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Last-Minute-Straßensanierung : Flensburg - eine Stadt im Verkehrschaos

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Autos stauen sich vom Deutschen Haus bis zum Campus, Busse können Fahrpläne nicht halten: Wer auf Flensburgs Straßen unterwegs ist, braucht momentan gute Nerven.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Flensburg | Die wenigsten Flensburger dürften die radikale Entschleunigung des städtischen Verkehrs als wirklich entspannend empfinden. Seit zehn Tagen geht es auf den wichtigsten Straßen der Stadt mit sehr viel Stop und ganz wenig Go voran. Speziell die Vollsperrung der Osttangente in Richtung Süden ab Hochfeld zeigt verheerende Wirkung. Der Verkehr im Zentrum kam (und kommt) zeitweilig total zum Erliegen.

Das betrifft aktuell besonders die Straße Munketoft, die den gesamten Richtung Süden führenden Tangentenverkehr über Mühlendamm und Bahnhofstraße in die Innenstadt umleitet. Der Rückstau reichte zwischenzeitlich vom Deutschen Haus bis zur Campushalle. „In normalen Zeiten benötigen unsere Linienbusse für diesen Abschnitt maximal sieben Minuten“, sagt Manfred Schlotfeld, Fahrdienstleiter der Aktivbus. „In den letzten Tagen waren es mindestens 30 Minuten.“

Man kann in diesen Zeiten durchaus noch weniger weit kommen. Ein Autofahrer (VW Tiguan) berichtete entnervt am Telefon, dass er für nicht mal 500 Meter zwischen Volksbad und Schifffahrtsmuseum 25 Minuten benötigte. Damit bestätigte der Mann übrigens, was Schlotfeld als gesammelte Erkenntnis sämtlicher Linien durchgibt: „Das städtische Straßennetz ist ganztägig im kritischen Bereich. Alles, was von der Osttangente abfährt, findet sich irgendwo in der Innenstadt wieder.“ Schlotfeld ließ seine Busse am Ende nicht mehr die große Runde über die Munketoft drehen. „Am Ende hätten alle im Stau gestanden. Wir bedienen den Campus mit Behelfsbussen vom Zob aus.“

Das Chaos liegt nicht ausschließlich an der Osttangente. Das liegt auch an den kommunalen Baustellen, die momentan durch das Technische Betriebszentrum abgearbeitet werden, 17 an der Zahl – Tendenz sinkend. „Miles Engels vom Technischen Betriebszentrum meldete gestern die Schleswiger Straße wieder einsatzbereit – neben der Husumer Straße die wichtigste Verkehrsachse, die den im nächsten Bauabschnitt der Osttangente zu erwartenden Überlauf aufnehmen kann. „Wenn das Wetter mitspielt, wird die Husumer Straße heute asphaltiert und kann spätestens Freitag freigegeben werden.“

Von der Freigabe ist die Osttangente noch ein ganzes Stück entfernt. Der hier zuständige Landesbetrieb Verkehr hatte die Dauer der Straßensanierung ursprünglich auf die Herbstferien befristet, entschied sich dann aber neu. Das knappe Zeitfenster hätte eine komplette Stilllegung der Kreuzung Osttangente/Eckernförder Landstraße bedeutet. Die zeitliche Entzerrung auf drei Wochen aber habe ermöglicht, dass die Kreuzung in jeder Bauphase wenigstens teilweise genutzt werden konnte, sagt Stefanie Bergner, Bereichsleiterin Straßen des LB-SH. Sie geht davon aus, dass die Tangente wie geplant am 25. Oktober wieder ans Straßennetz gehen kann. „Dann hält die Straße auch wieder für lange Zeit“, verspricht sie. „Zwölf Jahre. Jedenfalls theoretisch.“ Mit den starken Verkehrsbehinderungen hatte man beim Landesbetrieb nicht gerechnet. „Wir hatten das ja schon rechtzeitig angekündigt“, so Bergner. „Dass es so schlimm wurde, liegt auch an den städtischen Baustellen.“

Womit sich die Frage stellt, warum sich alles in den Herbstferien ballen musste. Die Stadt spielt den Ball der Landesregierung zu. „Wir hätten gerne mehr Spielraum, aber wir sind vom Bewilligungsbescheid abhängig“, sagt Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadt Flensburg. „Und die Bewilligung beispielsweise für die Sanierungsmaßnahme Schleswiger Straße, kam erst zwei Wochen vor den Herbstferien.“ Da widerspricht das Wirtschaftsministerium prompt. „Wir lassen uns nicht zum Buhmann machen“, sagt Harald Haase, Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Flensburg habe alle Zeit der Welt gehabt, nämlich seit April dieses Jahres. Am 15. April sei die Stadt über die Aufnahme in das Förderprogramm Deckenerneuerungen 2013 unterrichtet worden, sagt Haase. „Da hätte die Stadt schon loslegen können, oder glauben die Flensburger etwa, wir ziehen gegebene Zusagen im August zurück?“

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