt sein, wohin sich zum Beispiel die Schiffbrücke mit dem Museumshafen (links) oder die Stadtwerke weiter entwickeln. Foto: Marcus Dewanger
Zukunft am Wasser: Man darf gespannt sein, wohin sich zum Beispiel die Schiffbrücke mit dem Museumshafen (links) oder die Stadtwerke weiter entwickeln. Foto: Marcus Dewanger

Sie sind noch ganz jung, wie Jana Groth (siehe unten) gerade geboren oder vielleicht noch gar nicht auf der Welt - die Flensburger, die die Geschicke der Stadt in 100 Jahren bestimmen. Doch wie sieht es Anfang des 22. Jahrhunderts an der Förde aus? Eine Vision mit aktuellen und historischen Anleihen.

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01. Januar 2009, 07:28 Uhr

Flensburg | Der Neujahrsmorgen des Jahres 2109 ist ein klirrend kalter Morgen. Die Sonne strahlt über der Flensburger Förde. Spaziergänger flanieren an der Küstenzeile am Hafen. Manch einer läuft die komplette Strand- und Hafenstrecke zwischen Wassersleben und Solitüde ab. Das ist mittlerweile seit zig Jahren Tradition - seitdem nach der Freigabe der Strecke entlang der Marineschule im Jahr 2012 und der Umgestaltung der Neustadt-Kaizeile außer an der Werft und bei den Stadtwerken alle Küstenabschnitte frei zugänglich sind.
Wer nicht mit seinem Batterie-betriebenen Auto in die Stadt fährt, kommt meist mit dem Elektro-Omnibus von "Afaktivbus".
Aber auch mit dem ICE kommen zahlreiche Ausflügler und Touristen in die Stadt. Die Deutsche Bahn AG hatte im Jahr 2020 in der Innenstadt zwischen ZOB und Johannis-Viertel doch wieder einen neuen Bahnhof gebaut. Seitdem kamen immer mehr Tagesgäste aus Dänemark, Kiel oder von der Insel Sylt mit dem Zug. Auch der Mühlenstrom ist seit dieser Zeit wieder nahezu komplett freigelegt, und wäre die südliche Innenstadt nicht fast vollständig bebaut, so wäre bestimmt auch der alte Mühlenteich wieder hergestellt worden - so viel Spaß hatten alle Beteiligten an dem Bahnhof-Mühlenstrom-Projekt gehabt.
Manches ist aber auch noch wie vor hundert Jahren: Die Stadtwerke werden immer noch grün angestrahlt, haben sich die Öko-Farbe inzwischen aber redlich auch verdient - nicht nur wegen ihres Fernwärmenetzes: Sie verheizen anstatt Steinkohle aus Polen und Kolumbien nur noch heimisches Knickholz und ökologisch korrektes Frischholz aus glücklichen Mischwäldern. Und die Flensburger müssen den Strom auch nicht mehr teurer bezahlen als manch ein Neu-Kunde fernab der heimischen Förde.
Schräg gegenüber von den Stadtwerken, an der Harniskaispitze, ist ein großer maritimer Freizeitpark mit Strandbad. Der geklinkerte Turm und die grün-weißen Raiffeisen-Silos sind zum stilvollen Hotelambiente geworden.
Auch der Hochschulcampus ist weiter gewachsen. Die Lehrerausbildung in der "Ostsee-Universität", wie die Hochschule seit vielen Jahren heißt, ist die profilierteste in ganz Norddeutschland, seitdem statt Bachelor oder Master für Lehrer ein Diplom vergeben wird. Der Uni-Tüv hat in Flensburg lange nicht mehr Station machen müssen. Auf dem Ostsee-Hochschul-Campus studieren mittlerweile 15.000 Studenten - das sind fast doppelt so viele wie vor hundert Jahren. Und den Strom nicht nur für den Campus, sondern für das ganze Viertel im Südosten produzieren seit 95 Jahren jene drei Fünf-Megawatt-Windrotoren, die eigentlich einmal für Eggebek vorgesehen waren.
Seit mehr als hundert Jahren ist Flensburg die einzige wachsende Stadt in Schleswig-Holstein, wenngleich sie unter den drei Großstädten Kiel, Lübeck und Flensburg mit rund 120.000 Einwohnern immer noch die kleinste ist.
Nur an einer Stelle in der Innenstadt hat sich seit mehr als 100 Jahren nichts getan: Die 1960/70er-Jahre-Rückseitenfassade von Hertie/Karstadt ist 100 Jahre später von Denkmalschützern vor dem Abriss bewahrt worden. Es soll die letzte Fassade dieser Art in Mitteleuropa sein, weshalb einmal pro Jahr Designer-Exkursionen an die Förde unternommen werden.

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