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Wald-Pädagogik : Flensburg: Der Wald wird zum Klassenzimmer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Klasse 4a der Falkenbergschule tauscht bis zu dreimal im Jahr das Klassenzimmer mit dem Wald und erforscht Tiere und Pflanzen mit einer Waldpädagogin.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Während Oliver durch den Wald läuft, gibt er immer wieder leise Piep-Geräusche von sich. Ab und zu hört er hinter einem Baumstamm oder einer großen Wurzel eine Antwort – hier haben sich seine Mitschüler versteckt, die Oliver nach und nach einsammelt und ins „Nest“ bringt, eine kleine Höhle aus Zweigen. Die Klasse 4a der Falkenbergschule hat heute Waldtag in der Marienhölzung, und Oliver spielt den Zaunkönig, der erfrieren würde, wenn er die kalte Winternacht alleine verbringen müsste. Deshalb ruft er seine Artgenossen, um sich gegenseitig zu wärmen.

Überlebensstrategien von Tieren im Winter hat Waldpädagogin Gudrun Perschke-Mallach heute auf den Stundenplan gesetzt. Die Kinder lernen, welche Tiere Winterschlaf oder Winterruhe halten, wie sie ihre Nester bauen oder wohin sie in den Süden fliegen. Im Wald suchen sie nach Tierspuren wie angefressenen Zapfen, Blättern oder Fußabdrücken.

Während die Neun- und Zehnjährigen in alle Richtungen davon laufen, um die Spuren zu finden, erzählt Perschke-Mallach vom Projekt „Ganzheitliche Umweltbildung an außerschulischen Lernorten“. Seit 2010 finanziert das Kinder- und Jugendbüro der Stadt Flensburg die Waldtage, so dass den Schulen keine Kosten entstehen. Derzeit nehmen mit den Schulen Ramsharde, Friedheim, Falkenberg und Altes Gymnasium vier Flensburger Schulen an dem Projekt teil. Zwei Bedingungen müssen von den Schulen eingehalten werden: Die Kinder sollten den Wald oder andere Naturflächen zu Fuß von ihrer Schule erreichen können, und jede Klasse soll mindestens zweimal im Jahr teilnehmen.

Denn Perschke-Mallach ist davon überzeugt, dass Kinder, um ein Verständnis für ökologische Kreisläufe entwickeln zu können, erst einmal Vertrauen zur Natur aufbauen müssen. Und zwar, indem die Kinder mit allen Sinnen die Natur kennenlernen. „Kinder spielen heute kaum noch in der Natur“, erklärt die Waldpädagogin, „stattdessen werden sie von ihren Eltern mit Aktivitäten überfrachtet oder den ganzen Tag vor den Fernseher gesetzt.“ Das Ziel des Unterrichts im Wald sei es, die Kinder ohne den erhobenen Zeigefinger für die Natur zu sensibilisieren, damit sie sich, wenn sie erwachsen sind, für deren Schutz einsetzten.

Bei der Klasse 4a, sagt Perschke Mallach, ist die Sensibilisierung für die Natur schon gelungen. Die Kinder wissen, dass sie nicht sinnlos Äste abreißen dürfen. „Letztes Mal haben wir zum Beispiel Pilze gesucht, und jetzt gehen die Kinder nicht mehr einfach an den Pilzen vorbei, sondern achten ganz genau darauf, was am Wegesrand wächst“, erzählt Lehrerin Sabine Herrmann. Zwei- bis dreimal im Jahr geht sie mit ihrer Klasse in den Wald. Darauf freuen sich die Schüler lange im Voraus. „Besonders gut ist, dass wir etwas lernen und trotzdem spielen dürfen“, erzählt die neun-jährige Jojo. Vilja berichtet, dass sie ihren Eltern auf dem Waldspaziergang häufig etwas Neues über den Wald erklären kann: „Die wissen viel weniger als ich.“ Bei all dem Entdecken, Spielen und Lernen haben die beiden Mädchen schnell vergessen, dass es immer stärker regnet. Das Wetter ist gerade sowieso völlig uninteressant – schließlich haben die beiden gerade den Schlafplatz eines Rehs entdeckt.

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