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Um 20.30 Uhr in die Kita : Flensburg: Erster Nacht-Kindergarten in SH eröffnet

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fünf Kinder von Mitarbeitern können jetzt im Kapernaum der Diako übernachten, die sich auch für andere Unternehmen öffnen will.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 07:58 Uhr

Flensburg | Noch ein schneller Kuss von Mama Wiebke – und dann geht es auch schon ins Bett für Skady-Lee Rüdig (10) und ihre Schwester Lucy-Mae (6). Alles eigentlich wie immer – doch die Nacht verbringen die beiden im ersten Nachtkindergarten Schleswig-Holsteins, der Kita Kapernaum der Diako in Flensburg. „Drei bis fünf Mal im Monat habe ich Nachtschicht, da musste ich die Kinder sonst von den Großeltern oder Babysittern betreuen lassen“, sagt die alleinerziehende Wiebke Rüdig, die als Schwester in der Diako arbeitet. „Ich hätte mir das Angebot schon früher gewünscht, das ist eine riesige Erleichterung für mich.“

Die Zahl der Menschen, die am Tag schlafen und nachts arbeiten, ob Ärzte, Rettungssanitäter, Busfahrer, Polizisten, Kellner oder Köche nimmt bundesweit zu – damit steigt auch der Bedarf an Nachtkindergärten – zumindest in größeren Städten.

Sie bringt die Mädchen vor ihrer Schicht um 20.30 Uhr in die Kita, am nächsten Morgen gehen sie von dort in die Schule, da holt sie die dann ausgeschlafene Mutter am Mittag wieder ab.

Zunächst gibt es von Montag bis Donnerstag fünf Plätze für den Nachtbetrieb, davon sind vier belegt. Die Diako hat dafür eine neue Erzieherin eingestellt, sie wird von einer Kollegin unterstützt, die sonst im Tagesbetrieb tätig war – dazu kommen zwei weitere Mitarbeiterinnen. „Es gab überhaupt keine Probleme, jemanden für den Nachtbetrieb zu finden“, sagt Kita-Leiterin Christiane Johannsen.

Die Kinder dürfen höchstens 50 Stunden in der Woche in der Kita bleiben – bislang sind die Nachtplätze nur nächteweise vergeben. „Wir kennen die Kinder und Familien und wissen genau, wann und auf welcher Station die Eltern Nachtdienst haben – von einem Abschieben kann also keine Rede sein“, meint die Kita-Leiterin. Zudem regele die Pflegedienstleitung die Dienstpläne der Eltern die Betreuung brauchen so, dass es maximal zwei Nachtschichten pro Woche gebe.

Auch bei anderen Trägern im Land gibt es laut Sozialministerium in Kiel Überlegungen für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. In Schwerin gibt es gleich zwei 24-Stunden-Kitas, die beide Wartelisten haben. In Rostock blockiert der Sozialsenator jedoch die Gründung einer 24-Stunden-Kita unter anderem damit, weil er Bedenken hat, sie könne Eltern und Kommune finanziell zu stark belasten.

In Flensburg zahlt Wiebke Rüdig nicht mehr als für die Tagesbetreuung – für die Diako sei die Nachtbetreuung Service für die Mitarbeiter, sagt Kita-Leiterin Christiane Johannsen. Sie hofft, dass der Bund das Projekt noch fördert. Auch für Kinder anderer Schichtarbeiter sei die Kita offen. Im Tagesbetrieb kommen schon jetzt 40 Prozent der Kinder „von außen“. Bei freien Kapazitäten könnten auch Mitarbeiter von Polizei und Berufsfeuerwehr ihre Kinder in die Nachtbetreuung geben – wenn sie schon tagsüber in der Diako-Kita betreut werden.

Folgen andere Kitas dem Flensburger Beispiel? Die Kita Adelby 1 hat auch schon extra lange Öffnungszeiten, einen Nachtbetrieb gibt es aber mangels Nachfrage noch nicht. Und viele Unternehmen in Schleswig-Holstein sehen den Bedarf für eine 24-Stunden-Kita nur in Städten mit produzierendem Gewerbe mit Schicht-Betrieb, sagt der Sprecher der Unternehmensverbände Nord, Sebastian Schulze. Allerdings buchten immer mehr Firmen Kontingente in Kitas, falls den Mitarbeitern im Notfall mal die Betreuung fehle. Schulze: „Damit wollen Unternehmen auch Mitarbeiter werben – das ist ein Modell der Zukunft.“

Die Zukunft in der Kita Kapernaum hat für Skady-Lee Rüdig und ihre Schwester Lucy-Mae schon begonnen. „Wir werden hier gut schlafen“, sagt Skady-Lee. Denn schließlich hat sie doch noch zwei Vertraute dabei: die Kuscheltiere Bella und Schnuffi.

Was halten Sie von einer Nacht-Kita?

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