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„Stadtrose“ : Flensburg – eine Stadt im Aufbruch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Welche Geheimnisse auf die Rückseite des historischen Werbemittels „Stadtrose“ verborgen sind

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 18:03 Uhr

Ein Flensburger Sammler sprach die frühere Leiterin des Flensburger Schifffahrtsmuseums, Jutta Glüsing, wegen eines seltenen Fundstücks aus seiner Sammlung an. Von der Stadtrose hatte sie zwar gehört, allerdings noch nie eine in Händen gehalten. In einer kleinen Serie für das Tageblatt stellt Jutta Glüsing die Flensburger Stadtrose und ihre Bestandteile vor.

 

Auch die Rückseite dieser Stadt-Rose weist viele briefmarkengroße Ansichten Flensburgs und seiner Umgebung auf. Wie bei dem Deckblatt ist eine Durchmischung älterer Gebäude und von Neubauten bzw. Umbauten zu erkennen, wenn man dafür die historische Zäsur von 1850 ansetzt und damit den Blick auf die Regierungszeit des dänischen Königs Friedrich VII. von 1848 bis 1863 lenken will.

Bereits seine Vorgänger haben Flensburger Einrichtungen unterstützt, indem sie den Forderungen des Magistrats nachkamen. So entstand nach vielen Diskussionen ab 1810 der Alte Friedhof, heute ein Ort von hoher historischer Bedeutung. Auch die Kapelle „in einem einfach antiken Geschmacke“ ist ein Werk des dänischen Architekten Axel Bundsen (1768-1832). Heute ein viel beachtetes Baudenkmal des Klassizismus’ in Schleswig-Holstein.

Zwei weitere Gebäude veranschaulichen den wirtschaftlichen Wiederaufschwung nach den Napoleonischen Kriegen. Kaufmannschaft und Reeder setzten sich erneut für den traditionsreichen Westindienhandel ein. Die Stadt wurde wieder „zu einem Marktplatz für Kolonialwaren, wie man außer Hamburg einen solchen damals in weitem Umkreise nicht fand“. Ein größeres Zoll-Packhaus musste ab 1842 gebaut werden. Noch heute liegt es an der Schiffbrücke und wird seit 1984 als Schifffahrtsmuseum genutzt. Die Entwürfe lieferte der aus Kopenhagen stammende königliche Bauinspektor Wilh. Friedr. Meyer (1799-1866) mit Sitz in Schleswig.

Zur selben Zeit, 1844, bekam Flensburg auf eigenen Wunsch ein dänisches Geldinstitut, eine Filiale der Dänischen Nationalbank in Kopenhagen. Sie übernahm ein Gebäude in der Großen Straße (Nr. 2). Es beherbergt heute die Union-Bank.

Die Stadt besaß wieder eine gewisse Strahlkraft, die nicht wenige Besucher anzog wie – kurz vor dem Ausbruch des Krieges 1848 – einen Rechtsanwalt aus Altona: „Flensburg ist eigentlich die selbständigste Handelsstadt des Landes, deren kräftiges Geschäft kaum von Altona erreicht wird; die 16 000 Einwohner besitzen 150 größere Seeschiffe, worunter allein circa 30 Westindienfahrer … Alles trägt hier den Stempel des gesunden Wohlstandes, der reellsten Kapitalkraft und der Handelsaristokratie …“ Man erfreute sich eines „Handelsverkehrs, der wesentlich von Dänemark abhängig ist“. … Doch „dänisch reden hörte man fast gar nicht“. Die Jahre der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848-1850) ließen alles zusammenbrechen. Wenig prächtig die Schiffbrücke, sie begann eine „Viehweide“ zu werden.

Mit Beendigung der Erhebung ernannte der dänische König Friedrich VII. das loyale Flensburg zur Hauptstadt des Herzogtums Schleswig mit eigenem Regierungssitz.

Wichtige Behörden mussten von der Schlei an die Förde umziehen. Zu ihnen gehörten die Justiz und das Militär. Ab 1854 residierte auch der Bischof in Flensburg; und der 1. Bürgermeister bekam den Titel eines Oberpräsidenten.

Fehlende Infrastrukturen, immer wieder diskutiert, wurden nun realisiert. Flensburg erhielt seinen ersten Bahnhof. Ein Gaswerk sollte von nun an für eine zuverlässige Beleuchtung der Straßen sorgen. An allen diesen Plänen war die Stadt Flensburg beteiligt und verschuldete sich bereits in den ersten Jahren. Doch auch Schulbauten und Kasernen gehörten zu den dringlichsten Aufgaben.

Auf Grund der neuen politischen Umstände erwartete die Administration einen Zuzug von Neubürgern, auch aus dem dänischen Königreich, vor allem Beamte und Offiziere und andere Führungskräfte. Eine neue Zeit begann für Flensburg, die sich schon bald an einem veränderten Stadtbild ablesen ließ.
Zwei aus Kopenhagen stammende Architekten, Gottlieb Bindesbøll (1800-1856) und Laurits Albert Winstrup (1815-1889) übernahmen ab 1851 die wichtigsten Bauaufgaben, die Politik und Kommerz zu vergeben hatten.

Beide hatten nach ihrer Ausbildung in Kopenhagen Europa, vor allem Italien und Griechenland bereist. Bindesbøll hatte das große Glück, die Entwürfe für das Thorvaldsen-Museum zu liefern. Danach war er für eine kurze Zeitspanne als königlicher Bauinspektor für Holstein mit Amtssitz in Altona tätig. Der Krieg zwang ihn zurück in die dänische Metropole, wo er ab 1851 das höchste Amt als Bauinspektor von Kopenhagen inne hatte.

Der Flensburger Magistrat, mit dem Segen Friedrichs VII. ausgestattet („Sagen Sie Ihren Mitbürgern, dass ich Ihrer Stadt so viel Gutes tun werde, wie ich nur immer kann“), holte Bindesbøll 1851 nach Flensburg, um das alte, für die neuen Aufgaben zu kleine Rathaus durch einen repräsentativen Neubau zu ersetzen. Doch keiner seiner Entwürfe kam zur Ausführung. Die Stadt hatte sich bereits hoch verschuldet. Dennoch kam es damals zu einem Großauftrag für Bindesbøll. Das erste Bahnhofsgebäude in dieser Fördestadt trägt seine Handschrift.

L. A. Winstrup hielt sich gerade in Rom auf, als ihn 1851 der Ruf erreichte, das Amt des ersten Stadtbaumeisters Flensburgs zu übernehmen. Ein breit gefächertes Aufgabenfeld sollte ihn bis zu seinem Umzug 1860 nach Kolding hier vor Ort beschäftigen. Sein vorerst wichtigster Auftrag war es, den neuen Regierungssitz auf dem Holm zu gestalten.


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