Schlauchtrockner der Berufsfeuerwehr : Flensburg: Der schiefe Turm wird umgelegt

Die ersten Teile des Schlauchturms werden mithilfe eines Baggers abgetragen.
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Die ersten Teile des Schlauchturms werden mithilfe eines Baggers abgetragen.

Auf Pudding gebaut: Am Mittwoch soll der Abriss des instabilen Trocknungsturms der Berufsfeuerwehr beginnen.

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29. März 2017, 12:00 Uhr

Flensburg | Das war’s wohl für den Schlauchtrockner der Flensburger Berufsfeuerwehr. Wenn alles nach Plan gelaufen ist, dürfte am Mittwoch ein ziemlicher Oschi von Spezialkran auf dem Betriebshof am Munketoft mit einer zerstörerischen Mission beginnen – dem Abbruch des 22 Meter hohen Gebäudes. Carsten Herzog, Chef der Berufsfeuerwehr, hofft, dass die Sache schnell erledigt ist. Der Abbruchunternehmer aus Flensburg hat zwei Tage veranschlagt, wenn das Wetter– wie vorhergesagt – mitspielt und etwas Regen den Staub bindet.

Seit 1954 waren in dem Gebäude die gereinigten Löschschläuche der Feuerwehr getrocknet worden. Als aber seit Herbst letzten Jahres das benachbarte alte Hallenbad abgebrochen wurde, hielt es auch den Turm nicht mehr. Er steht wie einst das Hallenbad auf dem mit Schrott, Kies und Schotter zugeschütteten Mühlenteich, ein Untergrund mit der Stabilität eines Puddings, der nach dem Verschwinden des mehrere tausend Tonnen schweren Schwimmbads zum Druckausgleich den Trocknungsturm in gefährliche Schieflage brachte.

Am Ende wich der Turm 46 Zentimeter von der Lotrechten ab – ein Sicherheitsrisiko. Weil das Gebäude zu kippen drohte, musste die Feuerwehr Anfang des Jahres ein Viertel ihres Betriebshofes still legen, was die latent vorhandenen Platzprobleme weiter verschärfte.

Jetzt ist Linderung in Sicht. „Unter optimalen Voraussetzungen ist in 48 Stunden alles gelaufen“, freut sich Herzog. Der Turm wird von der Spitze her abgetragen, der abgemeißelte Bauschutt kullert ins Innere und kann praktischerweise durch ein (noch zu vergrößerndes Fenster) im Parterre entnommen werden. Während des Abbruchs muss die Feuerwehr freilich mit weiteren Einschränkungen leben. Wegen der Staubentwicklung bleiben Türen und Fenster geschlossen, und die Rettungsdienste müssen ihre Einsatzfahrten beim Wachdienst anmelden, der das Abbruchgelände absichert. „Nicht so schlimm“, sagt Herzog. „Das sind durchschnittlich nur zehn Fahrten pro Tag.“ Die Einsatzfahrten des Löschzugs sind nicht beeinträchtigt, allerdings wünscht sich Herzog nicht unbedingt gerade in dieser Zeit einen komplizierten Großeinsatz, weil viel Spezialausrüstung auch beim Technischen Hilfswerk zwischengelagert werden musste.

Der übergroße, extrabreite Spezialtransport rückt von Husum aus an und darf nur zwischen drei und sechs Uhr morgens fahren. Nach einer Einsatzbesprechung am Mittwochmorgen ging es anschließend gleich los. Freitag um drei Uhr könnte schon Abmarsch sein. Es wird nicht die letzte Abbrucharbeit auf dem Gelände sein, denn der Bau einer neuen Feuerwehrwache auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbades rückt immer näher. In diesem Jahr, so Herzog, geht es um Boden- und Lärmschutzgutachten. Lärmschutz, weil im Bahnhofsumfeld und nach Abbruch der alten Feuerwache auch Wohnungen gebaut werden sollen, Bodenuntersuchungen, weil der schiefe Turm vom Munketoft die Problematik des Baugrundes nachhaltig vor Augen geführt hat.

Einen neuen Trocknungsturm braucht Flensburgs Feuerwehr übrigens nicht. Das wird dank einer gerade bewilligten Neuanschaffung künftig zu ebener Erde abgewickelt – sogar mit Hauptwaschgang.

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