Neubauten sorgen für Chaos : Flensburg: Hausnummern-Lotto am Munkenholt

Müssen zwei Felder vorrücken: Karin und Peter Reinke und Nachbarin Ingrid Lorenzen (rechts) bekommen von der Stadt nach 35 Jahren neue Hausnummern verpasst.
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Müssen zwei Felder vorrücken: Karin und Peter Reinke und Nachbarin Ingrid Lorenzen (rechts) bekommen von der Stadt nach 35 Jahren neue Hausnummern verpasst.

Drei Neubauten sorgen für das große Stühlerücken: Die Alt-Bewohner werden von der Stadt mit neuen Hausnummern zwangsbeglückt.

shz.de von
21. Juli 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Im Wäldchen vor der Haustür tobten die Kinder, der kleine alte Abraumberg war eine perfekte Rodelpiste. 35 Jahre lang war das unbebaute Grundstück Munkenholt 47 an der Stadtgrenze zu Glücksburg eine städtische Oase. Damit ist es seit einiger Zeit vorbei. Erst kamen die Sägen und machten den Wald platt, dann kamen die Bagger und trugen den Berg ab. In der nächsten Zeit werden Baufirmen hier drei neue und sehr große Einfamilienhäuser hochziehen und oben drauf setzt die Stadt Flensburg mit einer kleinen Hausnummern-Lotterie noch eine Verwaltungspointe.

Für Karin Reinke und Ehemann Peter ist Munkenholt 49 seit 35 Jahren die vertraute Postadresse. Mit ihr werden sie in allen möglichen Verzeichnissen geführt, mit ihr sind sie geschäftlich, amtlich und privat seit 35 Jahren mit der Welt vernetzt. Ende letzten Jahres kündigte die Stadt ihnen an, diese Welt erschüttern zu wollen. Ein Anhörungsbogen. Die Reinkes mögen Stellung nehmen zur beabsichtigten Änderung ihrer postalischen Adresse von 24944 Munkenholt 49 in 24944 Munkenholt 53. Schreiben ähnlichen Inhalts erhielten ihre Doppelhaus-Nachbarin Ingrid Lorenzen (dann 53 a statt 51) sowie die Bewohner des nächsten Doppelhauses (55 a/b statt 53 a/b). Auch sie sollen neu durchnummeriert werden, damit die neuen Nachbarn problemlos in die Zahlenreihe der Straße Munkenholt eingefügt werden können. Mit den geklauten Hausnummern 47, 49 und 51.

Die betroffenen Alt-Anrainer sind entsetzt. Auf Anhieb fällt Karin Reinke statt des großen Stühlerückens eine viel einfachere Lösung ein. „Es wäre für alle Beteiligten mit sehr viel weniger Aufwand verbunden, wenn die Stadt die drei neuen Häuser einfach mit 47 a, b und c durchnummeriert. So aber gibt das doch ein einziges großes Durcheinander.“

Das könnte gut sein. Für die „Eingeborenen“ am Munkenholt ist jetzt schon klar, dass sich die neuen Nachbarn in nächster Zeit wegen nunmehr falsch adressierter Briefe und Pakete als erweiterter Arm der Zustelldienste betätigen dürften. Und dass sie als Betroffene die ganze Lauferei und alle Gebühren für neue Dokumente auf sich nehmen müssen, hinterlässt ebenfalls einen blöden Nachgeschmack, finden die Noch-Inhaber der alten Hausnummern.

Aus Sicht der Verwaltung hat die Stadt den Lösungsweg mit den geringsten Nebenwirkungen gewählt. „Das ist für die Betroffenen ärgerlich, keine Frage,“ räumt Stadtsprecher Clemens Teschendorf ein, bleibt in der Sache aber fest. Hausnummern mit Buchstabenzusätzen seien bei Einzelhäusern nicht üblich, sondern eher bei Reihen und Doppelhäusern. „Wir müssen das leichte Auffinden gewährleisten – auch im Hinblick auf Polizei- und Rettungseinsätze“, argumentiert der Verwaltungssprecher.

Eine Argumentation, die für die Nachbarn nicht verfängt. Karin Reinke verweist auf fünf Einzelhäuser im Twedter Strandweg, die mit Zusätzen von a bis e markiert sind. Und warum drei frontal zur Straße Munkenholt gebaute Häuser 47 a, 47 b und 47 c nicht auffindbar sein sollen, will sich ihr nicht erschließen. Verwirrend findet sie eher, wenn zwei Doppelhaushälften in Hinterlage künftig die Nummer 55 a und 55 b tragen sollen, und erst das nächste frei stehende Einzelhaus die Stammnummer 55.

Endgültig ist am Munkenholt noch nichts. Denn das amtliche Verfahren sieht vor, dass die Stadt am Ende einen Bescheid erlassen muss, der auf dem Rechtswege anfechtbar ist. Gut möglich also, dass erst am Ende eines längeren Verfahrens dann irgendwann ein Verwaltungsgericht die endgültigen Hausnummern vergibt. Bis dahin wäre am Munkenholt die Ordnung nur vorläufig. Karin Reinke findet das alles ziemlich unpraktisch. „Ich hoffe, bei der Stadt denken die noch einmal drüber nach.“

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