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Ratsversammlung : Flensburg dreht das Bahn-Karussell

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Rat beschließt Gutachten zur Zukunft der Bahnstruktur in der Region / Deutsch-dänische Kooperation für schnellere Verbindungen nach Hamburg

Das Projekt einer anderen künftigen Bahnstruktur für Flensburg in der Region ist wieder unterwegs – ohne die SPD, deren Fraktionsvorsitzender Helmut Trost ankündigte, nicht mitreisen zu wollen. Nach einer sehr lebhaften Diskussion beschloss die auf dem Campus tagende Ratsversammlung gestern Abend, Flensburg an den Zug von 17 südjütländischen Gemeinden anzuhängen, die eine deutlisch schnellere Trasse zwischen Aarhus und Hamburg wollen.

Mit den Stimmen von CDU, SSW, Linke, FDP und WiF soll eine neue Expertise in Auftrag gegeben werden, die ergänzend zu einem zu Beginn des Jahres vorgestellten dänischen Gutachten spezifische Flensburger Fragen aufklärt: Welche Auswirkung hätte der Aufbau eines Fernbahnhofs in Weiche für bestehende Bahnverkehre; gibt es alternative Standorte dafür; ist eine Reaktivierung der Bahnstrecke Flensburg Niebüll bis Westerland wirtschaftlich darstellbar; wie sind in diesem Zusammenhang die Anbindungen des bestehenden Bahnhofs zu bewerten? Oberbürgermeister Simon Faber hatte seine dänischen Kontakte intensiv genutzt. Das Interesse der Nachbarn an einer Schnelltrasse sei groß. So groß, dass eine finanzielle Beteiligung an dem Gutachten signalisiert worden sei. Immerhin ging es auch um die Frage, ob Weiche als deutsch-dänischer Fernbahnhof gemeinsam betrieben werden könne.

Der Haken dabei: Die Ratsversammlung hatte ein vergleichbares Projekt kurz vor der Kommunalwahl 2012 eigentlich schon per Mehrheitsbeschluss beerdigt. Die CDU hatte damals identische Überlegungen angestellt, war aber mit ihrer Forderung nach einer Arbeitsgruppe auf Grund gelaufen – ein Umstand, den Ratsherr Arne Rüstemeier dem Rat noch einmal unter die Nase rieb. Man habe aus wahltaktischen Gründen ein Jahr in den Sand gesetzt. Trotzdem stimmte die CDU dem Projekt zu. Für die große Mehrheit gab es gar keine Alternative. „Wir wären schön blöd, diese Chance, gemeinsam an der deutsch-dänischen Infrastruktur zu arbeiten, nicht ergreifen würden“, meinte Christian Dewanger (WiF). Torsten Kjärsgaard (SSW) warnte vor dem drohenden Kraftzentrum zwischen Kopenhagen, Malmö und Helsingör, das sich in Konkurrenz zu der 1000 alten Jütlandroute formiert. „Die Ör-Stadt kommt. Die Metro wird schon geplant“, meinte er, „wir müssen größer denken“, so Christian Koch (FDP). Einzig SPD und Grüne winkten ab. Helmut Trost setzt auf den vorhandenen Bahnhof. Das Bestreben der Dänen sei nur, ihre eigene Verbindung zu beschleunigen, und auch Stefan Thomsen (Grüne) bezweifelt, dass es ein neues Gutachten braucht. Jeder Bahnfahrer sei Gutachter in eigener Sache, wenn es um die Bewertung der Bahnstruktur gehe.

 

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