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Salondampfer an der Schiffbrücke : Flensburg hat die „Alex“ zurück

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dreitägige Überführungsfahrt nach dem Kesseltausch in Husum - nach kritischen Momenten nach Bruch in der Hauptdampfleitung.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 05:43 Uhr

Die „Alex“ ist wieder zu Hause. Drei Reisetage brauchte Flensburgs dampfendes Denkmal für den Rückweg aus der Husumer Werft. Eine emotionale Reise mit emotionalen Momenten, ständiger Schlagseite – und einem Rohrbruch. Um 14.30 Uhr machte das Museumsschiff gestern wieder im Heimathafen fest – vier Monate und zwölf Tage, nachdem es Flensburg verlassen hatte, um in Husum ein neues Dampferherz zu bekommen: den neuen Hauptkessel vom Husumer Spezialisten Wulff & UMAG.

Man sah es ihm an. Für den 1. Kapitän Günter Herrmann war es eine besondere Fahrt gewesen. Ab Sonwik hatten die Menschen begonnen zu winken und zu hupen, im Flensburger Hafen stimmten die anderen Schiffe mit ihren Sirenen ein, und als die „Alexandra“ vor den Augen von ein paar Dutzend gerührt applaudierenden Flensburgern lautlos wieder in ihre Box geglitten war, hatte der Käpt’n übermütig die Zerstörersirene jubeln lassen. Die war lange still gewesen.

Auf dem kleinen Brückendeck, da, wo vor kurzem für die Kesseloperation noch ein riesiges Loch zwei Stockwerke tief gegähnt hatte, empfing Günter Herrmann die Medien zur improvisierten Pressekonferenz – und ja, die Augen schimmerten verdächtig feucht. „Das Schiff ist in Ordnung“, verkündete er. Na ja. Im Trim hat die Alex leichte Schlagseite, an Bord sieht es aus wie nach ein bis drei Piratenüberfällen, aber das wird schon. „Man muss wissen, wo wir herkommen!“ sagt der Kapitän. Da hat er recht. Das Schiff war vor einem Jahr ziemlich am Boden. Und jetzt? Neue Spanten, viel neue Außenhaut, ein neues Dampferherz, dazwischen, dabei und danach die unglaubliche Schufterei der Ehrenamtlichen, die ihre „Alex“ wohl so intensiv wie nie zuvor durch dieses schwere Jahr begleiteten. 680  000 Euro stehen für die Runderneuerung zur Verfügung – aber da ist die ehrenamtliche Arbeit für das Schiff nicht ansatzweise eingerechnet.

Jetzt blicken die Alex-Freunde nach vorn. „Das Unterwasserschiff ist in Ordnung, der Kessel ist in Ordnung – den Rest kriegen wir auch noch hin!“ Die Ziele sind ambitioniert. Am 7. Mai soll das Schiff zur ersten öffentlichen Fahrt auslaufen; am 6. Mai steht die Alexandra den institutionellen Förderern zur Verfügung, ohne die man diese zweite Rettung des Dampfers niemals hätte stemmen können.

„Diese Zeit hat uns zusammengeschweißt“, sagt Rüdiger Naggert, der Steuermann. Und die Überführungstour besonders. Denn im Kanal, bei Kudensee sechs Kilometer hinter der Brunsbütteler Schleuse, streikte die Hauptdampfleitung. „Das ist, wie wenn dir jemand auf der Autobahn den Schlüssel rauszieht“, sagt der Kapitän. „Nur, dass da kein ADAC kommt. Und es auch keinen Seitenstreifen gibt.“ Zum Glück befand sich das Schiff zu diesem Zeitpunkt in einer Kanalweiche. Dort gab es noch einen einzigen freien Dalben. „Da hast du nur einen Versuch, schlägt der fehl, landest du in der Böschung“, sagt Günter Herrmann, der mächtig stolz auf seine 15-köpfige Mannschaft ist. Erstens bekam die Crew diesen einen Dalben zu fassen, zweitens schafften es die Maschinisten, das schadhafte Teil – ein Rohrstück, in dem ein Dichtungsring gebrochen war – zu reparieren. „Sah teilweise dramatisch aus. Wir standen alle im Nebel, konnten kaum noch was sehen“, so Herrmann. Drei Stunden später aber setzte die Alex ihre Reise fort. Mit dem Kesseltausch, betont der Kapitän, habe das übrigens nichts zu tun. „Das wäre uns sonst auch passiert. Ist aber schon schön, wenn man Leute dabei hat, die so ein Malheur mit Bordmitteln beheben können.“

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