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Umgestaltung am Ostufer : Flensburg erfindet seinen Hafen neu

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Silo-Komplex am Ostufer soll umgestaltet werden. Die Parteien finden dazu einen Kompromiss und fassen einen einstimmigen Beschluss.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2014 | 11:50 Uhr

Flensburg | Es dürfte das herausragende städtebauliche Projekt des zweiten Jahrzehnts in Flensburg werden: Die Stadt macht sich auf den Weg, einen großen Teil des Hafen-Ostufers völlig neu zu gestalten. In großer Einmütigkeit sind die Fraktionen der Ratsversammlung auf einen gemeinsamen Weg eingeschwenkt, der den gewählten Organen und den Bürgern größtmögliche Kontrolle über das Projekt gewähren soll.

Es geht um den gesamten Bereich vom Werftkontor bis zum Zaun des Sicherheitsbereichs. Der langjährige Pächter der Silo-Anlagen hat die Stadt wissen lassen, dass man die Nutzung aufgeben werde und sich eine völlig neue Entwicklung des Areals vorstellen könne; die würde man gern zusammen mit der Firma Bauplan Nord auf den Weg bringen (wir berichteten). Davon ist in dem jetzt gefassten Beschluss, der noch am 4. Dezember von der Ratsversammlung bestätigt werden muss, keine Rede mehr.

Stattdessen geht die Politik das Thema breit und fundiert an. Zunächst sollen Planungsziele definiert werden: Was wollen wir am Hafen-Ostufer eigentlich haben? Wohnbebauung, Gewerbe, Hotel, Freizeiteinrichtungen, Marina? Welche Rolle spielt in Zukunft noch der klassische Wirtschaftshafen? Braucht die Stadt noch den Gleisanschluss am Ostufer oder kann der endgültig aufgegeben werden? Darf das zu entwickelnde Grundstück an wen auch immer verkauft werden oder kommt wieder nur eine langfristige Erbpacht in Frage? Bei der Klärung all dieser Fragen sollen die Bürger von Beginn an gehört und beteiligt werden; entscheiden soll jeweils immer die Ratsversammlung.

Parallel dazu müsse die Verwaltung den Bestand analysieren: baulicher Zustand, Restwert, Denkmalschutz, Zustand der Kaimauer, Grundstücks- und Erbpachtfragen, Eigentumsverhältnisse, Ausstiegsklauseln. Die letzten Punkte könnten heikel und spannend werden. Denn der Pächter, das dänische Unternehmen DLG und seine deutsche Tochter HaGe, hat einen bis 2034 datierten Pachtvertrag und deutlich gemacht, dass er mit dem frühen Ausstieg eine Abfindung erwartet – und zwar in Millionenhöhe.

Oberbürgermeister Simon Faber wies in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses darauf hin, dass sich die dänische Stadt Aalborg mit ganz ähnlichen Fragen beschäftigt und man im Sommer 2015 dorthin fahren könne, um sich zu informieren. Vertreter nahezu aller Fraktionen signalisierten Zustimmung zu der gemeinsam erarbeiteten Vorlage. „So sieht ein Kompromiss aus: Jeder hat etwas verloren“, sagte Axel Kohrt (SPD). Auch Glenn Dierking (SSW) räumte ein, dass es Dinge gebe, „die uns nicht gefallen“. Positiv überrascht zeigte sich Frank Hamann (Die Linke): „Da ist viel drin von dem, was wir schon immer gefordert haben.“ Der Beschluss war einstimmig.

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