Festakt : Flensburg hat jetzt eine Europa-Uni

Zur Europa-Uni gehören  eine neue Website und ein  Logo, das Torsten Albig vorstellte.
1 von 2
Zur Europa-Uni gehören eine neue Website und ein Logo, das Torsten Albig vorstellte.

Campus feiert die neue internationale Ausrichtung mit einem Festakt – und hofft weiter auf eine Lösung bei den verschiedenen Semesterzeiten.

shz.de von
30. Juni 2014, 19:25 Uhr

Die Botschaft wurde über Studierenden-Interviews gleich zweimal ins prall gefüllte Audimax eingespielt: An der Uni Flensburg geht es persönlich zu, Dozenten begrüßen ihre Studierenden mit Namen, alles auf dem Campus liegt dicht zusammen, weite Wege gibt es gar nicht. Nur für den Fall also, dass irgendjemand auf die Idee gekommen wäre, der neue Titel Europa-Universität könnte die wachsende Hochschule unpersönlicher machen: „Wir bleiben, was wir sind, ändern doch den Fokus“, erklärte Uni-Präsident Werner Reinhart gestern das neue international geschärfte Profil. „Ein Name schafft zuallererst Identität“, sagte er weiter. Das deutsch-dänische Doppelstudium, Partnerabschlüsse mit insgesamt 60 Hochschulen sowie Studiengänge wie Internationales Management, European Studies, Kultur – Sprache – Medien oder das stark nachgefragte Energie- und Umweltmanagement gebe es seit langem. Nun sollen fünf international ausgerichtete Lehrstühle dazukommen, drei neue Studiengänge, zwei Forschungszentren und etliche Programme wie das „Europa-Semester“. „Die Welt begreift nur, wer die Perspektive zu wechseln vermag“, glaubt Reinhart. Um Europa sei ihm nicht bange: „Schon längst wächst Europa von unten.“ Und die junge Generation verlange nach Studienangeboten, die passen.

Als ein starkes Zeichen für die große europäische Idee bezeichnete Ministerpräsident Torsten Albig die Auslobung der Flensburger Uni zur Europa-Universität. „Hier wird Europa gelebt – und die europäische Idee an die nächste Generation weitergegeben“, befand Albig.

Zugleich würdigte er die zahlreichen internationalen Kooperationen der Hochschule. Schon seit 20 Jahren arbeite die Universität Flensburg beispielsweise mit der Syddansk Universitet zusammen. „Die Europa-Universität versteht sich aber nicht als rein deutsch-dänische Institution, sondern wirklich als europäische“, erklärte Albig. Das sei enorm wichtig, denn den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts könne man nur staatenübergreifend begegnen. Auch die Forschung sei bereits international ausgerichtet, schon wegen der europäischen Hochschulpolitik, die mit den Beschlüssen von Bologna 1999 die europäischen Hochschulen zu mehr Gemeinsamkeit verpflichten.

Bereits jetzt gebe es in Flensburg viel Kompetenz für die grenzüberschreitende Hochschul-Zusammenarbeit. „Europa-Universität Flensburg ist nicht einfach ein neues Messing-Schild, hinter dem die Inhalte nach und nach erarbeitet werden. Es ist hier in Flensburg der Name für ein Projekt, das schon seit vielen Jahren mit Leben gefüllt wird.“ FH-Präsident Herbert Zickfeld wies daraufhin, dass auch die FH als Schwesterhochschule seit 15 Jahren über die Grenzen des Ostseeraumes Kooperationen unterhalte – und an einem grenzüberschreitenden Ingenieurstudiengang arbeite.

Lotte Rod aus Apenrade, Mitglied des dänischen Folketings, übernahm die Rolle, ein klein wenig Wasser in den Wein der Feier zu gießen. Sie wies darauf hin, dass die deutsch-dänischen Studiengänge sowohl dem Campus Flensburg als auch Sonderburg ein internationales Flair beschert hätten. Jetzt müssten nur noch die Semesterzeiten der Hochschulen beider Länder angeglichen werden – und eine bessere Infrastruktur, um von einem Campus zum anderen zu gelangen. Da rennt Rod in der Europa-Uni offene Türen ein. Präsident Reinhart verlangt vom Land Schleswig-Holstein bereits seit längerem, sich mit dem Semesterstart am internationalen Terminkalender orientieren zu dürfen. Die Landesregierung indes will zunächst die Zeiten von Unis und Fachhochschulen angleichen. Fürs erste werden Flensburger Uni-Studenten also weiter Mitte/Ende Juli in die Semesterferien gehen, während nördlich der Grenze Anfang August das Semester startet. Auch für die neue Europa-Uni bleibt also noch einiges zu tun.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen