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Steigende Zahl der Asylbewerber : Flensburg braucht 6000 neue Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ratsfraktion der Linken bringt die Gründung einer neuen kommunalen Wohnungsbaugesellschaft in die Diskussion.

shz.de von
erstellt am 22.Nov.2015 | 18:30 Uhr

Flensburg | 6000 neue Wohnungen müssten in Flensburg bis 2025 gebaut werden, 600 jedes Jahr. Die stetig nach oben korrigierte Zahl der Asylbewerber, die absehbar dauerhaft in der Stadt bleiben werden, erhöht den Druck auf die Stadt weiter. Eine eigene Wohnungsbaugesellschaft hat sie nicht mehr, sie wurde vor neun Jahren an den Selbsthilfebauverein (SBV) verkauft. Jetzt wird diskutiert, ob man eine neue „Wobau“ gründen soll, um vor allem der Nachfrage nach günstigem Wohnraum gerecht zu werden.

So viel Wohnraum zu schaffen, ist eine Herausforderung. Bislang realisiert der Selbsthilfebauverein ungefähr 65 neue Wohnungen im Jahr.

„Die Bautätigkeit der letzten Jahre zeigt, dass der private Wohnungsmarkt nicht in der Lage ist, alle Bevölkerungsgruppen mit bezahlbaren, qualitativ angemessenen Wohnungen zu versorgen“, schreibt die Ratsfraktion Die Linke in ihrem aktuellen Antrag zur Gründung einer KWG (Kommunale Wohnungsbaugesellschaft). Ihnen kommt es vor allem darauf an, dass es mehr günstige Wohnungen gibt – also vor allem Sozialwohnungen. Die werden mit zinsgünstigen Darlehen öffentlich gefördert, im Gegenzug werden die Mieten auf einem niedrigen Niveau (derzeit 5,20 Euro netto kalt) gedeckelt. Problem: Da die Zinsen seit Jahren ohnehin extrem niedrig sind, sind die Förderungen kein großer Anreiz für Investoren, Sozialwohnungen zu bauen.

Dennoch wurden und werden Sozialwohnungen in Flensburg gebaut, vor allem von den Wohnungsbaugenossenschaften SBV und Flensburger Arbeiter-Bauverein. Beispiel SBV: Bis 2022 wird das Unternehmen seit der Übernahme der einst städtischen Wobau (2007) 760 geförderte Wohnungen errichtet haben (Neubau oder Sanierung). 519 davon sind bereits realisiert, das sind im Schnitt 65 pro Jahr.

Auch private Investoren bauen geförderte Wohnungen; so entstehen im Projekt Alte Gärtnerei neben Eigentumswohnungen auch 19 geförderte Wohnungen, bei denen die Mieten auf einem Niveau gedeckelt sind, das den Investoren Bauchschmerzen verursacht: „Da buttern wir zu“, grummelt Bauherr Ralf Söhrnsen. Beim Bauprojekt „Roxy“ in der Innenstadt sind gar 13 der 17 Wohnungen gefördert und gedeckelt. Andernorts sind die Wünsche der Stadt ein Hemmnis: Am Tastruper Weg im Neubaugebiet Tarup-Südost halten die Festlegungen der Stadt den Bauherrn vom Bauen ab, sagt Frank Rolfes, Koordinator für Wohnungsbau bei der Stadt.

Doch was könnte eine städtische Baugesellschaft erreichen? Sie unterläge der Kontrolle der Stadt, Interessen privater Bauherren oder auch einer Genossenschaft spielten keine Rolle. SBV-Chef Raimund Dankowski: „Ich habe nichts gegen eine kommunale Gesellschaft – so lange die Stadt sie nicht irgendwann verkauft. Nur wird sie bei den Problemen, die es derzeit gibt, nicht helfen.“ Zum einen glaubt er, dass das Land nicht viel mehr Fördermittel nach Flensburg vergeben werde als derzeit; man schöpfe schon große Summen ab.

Doch wichtiger erscheint ihm ein anderer Aspekt: Die Stadt täte gut daran, die geplanten Bauprojekte und -flächen schneller auf den Weg zu bringen. Beispiel Bahnhofstraße: Durch die langjährigen Diskussionen um die Kita Schwedenheim und mögliche Ersatzeinrichtungen verzögere sich das Baurecht für diesen Teil des ambitionierten Projekts. Auch andere Planungen kommen zum Teil nur schleppend voran.

Ganz abgesehen von der Frage der Bauträgerschaft sieht der städtische Chefplaner Peter Schroeders die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen. Die seit Jahren bevorzugte Innenentwicklung werde künftig nicht ausreichen: „Wir müssen Suchräume im Außenbereich definieren.“ Mit Augenmaß, fügt er hinzu – konkreter kann oder will Schroeders noch nicht werden. „Wir scannen das gesamte Stadtgebiet.“

Der soziale Wohnungsbau werde zunehmen, prognostiziert er. Die Stadt bemühe sich, auch Investoren von außerhalb für Projekte in Flensburg zu gewinnen. „Wir werden den Schulterschluss mit dem sozialen Wohnungsbau hinbekommen.“ Der Antrag der Linken wurde im Hauptausschuss nicht abgelehnt; stattdessen soll die Verwaltung jetzt einen Fragenkatalog der SPD abarbeiten.

  

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