Galwik : Flensburg: Hotelpläne im Herzen der Industrie

Ein guter Hotelstandort? Der Wasserplatz zwischen FFG (Standort des Fotografen) und Niro Petersen (im Vordergrund), dahinter das Stadtwerke-Kraftwerk.
1 von 4
Ein guter Hotelstandort? Der Wasserplatz zwischen FFG (Standort des Fotografen) und Niro Petersen (im Vordergrund), dahinter das Stadtwerke-Kraftwerk.

Obwohl praktisch alle benachbarten Betriebe alarmiert sind, will die Stadt per Lärmschutzgutachten die Möglichkeit eines Baus prüfen.

shz.de von
18. Januar 2014, 08:36 Uhr

Fleischtransporte ab 2 Uhr nachts, mehr als 1000 Beschäftigte, die hier jeden Morgen an ihren Arbeitsplatz pendeln – oder Panzer, die zur Prüfung von der FFG zur Werft rattern: Der Industriestandort rund um Werftstraße, Brauereiweg und Batteriestraße an der Galwikbucht dürfte nicht zu den Lieblingsdestinationen seriöser Reiseanbieter zählen. Hier in der Neustadt, zwischen Fahrzeugbau- und Schiffbau-Gesellschaft, schlägt das industrielle Herz der Flensburger Innenstadt. Und hier forciert die Stadt aktuell Hotelplanungen der Kieler Investorenfamilie Lange (Pasta-Haus Vapiano).

Dieser Eindruck hat sich jedenfalls bei praktisch allen großen Industriebetrieben des Quartiers festgesetzt: Fahrzeugbau-Gesellschaft FFG, Niro Petersen, Werft, Flensburger Fleischkontor und Westindien Compagnie Seehandelsgesellschaft – fünf große Unternehmen mit deutlich mehr als 1500 Beschäftigten haben sich bereits mit einem Brief an Stadtplanungschef Peter Schroeders gewandt. Ihre Sorge: Siedelt sich hier ein Hotel an, seien die Entwicklungschancen von FFG, FSG & Co akut in Gefahr.

Ein Hotelier als Nachbar – im Gespräch sind rund 100 Betten und 45 Stellplätze auf drei Etagen – könnte die Industrieproduktion mit Hinweis auf Lärm und andere Emissionen zum Erliegen bringen: „Damit wären auch die Standorte am Hafen und somit in Flensburg in Gefahr“, warnen die Unternehmer Norbert Erichsen (FFG), Birthe Reimer (Niro P), Philipp Redlefsen (Fleischkontor) und Thomas Kipka (Westindien Compagnie), die das Schreiben gemeinsam mit der FSG unterzeichneten. „Am Brauereiweg entsteht nördlich des geplanten Wasserplatzes ein Baufeld, das sich grundsätzlich für ein Stadthotel eignen könnte“, bestätigt Planungssprecher Thomas Hansen. Die entscheidende Eignungsfrage sei aktuell, ob an dieser Stelle unter Lärmschutzgesichtspunkten die Errichtung eines Hotels möglich ist. Interessiert sei der Kieler Investor Lasse Lange.

Die Unternehmer verstört, dass die Stadt offenkundig bereit ist, unkalkulierbare Risiken einzugehen – und dass ihre im November niedergeschriebenen Befürchtungen bislang unbeantwortet blieben. „Wir wollen verhindern, dass Tatsachen geschaffen werden“,sagt Arbeitgeberverbands-Geschäftsführer Fabian Geyer.

Das habe gar niemand vor, erwidern die Stadtplaner. „Nur wenn als Ergebnis dieses gutachterlichen Verfahrens gewährleistet ist, dass die umliegenden Gewerbebetriebe in ihrem Bestand nicht beeinträchtigt werden und zukünftig auch nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten am Standort haben, wird das Hotelprojekt an dieser Stelle weiterverfolgt“, verspricht Hansen.

Ein solches Gutachten finden nicht nur die industriellen Nachbarn unnötig. Auch ein Blick zurück in die Planungsgeschichte der Stadt ist aufschlussreich: Dass Emissionen höchst sensibel für bestehende Industriebetriebe sind, hat die Stadt an der Harniskaispitze bereits vor zehn Jahren erkannt. Damals wurde für eine Schwimmbad-Prüfung auch die Hotel-Option grob geprüft – und aus Emissionsgründen rasch verworfen. Wohlbemerkt: Es ging um ein Hotel am Ostufer – bei Lärmbelastung der Industrie vom Westufer. Vor nicht allzu langer Zeit sah sich zum Beispiel die Werft mit Beschwerden und Klagedrohungen eines Bewohners aus dem Sonwik-Viertel konfrontiert.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen