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Teurer Leerstand : Flensburg: Flüchtlingsheim steht leer, wird aber bewacht

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Leere Asylbewerberunterkunft mit 140 Plätzen wird seit einem Jahr bewacht – und hat schon fast 750.000 Euro verschlungen.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2016 | 07:18 Uhr

Es lässt sich gar nicht so genau sagen, seit wann die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Kanzleistraße genau bezugsfertig ist. Sicher ist: Von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht wird der dunkle Containerkomplex auf dem früheren Sportplatz der Löhmannschule bereits seit Dezember 2015. Wir feiern dieser Tage also den ersten Jahrestag der Bewachung der Container, die die Stadt auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst noch auf dem dänischen Markt ergattern konnte. Kritik an der Entscheidung von damals gibt es nicht: Keiner konnte seinerzeit wissen, wie viele Asylbewerber nach Flensburg kommen würden.

Klar ist aber auch: Bezogen ist die Unterkunft bis heute nicht. Weil die Flüchtlingskarawane durch Europa seit dem Frühjahr weitgehend abgerissen ist, wird sie für Asylbewerber derzeit und in naher Zukunft nicht gebraucht. Obwohl die Stadt gerade die Unterkünfte Schloßstraße und Reitbahn geschlossen hat und die letzten Bewohner vom Dammhof ab Donnerstag aus dem Johannisviertel ausziehen, gibt es noch insgesamt mehr als 800 freie Plätze in den Unterkünften Friedensweg, Graf-Zeppelin-Straße und bis zum kommenden Herbst auch auf der Exe.

Zunehmenden Druck auf dem Wohnungsmarkt, Engpässe und Wohnungsnot gibt es in der Stadt aber dennoch – allemal zum Beginn des Wintersemesters vor wenigen Wochen, als mehr als 2500 neue Studenten auf den Campus Sandberg kamen. Die leerstehende Unterkunft Kanzleistraße, einen Steinwurf vom Hochschulgelände entfernt, ist dabei bereits ins Visier von Uni-Kanzler und Hochschul-Kanzlerin geraten. Es gab wohl auch bereits Gespräche mit Bürgermeister Henning Brüggemann, bislang aber ohne Ergebnis. Die schwarzen Container mit dem weißen Gemeinschaftshaus südlich der Turnhalle an der Kanzleistraße gelten nach deutschem Baurecht nämlich nicht als Wohnungen: „Wir haben hier einen Sonderbereich ohne Bebauungsplan, der nur als Flüchtlingsunterkunft genehmigt ist“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Hier dürfen nur Flüchtlinge untergebracht werden. Wollte man hier aus den Räumen für 140 Geflohene etwa 70 für Studenten machen, müsste man hier erstmal den B-Plan ändern. „Und das dauert“, sagt der Stadtsprecher.

Nicht sagen möchten er und Immobilienchef Michael Draeger, was die leerstehenden Gebäude die Stadt bereits in diesem Jahr kosten. „Einen sechsstelligen Betrag“, hieß es in einer früheren Anfrage. Jetzt verweist Draeger auf privatwirtschaftliche Verträge und will gar keinen Kommentar mehr abgeben. Dabei fließt in das privatwirtschaftliche Vertragswerk öffentliches Geld der Steuerzahler. Nach Tageblatt-Informationen summieren sich die Kosten 2016 allein bei der Rund-um-die-Uhr-Bewachung auf 160  000 Euro und für die Miete der Containerelemente an den dänischen Vertragspartner 560  000 Euro. Das macht – ganz ohne Energiekosten – für 2016 fast schon eine Dreiviertelmillion Euro.

„Natürlich sind wir bemüht, eine vernünftige Lösung zu finden“, sagt Stadtsprecher Teschendorf. Die Frage sei jedoch, ob der Komplex für studentisches Wohnen geeignet sei. „Der Leerstand über lange Zeit ist nicht beabsichtigt und nicht gewünscht.“

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