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Aufatmen auf der Werft : Flensburg: FSG fährt gestärkt aus der Krise

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Plötzlich Weltmarktführer-Tochter: Nach dem Kauf durch Siem-Industries sehen die Flensburger Schiffbauer wieder glänzende Perspektiven.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2014 | 17:15 Uhr

Flensburg | Ja, das kann passieren. Auch mit vollen Auftragsbüchern und tollen Produkten kann ein Weltmarktführer in eine existenzielle Krise geraten. Und, ja, auch das gibt es. Dass, wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, einer kommt, der die Dinge nicht nur heilt, sondern die Krise in eine hervorragende Startposition wandelt. Beides ist der Flensburger Schiffbau Gesellschaft widerfahren.

Das Flensburger Traditionsunternehmen ist seit Beginn des Monats Teil der norwegischen Siem-Industries – eine weltweit operierende Holding, die veritable Beteiligungen in den Offshore-Schlüsselindustrien unterhält. Unterwasserbergbau und- exploration von Rohstoffvorkommen nebst Ingenieurs-Know-How und vor allem dem dafür erforderlichen Fuhrpark (über 40 Spezialschiffe) sind das wohl spannendste Betätigungsfeld. Daneben gibt es zwei Reedereien (40 Kühlschiffe und Autotransporter) und noch ein bisschen mehr. Das Eigenkapital lag Ende 2013 bei 2,2 Milliarden US-Dollar. Kein Wunder also, dass die Erleichterung an der Batteriestraße greifbar ist. Zwei Jahre lang rackerten die Flensburger, um ein Bein in den Offshore-Markt zu bekommen. Und plötzlich sind sie Teil des Marktführers. „Siem war für uns ein Lotto-Sechser. Mit Zusatzzahl“, schwärmt FSG-Geschäftsführer Peter Sierk. Mit dieser starken Mutter im Rücken wird er wohl kein zweites Mal mehr bei unwilligen Banken um eine lebenswichtige Überbrückungsfinanzierung betteln müssen.

Eystein Eriksrud ist überzeugt, das Richtige getan zu haben. Der 44-Jährige ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Siem Industries – und als Auftraggeber für den Bau von zwei Offshore-Schiffen auch Kunde. „Glauben Sie mir, wir können Werften schon ein bisschen beurteilen“, sagt der smarte Norweger. „Die Leute hier machen einen fantastischen Job. Die FSG ist eine gute Werft. Auf keinen Fall eine Werft, die es verdient hätte, vom Markt zu verschwinden.“ Das sieht nicht nur der global Player Siem so, dass sieht auch der (teilweise) konkurrierende global Player Western Geco so, der zwei Spezialschiffe in Flensburg orderte und eines seit Sommer im Betrieb hat. Eriksrud: „Sie sagten uns, die Amazon Warrior sei das beste Schiff, das sie je hatten.“

Die Flensburger wissen: Das alles ist nichts wert, wenn jetzt die Wende nicht gelingt. Die Ursachen für die Krise sind hinreichend analysiert. „Den vierten und den fünften Prototypen in zwei Jahren hat unsere Struktur nicht mehr verkraftet“, räumt Sierk ein. Und neue Strukturen werden mit den Norwegern kommen. Das betrifft auch die FSG-Doppelspitze Peter Sierk und Frank Bywater. Beide Geschäftsführer werden, so Eriksrud, mit einem schnellen und aktiven Aufsichtsrat an der Umstrukturierung des Unternehmens arbeiten. „Der erste Schritt ist gemacht. Wir haben die FSG finanziell stabilisiert. Jetzt müssen wir so schnell wie möglich zur Normalität zurück.“

Das übrigens mit einer unveränderten Mannschaft. Es gibt keine Entlassungen. Firmenchef Kristian Siem sei es sehr wichtig gewesen, die Beschäftigten hinter dem Projekt zu wissen. Vor der Unterschrift habe ein Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden Ralf Sasse gestanden, sagt Eriksrud. Der habe Siem die volle Unterstützung der Belegschaft garantiert – eine unerlässliche Voraussetzung für die Kaufentscheidung. Das drückt sich in einer Vereinbarung als Zusatz zum Tarifvertrag aus. Abweichungen vom Bau-Budget werden künftig zwischen Belegschaft und Unternehmen je zur Hälfte geteilt – bei Unterschreitung ebenso wie bei Überschreitung. Eriksrud wird das bald aus der Nähe verfolgen können. Die neue Vereinbarung gilt ab dem nächsten Schiff, und das nächste Schiff entsteht auf Rechnung der Siem-Tochter Subsea7. Am 8. Dezember wird beim „Anbrennen“ die erste Stahlplatte geschnitten.

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