zur Navigation springen

Gabi Ritter, Kandidatin der Linken : Flensburg: Das Herz schlägt immer links

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wohnort Tarup, der Neustadt verbunden: Gabi Ritter erlebte 20 prägende Jahre im quirligen Flensburger Arbeiter-Viertel.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2017 | 09:00 Uhr

Gabi Ritter (57) muss über den Wunsch-Hintergrund für das Kandidatenfoto nicht lange nachdenken: „Neustadt, das ist doch mein Kiez!“ Die Flensburger Landtagskandidatin der Linken wohnt zwar schon lange im „Sozialparadies“ Tarup. Ihre Sozialisation erfuhr die Flensburgerin jedoch in dem immer noch unverwechselbarem Stadtteil, der stark durch die Industrialisierung geprägt ist: die Neustadt.

Als Siebenjährige aus der Fruerlunder Straße kam sie in den Flensburger Norden und fühlte sich im rauen Arbeiterviertel gleich königlich. Aufgewachsen war sie bis dahin mit vier Geschwistern und ihrer Mutter in der Fruerlunder Straße. Ihr Vater fuhr zur See – 12 Monate im Jahr, mit zu kurzen Unterbrechungen an Land. „Wir hatten zweieinhalb Zimmer, vier Kinder mussten sich eins teilen“, sagt sie. Schon damals waren kinderreiche Familien nicht Vermieters Liebling. „Unsere Mutter hat ewig gesucht.“ Dann kam der Lotteriehauptgewinn: Die Neustadt Nr. 9 – eine großzügige Altbau-Etage. 140 Quadratmeter. „Hier können ihre Kinder endlich Lärm machen“, gab ihnen der Vermieter freundlich mit auf den Weg.

Fortan wurden Schiffswerft, und Fahrzeugwerke, Danfoss und Ulrich KG, Storno und Uldall die vertrauten Wegmarken. „Das waren spannende Jahre in einem spannenden Stadtteil“, sagt Ritter. Die ersten Gastarbeiter aus der Türkei kamen an, im Gefolge die türkischen Läden. Spielwiesen waren Schwarzental und Kaikante, das eigene Hausgrundstück mit einer verwunschenen Pforte zur Gartenstraße, in der tatsächlich noch die Gärten blühten. Gabi Ritter lernte und arbeitete bei Motorola-Vorläuferin Storno, fand früh den Weg in die Gewerkschaft. „Ich war als Schülerin schon links, habe dann bei der IG Metall so ziemlich jedes Seminar mitgenommen“, sagt sie. „Politisch war ich immer.“ Trotzdem dauerte es bis 2010, bis sie in der Kommunalpolitik landete. Eintritt in „Die Linke“, Bürgerschaftliches Mitglied der Fraktion, die altehrwürdige Arbeiterpartei, die SPD, war nie einen Gedanken wert. Warum nicht? „Weil ich links bin! SPD war Gerhard Schröder, Liberalismus, Agenda 2010.

Sie hat ein dickes Fell gebraucht bis hierher. Die Arbeit in der 2008 erstmals in den Rat gewählten Linksfraktion bescherte Gabi Ritter, Tochter kleiner Leute, im öffentlichen Diskurs das eine oder andere Spiel-nicht-mit-den-Schmuddelkindern-Déjà-vu. Da half und hilft ein dickes Fell. „Ich bleibe lieber sachlich und ruhig bis zum Schluss, greife niemanden persönlich an“, sagt Ritter. „Jede Aggressivität fällt so als Vorführeffekt auf den anderen zurück.“ Inzwischen sei aber wie bei den - mittlerweile arrivierten Grünen – eine gewisse Beruhigung eingetreten. Gute Voraussetzungen, um sich auf die Themen zu konzentrieren, die ihr die Neustadt frei Haus geliefert hat. Bezahlbarer Wohnraum, kostenlose Bildung, Gleichstellung von Frauen und Männern, Inländern und Zugezogenen – Bewahrung des Stadtteils, in dem sie groß wurde, als Raum für bezahlbares Leben. Sie fürchtet für Neustadt (und Duburg) das Schicksal so vieler Arbeiter- und Studenten-Viertel: die schleichende Unterwanderung und Verdrängung durch wohlhabende Bevölkerungsschichten. „Die Neustadt ist Sanierungsgebiet“, warnt sie . „Und ein Sanierungsziel lautet Gesunde Durchmischung“, sagt sie. „Da weiß man doch gleich, wie der Hase läuft.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen