Einsatz an der Schiffbrücke : Flensburg: Ehepaar rettet Frau vor dem Ertrinken

dpa_149710003acba789

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats stürzt eine Person ins Hafenbecken – und überlebt mit viel Glück.

23-2252996_23-102952878_1542293385.JPG von
12. Dezember 2017, 06:11 Uhr

Hätten sie ein Taxi genommen, anstatt zu Fuß zu laufen, wäre eine junge Frau vermutlich ertrunken. Gabriela und Jörg S. trafen die richtige Entscheidung. Das sollten die folgenden nervenaufreibenden Minuten zeigen. Völlig unvermittelt wurden sie zu Lebensrettern. Ihren vollen Namen möchten die beiden nicht öffentlich machen. „Wir wollen keinen Wirbel um unsere Person“, sagen sie unisono, „das ist völlig nebensächlich.“

Die Nacht auf den Sonnabend wird das Ehepaar nicht vergessen. Nicht wegen der kleinen Feier mit Freunden auf Jürgensby, sondern aufgrund eines Vorfalls, der ihnen eine tragende Rolle zugedacht hat. Als sie gegen drei Uhr nachts die Hafenspitze erreichen, hören sie plötzlich „hysterische Schreie“ nur wenige Meter entfernt. Als sie näher kommen, offenbart sich die Dramatik der Situation. Eine Frau ist in Höhe des Restaurants El Greco an der Schiffbrücke ins Hafenbecken gestürzt, eine Freundin hält verzweifelt ihre Hand, doch beide sind, wie sich später herausstellt, schwer alkoholisiert. „Sie drohte zu ertrinken, klammerte sich mit letzter Kraft an einen Balken des Bohlwerks“, schildert Jörg S. das Szenario. „Immer wieder verlor sie das Bewusstsein und drohte unterzugehen.“

Der Mann packt zu. Legt sich auf den Bauch und versucht zusammen mit seiner Frau, den Körper der Ertrinkenden gut einen Meter unterhalb der Kaikante aus dem eiskalten Wasser zu ziehen. Die Freundin assistiert, so gut es eben geht. Ein schwieriges Unterfangen. Algenbewuchs auf den Holzbohlen und Feuchtigkeit erschweren die Aktion.

Weitere Helfer sind weit und breit nicht in Sicht. „Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Anstrengung das kostet“, sagt Gabriela S. „Zwischendurch haben wir gedacht, wir schaffen es nicht!“

Doch schließlich gelingt es mit vereinten Kräften, die Frau an Land zu ziehen und in die stabile Seitenlage zu bringen. Ein Schwall Wasser ergießt sich auf das Pflaster, doch die Frau ist kaum ansprechbar. „Sie war Anfang 20 und so gekleidet, als würde sie direkt von einer Party kommen“, sagt Jörg S. Niemand hat ein Handy dabei, um Unterstützung anzufordern. Doch es naht eine weitere glückliche Fügung. Zwei junge Männer eilen herbei, die unverzüglich den Notruf 110 wählen. Es ist inzwischen 3.10 Uhr. Wenige Minuten später ist die Polizei da, ebenso ein Rettungswagen. „Es kam uns vor wie eine halbe Stunde, doch wir hatten jedes Zeitgefühl verloren“, sagen die couragierten Retter.

Die Sanitäter kümmern sich um die unterkühlte Frau und bringen sie in die Ambulanz der Diako. „Die Polizeibeamten haben sich bei uns bedankt und uns dann ’entlassen’“, sagt Jörg S. Und fragt sich, wie die Nachtschwärmerin wohl derart hilflos ins Wasser fallen konnte.

„Fremdeinwirkung war es nach dem bisherigen Ermittlungsstand nicht“, sagte Polizeisprecherin Sandra Otte gestern auf Tageblatt-Nachfrage. Sie bestätigte, dass die Frau reichlich angetrunken gewesen sei. „Sie konnte keinerlei Angaben zur Sache machen.“

Erst vor vier Wochen war ein 46-Jähriger an fast gleicher Stelle zur fast gleichen Uhrzeit in die Förde gefallen. Er konnte dank des Einsatzes eines 19-jährigen Ersthelfers und eines herbeigerufenen Polizisten ebenfalls gerettet werden.

Nach Informationen unserer Zeitung wurde die Frau am fraglichen Freitag 22 Jahre alt. Pünktlich zu ihrem Geburtstag waren offensichtlich zwei Schutzengel eingeflogen. „Wir glauben daran“, hoffen Gabriela und Jörg S., „dass sie alles gut überstanden hat.“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

 
zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert