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Ampelschaltungen : Flensburg: Grüne Welle in der Nacht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vorfahrt für die Hauptverkehrsstraßen: Ab 21 Uhr werden viele Ampeln in Flensburg abgeschaltet. Die Polizei beobachtet das Unfallgeschehen.

Flensburg | Um kurz vor 21 Uhr ist am Förde-Park nur noch wenig los. Die meisten Geschäfte haben geschlossen, nur ein Supermarkt ist noch für eine Stunde geöffnet. Das ist wohl auch der Grund, warum noch immer noch zahlreiche Autos auf dem riesigen Parkplatz verteilt stehen und etwa im Minutentakt Fahrzeuge vom Förde-Park über die große Kreuzung auf die Schleswiger Straße fahren – und umgekehrt. Zwei Minuten nach neun ist es dann so weit: Die Ampel schaltet von Grün auf gelb blinkendes Warnlicht um. Die Ampelanlage an der Kreuzung ist zur Nachtschaltung gewechselt, jetzt müssen die Autofahrer, die auf die Schleswiger Straße abbiegen, aufmerksam sein.

An genau dieser Stelle um genau diese Zeit sind kürzlich zwei Autos zusammengestoßen. Das Ergebnis: Vier verletzte Menschen, einer davon schwer, sowie zwei Autos mit Totalschaden. Heute Abend bleiben die meisten vorsichtig. Aber es gibt auch Ausnahmen: Ein Fahrer muss zurücksetzen, weil er zu schnell über die Haltelinie gefahren ist und den Gegenverkehr zu spät gesehen hat.

Stellt sich die Frage, ob es richtig ist, dass die Ampelanlage an dieser Stelle nachts abgestellt wird. Polizeisprecher Markus Langenkämper sagt ja – an dieser Stelle sei der Polizei keine Häufung von Unfällen bekannt – „zumindest nicht nachts, am Förde-Park ist dann ja nichts los.“ Es habe sich vielmehr um ein einmaliges Fehlverhalten des Fahrers gehandelt. Nach Auskunft von Ralf Leese vom Technischen Betriebszentrum (TBZ) ist nach 21 Uhr der Großteil der Ampeln in Flensburg abgeschaltet. Autos, die aus den Nebenstraßen kommen, werden dann durch ein gelbes Blinklicht gewarnt. „Dabei geht es ausschließlich darum, den Verkehrsfluss zu verbessern“, sagt Leese. Energiespargründe spielten dagegen keine Rolle. Ob eine Ampel nachts abgeschaltet werde oder nicht, hänge von der Straßenverkehrsbehörde ab, die jede Abschaltung anordnen muss.

Aber nicht alle Ampeln werden nachts abgeschaltet. Wenn an einer Kreuzung die Gefahr eines Unfalls durch eine schlechte Einsehbarkeit oder großes Verkehrsaufkommen besonders hoch ist, bleiben die Anlagen eingeschaltet. Das ist beispielsweise an der Osttangente der Fall: Die Fahrer auf der Umgehungsstraße haben die ganze Zeit über Grünlicht – außer, wenn jemand von einer einmündenden Straße auf die Osttangente abbiegen will, dann müssen auch die Autos auf der Hauptstraße warten. Eine Viertelstunde nach 21 Uhr merkt man von dieser Regelung noch nichts – auf der Osttangente ist so viel los, dass ständig Autofahrer von den Nebenstraßen kommen.

Im Innenstadtbereich, zwischen Süderhofenden bis Neumarkt, sind die meisten Ampeln zum Schutz der Fußgänger auch nachts in Betrieb, gerade an den Ampelanlagen am ZOB wollen immer wieder Nachtschwärmer die Straße überqueren. Dagegen ist die Kreuzung Mozartstraße-Engelsbyer Straße wie ausgestorben. Sie liegt in einem Wohngebiet, ist aber mit der Ampelanlage an der nahen Osttangente zusammengeschaltet und bleibt deshalb die ganze Nacht über in Betrieb.

Dass die Behörden gefährliche Bereiche durchaus im Blick behalten, zeigt das Beispiel des Citti-Parks. Hier wurde die Ampelanlage vor einiger Zeit nachts ausgeschaltet, aber als sich kurz danach die Unfälle an dieser Stelle häuften, wurde die Ampel auch nach 21 Uhr wieder eingeschaltet. „Zu viele Autofahrer hatten das blinkende Licht ignoriert und waren mit hoher Geschwindigkeit über die Kreuzung gefahren“, erzählt Leese.

Wie viele Unfälle sich an welcher Stelle in Flensburg ereignen, hält die Polizei in einer Statistik fest. Wenn sich in Zukunft die Unfälle am Förde-Park oder an einer anderen Kreuzung nachts häufen sollten oder Bürger die Abschaltung einer Ampel fordern würden, würde sich eine Unfallkommission, der neben der Polizei auch die Verkehrsbehörde und der Straßenbauträger angehören, mit der Problematik befassen. Derzeit gibt es laut Leese in Flensburg aber keine solche Situation; auch Polizeisprecher Langenkämper stellt klar, dass die Statistiken zeigten: Abgeschaltete Ampeln stellen kein Unfallrisiko dar.

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erstellt am 04.Nov.2014 | 18:09 Uhr

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